Condrieu 2010 AOC

| 22. November 2012 | 0 Kommentare ...alles

Viognier mit hoher Dividende.

Mineralisch dominierter Viognier der alles andere als breit und plump ist. Rassig, attraktiv und frech im Mundgefühl ein richtig frischer Tropfen.

Winzer/Weingut: Maison Nicolas Perrin, Valence, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von den Granitböden der relativ hohen Lagen Coteaux de Cherry und Coteaux de Rozay.

Flasche/Etikett: Konsequent umgesetztes Corporate-Design auch auf den Weissweinen der Maison Nicolas Perrin. In elegant geschlungener und selbstverständlich roter Schrift die ‘Herkunft’ auf dem Etikett aufgedruckt. Über all dem das grosse schwarze Wappen, eingerahmt von einem einer Ranke ähnlichem Geflecht und oben drauf die levadierenden Pferde. In der roten Schleife wieder das Motto ‘Axis Mundi’ und je öfter ich das Etikett betrachte und das Motto lese, umso mehr nährt sich der Verdacht in mir, einer geheimen ‘Loge’ auf der Spur zu sein.

Am Rückenetikett wie bei allen anderen alles Interessante in englisch aufgedruckt, sowie ein paar sensorische Bemerkungen zum Wein. Und weil dieser noch ein junger ist, kommt der ‘Antrunk’ direkt aus der Flasche in die Gläser und der Rest wandert für eine Stunde in die Karaffe.

Im Glas: In relativ hellem Gelb dreht der Condrieu im Glas seine Runde. Vollflächig benetzt er die Innenwand und fliesst mit einem leichten, dünnen Film wieder ab.

In der Nase: Sehr verhalten duftet es noch in der Nase. Nach Kamille, weissem Pfirsich und einer äusserst feinen Zitrusnote. Es riecht floral im Becher und wer seine Nase ganz tief in selbigen hineinsteckt, der wird auch einen kleinen Strauss von Fenchel entdecken. Fast wirkt es schüchtern was sich da im Glas drin tummelt. Ich bin sicher, dass der Rest, der noch in der Karaffe steht, um einiges intensiver riechen wird. In ein, zwei Stunden dann.

Im Mund: Wie erwartet fliesst der Condrieu sehr weich über die Lippen und ebenso über die Zunge. Was sofort auffällt ist seine relative Herbheit die da über den Gaumen zieht. Erfreulich ist, dass der Condrieu nicht übermässig breit wie viele Viogniers wirkt, sondern relativ schlank im Mundgefühl ist. Auch wenn es voll und weich und mild ist, wirkt er nicht fett und füllig. Wie ebenfalls zu erwarten war, ist der Condrieu sehr säurearm (was generell das typische Merkmal von Viognier ist). Dieser hier wird jedoch weniger von seiner Frucht getragen, hier dominiert eine rassige Mineralität auf der Zunge und am Gaumen. Auf der Zunge fühlt sich der Condrieu einserseits sehr mild und rund an, er versteht es aber sehr schön eine gewisse ‘Rasse’ freizusetzen, die, wie eingangs erwähnt, sicher auf die höheren, kälteren Lagen zurückzuführen ist. Somit ist es schön gelungen Frische in den Wein zu bekommen und ihn weniger breit als komplex und körperreich erscheinen zu lassen. Er wirkt fast schon ein wenig spritzig, wenn man dieses Wort für einen Viognier überhaupt in den Mund nehmen darf. Da ist Leben drin, ausgeprägte Mineralik sorgt für attraktiven frischen Trinkspass und die herbe Note am Gaumen macht Appetit auf mehr.

Mit zunhemender Luft nimmt der Condrieu wie erwartet ‘Fahrt’ auf. In der Nase öffnet er sich mehr, wird aromatischer, komplexer und intensiver. Auf der Zunge wird er saftiger, fast frech in der Frucht, um aber gleich wieder den Platz für ‘Monsieur Minerai’ zu räumen. Der Condrieu schmeckt definitv anders als viele seiner Artgenossen, er ist weniger gelb, er ist nicht so mollig und er ist eindeutig auf Mineralik fixiert. Er wird zwar fruchtiger mit der Zeit, aber diese feine herbe Note am Gaumen bleibt bestehen, sie fühlt sich elegant und vornehm an, sie macht Spass und bei aller weichen Fülle die Viognier so mit sich bringt, bleibt dieser hier ein frischer Tropfen. Manchmal ist ‘höher’ wirklich besser und in diesem Condrieu spürt man ein wenig von der ‘Höhenlage’. Im Mundraum sorgt der Condrieu für ein zwar mollig wirkendes, aber trotzdem leichtes Gefühl. Es ist voll, aber durch die frische Note und der Kühle im Wein wirkt er eben auch gleichzeitig schlanker. Ein Widerspruch? Mitnichten.

Resümee: Lippen, Zunge und auch Gaumen haben ihre Freude mit diesem Wein und je länger der Condrieu Sauerstoff aufnimmt umso süffiger wird er. Der einzige Nachteil bei diesem Spass ist, dass echte Condrieus ins Geld gehen und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass dieser hier so um die 40-45 Euro kostet. Angesichts der aktuellen Zinspolitik aber auf jeden Fall ein besseres Investment als die Kohle auf die Bank zu tragen. Während dort das eingezahlte Kapital sofort entwertet wird, wirft der Condrieu fast schon unanständig hohe ‘Dividenden’ im Lauf der nächsten ein, zwei Jahre ab.

Tipp: Karaffieren lohnt sich. Geben Sie dem Wein zumindest 30 Minuten Luft. Am besten bei 10-12º. Passt hervorragend zur asiatischen Küche, kräftigen Pastagerichten wie z. B. Carbonara sowie zu Grillfisch und weissem Fleisch. Solo ein echter Meditationswein.

Einen Bericht über den Condrieu lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Condrieu 2010 von Maison Nicolas Perrin aus Valence in Frankreich. Zur Verfügung gestellt wurde uns der Wein von Veritable Vins Domaines, Deutschland.

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Kategorie: Maison Nicolas Perrin, Verkostet

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