Chiaretto del Garda D.O.C. 2011

| 19. Juli 2012 | 0 Kommentare ...alles

Geheimnisvoll und überraschend.

Sommerrosé der anderen Art. Ungewöhnlich in der Komposition und noch ungewöhnlicher im Geschmack. Knochentrocken und geheimnisvoll.

Winzer/Weingut: Famiglia Olivini, Desenzano del Garda, Brescia, Italien.

Lage/Herkunft: Traubenmaterial zu 100% von eigenen Hanglagen rund um San Martino di Battaglia am südlichsten Eck des Gardasees.

Flasche/Etikett: Auch der Chiaretto del Garda steht in der grossen Burgunderflasche am ‘Tisch der Wahrheit’ und funkelt schon in all seiner Pracht aus ihr heraus. Auch dieses Etikett ist an Eleganz und Stil fast nicht zu übertreffen.

Da ist wieder dieses einfache, aber umso einprägsamere Streifendesign welches die kompette Linie der Olivini-Weine ziert. Reduziert aufs Wesentlichste, nur dieses Mal in rosa, silber und violett gehalten. Eine perfekte Farbkombination als Kontrast zum leuchtenden Rosa das die Flasche füllt. In den violetten Streifen Name, Herkunft und Status in weiss eingedruckt und fertig ist ein Etikett, welches italienischer Designerkunst Ehre macht. Alles was man sonst noch wissen will und muss steht auf dem Rückenetikett, welches dem ansprechenden Design des Hauptetiketts perfekt angepasst ist und sich nahtlos einfügt. Das erste was dann beim Öffnen auffällt ist der weisse Kunststoffkorken, der als i-Tüpfelchen den Gesamteindruck elegant komplettiert.

Im Glas: Aus dem Glas leuchtet der Chiaretto Classico wie frisches Himbeerwasser. Hell aber trotzdem satt in der Farbe und klar in der Erscheinung steht er drin.

In der Nase: Aus dem Glas strömt der Duft von mehr Erdbeeren als Himbeeren und das ganze Fruchtkonzert wird von einer sanften würzigen Note begleitet. Es riecht nach Rosen und ganz im Hintergrund zieht eine nicht genau definierbare Duftspur vorbei die dem Chiaretto etwas Geheimnisvolles mitgibt. Dieser undefinierbare ‘Touch’ macht sein Bukett unverwechselbar, was sicher auch an der ungewöhnlichen Kombination der Rebsorten liegt. AInsgesamt ein interessanter, vor allem erfrischender und Lust aufs Trinken machender Duft.

Im Mund: Nachdem der Mundraum bereits unter Wasser steht ist es Zeit den Chiaretto auch zu spüren und zu schmecken. Und eines steht schon beim ‘Einlass’ in den Mund fest, noch bevor der erste Tropfen sich überhaupt auf der Zunge und am Gaumen festgesetzt hat. Dieser Wein schmeckt ‘anders’. Nämlich wirklich völlig anders. Nimmt man einen Mund voll und ‘erkundet’ diesen Tropfen mit der Zunge, meint man etwas Salziges mit einem Hauch von sauer zu spüren. Ein Gefühl das man erleben muss. Der Wein selbst ist so trocken, dass man auf der Zungenspitze noch immer diese füllige Konsistenz spürt während der Rest von ihr bereits völlig abgetrocknet ist.

Hat man sich erst an dieses ‘Naturschauspiel’ im Mund gewöhnt, merkt man sogar eine leichte Bitterkeit im Nachhall, welche an Mandeln erinnert. Dieses Zusammenspiel von salzig und bitter ist auf die beiden Rebsorten Marzemino und Groppello zurückzuführen. Auch das vorhin erwähnte leicht Saure ist nicht wirklich sauer, sondern ein durch die aktive Säure des Groppello verursachte, verstärkt fühlbare Salzigkeit des Chiarettos. Sangiovese und Barbera sorgen für das feinherbe Gerüst und die beiden anderen (Rebsorten) tanzen ihren besten Tango auf der Zunge.

Resümee: Der Chiaretto ist eindeutig ein Tropfen der es versteht mit seinem ‘Überraschungsangriff’ auf die Zunge den Gaumen dermassen abzulenken, dass man in dem Moment in dem er die Kehle passiert vergessen hat, wie das gerade noch geschmeckt hat. So intensiv hält sich dieser füllig-salzige Eindruck auf der Zunge. Man will nicht aufhören die Zunge immer wieder über den Gaumen zu ziehen um dieses erstaunliche Erlebnis so lang wie möglich auszukosten und zu wiederholen. Ist die Salzspur einmal abgezogen und konzentriert man sich wieder auf seine Zunge und den Gaumen merkt man, wie zart, herb und fein der Chiaretto eigentlich ist. Man spürt wie sich die Aromen von Rosenblättern entfalten und eine leichte fruchtige Spur sich anschickt wahrgenommen zu werden. Bei all dem fällt einem auch diese leicht bittere Note im Hintergrund auf, die aber nie aufdringlich wird, sondern dem Wein vielmehr eine edle, herb-erfrischend Eleganz verleiht.

Interessant zu beobachten ist, dass der Chiaretto mit Luft diese unmittelbare Salzigkeit beim ersten Auftreffen auf die Zungenspitze ein wenig verliert und sich dann würziger und herber zeigt. Er wirkt erheblich mineralischer als am Anfang was uns dazu führt, eine Dekantierempfehlung auszusprechen. Eine halbe Stunde Luft macht diesen Wein komplexer und man merkt, wie sich das Salzige das vorher nur die Zungenspitze eingehüllt hat, sich nun auf einem weit grösseren Bereich bemerkbar macht und an den Zungenrändern abgleitet. Mehr mit feiner Würze kombiniert und deshalb noch schmackhafter. Ein wirklich ‘anderer’ Rosé, vom Gardasee. Mit 12,5% ein idealer Durstlöscher und um durchschnittlich 10,- Euro ein alltagstauglicher Sommerwein.

Tipp: Für 30 Minuten in die Weissweinkaraffe und dann einfach wegtrinken. Ist ein richtig toller Sommertropfen und erfrischt ungemein herb. Kein Fruchtwasser und deshalb perfekt zu allem was aus dem See kommt geeignet. Auch zu gegrillten Sardinen und Spaghetti mit Weissfisch ein Gedicht. Ideale Trinktemperatur ist 8-10º.

Einen Bericht über den Chiaretto del Garda lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Chiaretto del Garda D.O.C. Rosé 2011 von Famiglia Olivini aus Desenzano del Garda in der Region Brescia, Italien.

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Kategorie: Famiglia Olivini, Verkostet

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