Clos de Trias ‘Ventoux Rouge’ 2007

| 20. Juli 2012 | 0 Kommentare ...alles

Nur der Geduldige wird belohnt.

Wenn Zeit im Wein für die Sinne wahrnehmbar und mitverfolgbar wird. Faszinierendes Weinerlebnis für Fortgeschrittene und Könner.

Winzer/Weingut: Even Bakke, Clos de Trias, Le Barroux, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von sehr alten, auf klassischem Trias-Kalk stehenden Reben am Mont Ventoux in Le Barroux.

Flasche/Etikett: In der klassischen Burgunderflasche steht dieser Wein nun vor uns und macht mit seinem weinroten Etikett richtig Eindruck. Es ist schlicht und einfach, zeigt in der Mitte eine Illustration einer fossilen Muschel oder Schnecke, unten drunter der Namen der Domaine und links und rechts den Jahrgang und die Herkunft. Am Rückenetikett dann alles über den Wein selbst, in französisch und englisch, eben multikulturell.

Weil wir a) aus Erfahrung wissen, dass Bioweine wie dieser gerne ein paar Stunden Luft schnuppern bevor man sie richtig geniessen kann und wir b) den Weisswein Even Bakkes, den *Ventoux Blanc bereits getrunken und dabei festgestellt haben, dass dieser sich erst nach vier Stunden wirklich ‘geöffnet’ hat, kommt der Ventoux Rouge für drei Stunden in den Dekanter. Was definitiv eine gute Entscheidung ist, denn kaum in den Dekanter umgefüllt riecht die Cuvée die aus hauptsächlich Grenache mit etwas Syrah, Carignan und Cinsault ist vorerst wie, man verzeihe mir den Ausdruck, abgestandene Pferdepisse. Ein Phänomen welches wir bereits des öfteren gerade bei ‘langsamen’ Weinen beobachtet haben, das sich aber nach einer Weile oft in einen betörenden Duft verwandelt. Wir haben deshalb einen ‘Riechstopp’ angeordnet und nach drei Stunden kommt der ‘norwegische Franzose mit kalifornischem Background’ dann ins Glas.

* Dieser Wein war knappe vier Stunden untrinkbar, weil bitter. Dann hat er wie von Zauberhand ‘aufgemacht’ und war reinster fruchtiger Honig im Mund. Ein Erlebnis der Extraklasse, welches aber ein wenig ‘Können’ und vor allem Geduld erfordert um es auch geniessen zu können.

Im Glas: Drei Stunden später kommt der ‘Stinker’ dann ins Glas. Dort steht der Wein in einem saftigen und kräftig-dunklen kirschrot und lässt nicht allzu tief blicken, Der Wein ist dicht und zieht feste Schlieren an der Wand hinter sich her.

In der Nase: Das wirklich (oder auch nicht wriklich) überraschende ist, dass jetzt ein intensiver kräutriger Duft aus dem Kelch strömt der sich in den nächsten Stunden sicher noch immens weiter entwickeln wird. Es riecht nach Kräutern und nach überreifer Sauerkirsche sowie ein wenig nach Brombeere. Es duftet ‘südlich’ in der Nase. Unüblich für einen Wein der hauptsächlich auf Grenache basiert, eher zu erwarten bei Carignan und Cinsault, die vom Duft her im Moment die Oberhand haben. Auf jeden Fall ist auch nach drei Stunden eines klar; dieses Bukett muss man mögen und man muss gewillt sein es in seiner Entwicklung weiter zu beobachten. Da für mich persönlich der Ventoux Rouge zu den ‘Lernweinen’ gehört macht es wie immer Spass das alles zu verfolgen.

Im Mund: Auf die Zunge gleitet der Ventoux Rouge dann ebenso überraschend weich wie saftig. Ehrlich gesagt habe ich einen völlig anderen Wein erwartet. Härter, wilder, rustikaler und schroffer. Genau das Gegenteil ist aber der Fall. Der Ventoux Rouge ist wie ein Schmusekater welcher sanft auf der Zunge schnurrt und seine Krallen (Gerbstoffe) nur ganz vorsichtig zeigt. Wie eine Katze eben, welche diese ausfährt und sie, ohne sie einzusetzen, einen spüren lässt. Viel Schmelz ist auf der Zunge und der Wein geht alles andere als in die Breite. Trotz seiner 14,5% wirkt er fein, niemals voluminös oder fett und schon gar nicht heiss und schwer. Vielmehr zeigt sich der Ventoux Rouge als distinguierter und tiefgründiger Begleiter für diesen verregneten Abend.

Es ist verwunderlich wie leicht und süffig sich dieser ‘Rote’ präsentiert und wie samtig weich er auftritt. Kräutrig dominiert durch den Carignan, mit der Würze der Syrah untermalt und der pfeffrigen Frucht der Grenache versammelt sich in diesem Wein alles äusserst harmonisch zu einem stimmigen Ganzen.

Je mehr Luft der Ventoux Rouge aufnimmt umso saftiger, fruchtiger und süffiger wird er. Der Tropfen wird immer runder, mundfüllender und verzückt sogar mit einem richtig weichen, fruchtsüsslichen Nachhall. Er umspült den Gaumen wunderschön mit seiner reifen Frucht, lullt ihn förmlich ein und wird trotzdem nie breit. Hätte der ‘Unkundige’ den Wein ob seines ‘Duftes’ nach dem Öffnen wahrscheinlich weg geschüttet, so ist jetzt, nach knappen vier Stunden ein Wein im Glas der einfach umwerfend ist. Even Bakkes Ventoux Rouge ist wieder einer jener Weine welche man aufmacht, im Anschluss einkaufen oder joggen geht, danach eine Dusche nimmt und etwas isst und sich dann einem Wein gegenüber sieht, der das genaue Gegenteil von dem ist was er ursprünglich war. Zeit im Wein wird für die Sinne wahrnehmbar und mitverfolgbar. Einfach faszinierend.

Resümee: Vier Stunden Luft, in der Nase nach wie vor intensiv kräutrig-fruchtig, im Mund ein Feuerwerk an Fruchtigkeit in Kombination mit einer leichten Note von Menthol. Auf der Zunge würzig-pfeffrig und am Gaumen von herrlich sanften Gerbstoffen umweht. So weich, dass man nicht genug von ihnen bekommt. Im Abgang fest, verbunden mit einer fruchtig-herben Note und sehr lang nachhallend. Ein Wein der trotz seiner 14,5% kühl ist obwohl er wärmt und der warm ist, obwohl er erfrischt. Ein Sommer-Rotwein für Könner. Und das alles zum fast schon unanständigen Sozialtarif von unter 10 Euro. Wein für Lernwillige und für Entdecker.

Weil soviel ‘Entwicklung’ in den letzten vier Stunden und die damit verbundenen Überraschungen noch neugieriger machen, wird der Wein heute noch bis zum letzten Tropfen verkostet. In der Zwischenzeit sind sieben Stunden vergangen die er im Dekanter verbracht hat und eines kann man jetzt schon sagen. Wer den ‘Nerv’ hat den Ventoux Rouge über Nacht wegzustellen, der wird am nächsten Tag mit einem ‘Bombentropfen’ belohnt. Langsame Weine benötigen manchmal wirklich ‘etwas mehr’ Zeit, umso mehr entschädigen Sie aber den Geniesser dann und führen ihn zu neuen Weinhorizonten.

Tipp: Dekantieren Sie den Wein für mindestens drei, besser vier Stunden. Mag lang erscheinen, belohnt aber mit unheimlich saftigem, fruchtigem Genuss. Bei 15-17º (im Winter 16-18º) servieren und sich einfach am ‘Wunder Natur’ erfreuen. Geniessen Sie den Tropfen zu mediterranen Gerichten oder einfach solo. Und nehmen Sie sich Zeit für ihn.

Einen Bericht über den Clos de Trias ‘Ventoux Rouge’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein ‘Ventoux Rouge’ 2007 von Even Bakkes Clos de Trias aus Le Barroux, Frankreich. Da es sich bei diesem Wein um einen aus eigenem Bestand handelt, gibt es natürlich auch die entsprechende Bezugsquelle dazu: Clos de Trias ‘Ventoux Rouge’ (K&U Weinhalle)
Von uns eingekaufte Weine werden je nach Lust und Laune und vor allem Zeit, zwischendurch verkostet und es wird ausserhalb offizieller Sortimentsverkostungen und Verkostungsrunden darüber berichtet.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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