Clos de Trias Blanc 2008

| 31. Juli 2013 | 0 Kommentare ...alles

Exzentrisch exotisch.

Echtes Weinabenteuer. Komplett anders als alles was man kennt und mit soviel Regionalität und Herkunft ausgestattet, dass es fast schon weh tut.

Winzer/Weingut: Even Bakke, Clos de Trias, Le Barroux, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von sehr alten, auf klassischem Trias-Kalk stehenden Reben am Mont Ventoux in Le Barroux.

Clos de Trias blanc Flasche/Etikett: Das Etikett das auf der Burgunderflasche klebt ist im Design ident mit dem des ‘roten’ Clos de Trias, nur dass dieses in grau gehalten ist. Auch hier ist in der Mitte die Illustration einer fossilen Muschel angebracht, der Name der Weines, der ident mit dem des Weinguts ist, und links und rechts der Jahrgang und Ventoux. Even Bakke am unteren Rand, mit dem Hinweis was er ist, nämlich Vigneron. Am Rückenetikett noch ein paar Informationen über den Wein sowie alles was sonst noch drauf sein muss.

Wie eingangs bereits erwähnt kenne ich diesen Wein bereits aus einer privaten Vekostung. Aufgrund der dabei gewonnenen Erfahrung kommt der Clos de Trias blanc deshalb für drei Stunden in die Karaffe. Er ist nämlich ein Stinker der sich erst nach und nach öffnet, dann aber zu einer Form aufläuft die einfach umwerfend ist. Und deshalb darf er jetzt bis mittags in aller Runde seine Kreise ziehen um sich nachher im grossen Becher von seiner besten Seite zeigen zu können. Auch das trägt wesentlich zum fröhlichen Genuss bei.

Im Glas: In pappsattem goldgelb steht der Clos de Trias im grossen Becher. Mit einem ganz feinen Stich ins Orange hinüber. Eine Farbe zum reinbeissen.

In der Nase: Nach drei Stunden keine Spur mehr von stinkig sondern relativ exotisch in der Nase. Fette Bananen, Ananas und Mandeln sind zu riechen und jede Menge dunkelgelber Honig. Birnen duften aus den exotischen Aromen heraus, es riecht so gelb wie der Wein gelb im Glas steht. Füllig, opulent und doch gesittet. Das ist kein Duft wie man ihn kennt, das ist etwas ganz Eigenes das hier aus dem Kelch strömt. Blütenaromen mischen sich dazu und auch so etwas wie Weissdorn. Ein sehr komplexer Duft der sich immer mehr im Glas entfaltet. Das Kommando haben aber ganz eindeutig die Bananen- und Honignoten, so als hätte man beide miteinander verrührt und nachher mit einer Packung frischer Mandelsplitter ergänzt. Bukett zum schnüffeln. Schon alleine weil man so etwas nicht jeden Tag riecht.

Im Mund: So exzentrisch und exotisch wie der Clos de Trias in der Nase war, genauso kommt er in den Mund. Einerseits zieht er richtig saftig und mit einer charaktervollen gelben Fruchtwürze über die Zunge hinweg, andererseits sorgt der Tropfen mit seiner feinen phenolischen Ader, welche sich in saftigen dunkelgelben Fruchtaromen integriert zeigt, für Staunen. Säure kann man mit der Lupe suchen, ganz fein nimmt man sie nur wahr, spürt den Wein mild und füllig im Mund liegen und schmeckt einer äusserst subtilen Mineralik hinterher. Alles fühlt sich butterweich, fast cremig im Mund an. Bienenwachs, Weissdorn, etwas Mandel schmeckt man und ist ergriffen von der Tiefe die der Wein vermittelt. Grosses Volumen, weicher Charakter und exzentrische Aromatik sorgen für einen ersten aussergewöhnlich anderen Weisswein-Eindruck.

Je mehr Luft der Clos de Trias aufnimmt umso saftiger, aber auch gelbwürziger wird er im Mund. Man springt in der sensorischen Wahrnehmung zwischen überreifen gelben Früchten und weissen Blütenaromen hin und her, man staunt über die Fülle die sich im Mund breit macht und merkt gleichzeitig wie fein der Clos des Trias trotz allem ist. Dafür sorgt diese frische Mineralik die in ihm steckt, die das voluminöse und saftige ‘Gelbe’ etwas dämpft und ihn leichter, frischer erscheinen lässt. Ebenso sorgt der feinst phenolische Abgang über den Gaumen für ein edel rauchiges Erlebnis. Pure Mineraliät die über den Gaumen zieht, verpackt in Bienenwachs und fast schon braungelben Ananasaromen. Als i-Tüpfelchen mit einer superfeinen bitteren Note im Finale. Dieser Wein ist nicht einfach zu ‘greifen’, er fordert Aufmerksamkeit und will auf jedem Millimeter der Zunge in all seiner Opulenz und gelben Aromatik wahrgenommen werden. Er presst Bananen und Birnen zu Mus und lässt einen weisse Blüten förmlich darauf spüren. Um sich, kaum dass man sich darauf eingestellt hat, in seiner herben Art über den Gaumen herzumachen, ihn mit feinstem Schotterstaub einzuhüllen und sich in einem langen, fruchtherben Abgang zu verabschieden.

Resümee: Nach fünf Stunden in der Karaffe fühlt sich der Clos de Trias mild wie Kamillentee im Mund an, geizt dabei aber keinesfalls mit warmer, gelber Würze auf Zunge und Gaumen. Er fühlt sich kräftig an ohne zu übertreiben. Er wird saftiger, runder, fülliger und intensiver im Geschmack. Die Zunge badet er förmlich in einer Wanne voll exotischer Fruchtaromen und als Draufgabe packt er noch einen Schuss dunklen Honig dazu. Es gibt wenig Weine auf welche die Bezeichnung expressiver Individualist treffender passen könnte als auf den Clos de Trias. Dieser Wein ist echtes Abenteuer, ist komplett anders als alles was man kennt und zeigt so viel Regionalität und Herkunft, dass es fast schon weh tut. 2400 Flaschen gibt es von diesem ‘Maverick’ für nicht einmal 12 Euro, was einerseits kein und deshalb sehr wohl ein Witz ist. Ich lasse den Rest der Flasche jetzt bis morgen in der Karaffe stehen, weil ich ahne was da noch alles auf mich zukommt. Grosses Kino und ebenso grosses, beeindruckendes Weinerlebnis!

Einen Bericht über den Clos de Trias Blanc lesen Sie auch hier.

Tipp: 3-4 Stunden unbedingt in der Karaffe atmen lassen. Fängt eigentlich erst nach vier Stunden an so richtig ‘aufzugehen’. Um die 12-14º aus dem grossen Burgunderglas geniessen. Zu mediterranen Fisch- und Geflügelgerichten ein anspruchsvoller wie auch individueller Begleiter. Als Solist ein intellektueller Zeitgenosse der wenigstens ein Buch von Rimbaud am Beistelltisch fordert.

Verkostet wurde ein Ventoux Blanc ‘Clos de Trias’ 2008 von Even Bakke aus Le Barroux, Frankreich. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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