‘Chavignol’ Sancerre 2010

| 23. Dezember 2011 | 0 Kommentare ...alles

Sauvignon Blanc kann so herrlich anders schmecken.

Kein metallisches und kaltes Gebrüll in Nase und Gaumen, vielmehr ein sanfter Faserschmeichler, der mit Rasse und Finesse überzeugt.

Winzer/Weingut: Pierre Martin, Yves et Pierre Martin, Sancerre, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus Chavignol, einem kleinen Dorf in der Nähe von Sancerre, wo Pierres Vater, Yves Martin, einen renommierten bäuerlichen Winzerbetrieb leitet.

Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche klebt ein sehr verhaltenes, farblich gedecktes Etikett. Kein grosses Aufsehen, einfach das Wichtigste klar erkennbar angeführt. Chavignol in einer edlen Typo und die Applellation Sancerre in gold. Wer die Rebsorte sucht der wird keine finden. Entweder weiss man was in der Flasche ist oder man lässt sich überraschen. Was wieder zeigt, dass in Frankreich die Herkunft das Wichtigste ist. Andererseits gefällt mir soviel ‘Regionales Selbstbewusstsein’ auch schon wieder.

Im Glas: Sehr hell und blassgelb zeigt sich der ‘Chavignol’ im Glas und vermittelt einen leichtfüssigen Eindruck. Eine ganz feine Perlage am Grund des Glases kündigt einen frischen Wein an.

In der Nase: Und dann ist er wieder da, dieser Duft ‘Langsamen Weines’. Wer sich erst einmal an die Buketts dieser gewöhnt hat, der will nie mehr etwas anderes riechen. Ich jedenfalls bin bereits vollständig verzaubert davon. Es ist so anders, nicht laut und brüllend wie das von Massenweinen, es ist vornehmer, leiser und in diesem Fall sehr animierend. Es riecht nach Zitrusfüchten ohne zu brennen, nach Mineralität ohne hart zu wirken und es riecht nach Frühling pur. Die Nase ist eine Wucht und erfrischt mit Finesse und Reinheit was das Zusammenspiel von Zitrusfrucht und Mineralität angeht.

Im Mund: Zuerst Verwirrung. Glaubt man nämlich gerade die saftige Frucht zu spüren, drängt sich unmittelbar eine verführerische Cremigkeit dazwischen und schreit danach wahrgenommen zu werden. Was man im Augenblick als feste Säure einreihen will ‘verdampft’ augenblicklich und hinterlässt ein ganz mildes Geschmackerlebnis. Obwohl der Wein vor Rasse strotzt ist er just in jenem Moment in dem man glaubt diese Rasse zu verspüren, urplötzlich ein ganz sanfter, weicher Wein. Faszinierend. Der ‘Chavignol’ ist wieder so ein typischer Langsamer Wein wie viele andere auch. Kein massenkonditionierter und in der Regel ‘harter’ Sauvignon Blanc, er ist eigenständig, relativ weich und hat ein unverwechselbares Profil.

Hier streiten sich nicht künstlich geformte Aromen um den Vortritt, hier ist alles im Gleichgewicht. Säure, Frucht, Mineralität; alles lebt und entfaltet sich hier ohne dabei jemandem anderen auf die Füsse zu treten. Im Mund fühlt es sich in der Tat rassig an, die frische Mineralität leistet ihren Beitrag, die feine Säure verhält sich zivilisiert und lässt der Frucht den Vortritt.

Es macht richtig Spass diesen Sauvignon im Mund zu spüren. Wie er lebt und pusliert und wie er sich wie ein Samttuch über den Gaumen und die Lippen schmiegt. Er ist aktiv und fordernd, aber gleichzeitig fühlt er sich schmuseweich an. Er zeigt säuremässig was er kann, geht aber nie einen Schritt zuweit. Ist der Eindruck auf dem Höhepunkt klingt er ab und verwandelt sich in ein finessenreichen Fruchtspiel im Mund. Es scheint als machte es dem Wein Spass mit seinem Trinker ein wenig zu ‘spielen’.

Resümee: Unweigerlich fallen einem all die anderen Sauvignons ein die man bisher getrunken hat und stellt fest, dass diese alle hart, metallisch, kalt und seelenlos geschmeckt haben. Sie waren laut, hatten kein ‘Benehmen’ und letztlich waren sie alle gleich. Dieser hier ist eine Persönlichkeit, hat Charakter, präsentiert einem jedes vorhandene Talent auf der Zunge und am Gaumen und lässt einen geschmacklich auf höchstem Level partizipieren. Sauvignon Blanc kann so herrlich anders sein.

Der ‘Chavignol’ hat eindeutig Substanz und versteht es, diese bei jedem Schluck mit Bravour auszuspielen. Bei all seiner feinen Säure und Mineralität welche ihn so erfrischend machen, bleibt trotzdem immer die Zitrusfrucht im Vordergrund, ganz wenig und gerade so viel, dass ihre Begleiter nicht den Anschluss verlieren. Eine richtig tolle Kombination und vor allem ein ausserordentliches Trinkvergnügen. 15 Euro ist dieser Sancerre auf jeden Fall mehr als wert und sollte bei keinem Spargelessen fehlen. Ein idealer Wein den Frühling einzuläuten und sich daran zu erfreuen, wenn das Grün wieder aus den Ritzen spriesst. Genauso schmeckt und fühlt sich der ‘Chavignol’ von Pierre Martin an. Grosses Mundkino!

Tipp: Leicht gekühlt und ohne umfüllen aus der Flasche ins Glas schenken. Der Rest ist reinstes Trinkvergnügen.

Einen ausführlichen Bericht über den Chavignol Sancerre lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein spontanvergorener Sauvignon Blanc aus der Appellation Sancerre, ein ‘Chavignol’ 2010, von Pierre Martin aus Sancerre an der Loire in Frankreich.

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Kategorie: Verkostet

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