Châteauneuf-du-Pape 2010 ‘Roussanne’ Vieilles Vignes

| 14. Dezember 2012 | 0 Kommentare ...alles

Realverlust vs. Lustgewinn.

Bevor Sie mit ihrem Geld wieder irgendeine Bank retten oder es zu Silvester verballern, investieren sie es lieber in diesen Zaubertrank.

Winzer/Weingut: Château de Beaucastel, Courthezon, Vallée du Rhône, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von maritimen Molasseböden (Kalkstein) in Châteauneuf-du-Pape, zwischen Orange und Avignon.

Flasche/Etikett: Auch diese imposante Burgunderflasche ist mit dem aufgeprägten Siegel der Famille Perin versehen und auch dieses Etikett ist wie das des ‘roten’ Châteauneuf-du-Papes in klassischem Design gehalten. Einzig die Farbgestaltung des Familienwappens weist darauf hin, dass sich in dieser Flasche ‘weisser Saft’ befindet. Ergänzt nämlich die Farbe Grün (statt blau) das Rot im grossen Wappen. Dieses wird von den beiden gewichtigen Worten Vieilles Vignes (Alte Reben) eingefasst und weist auf die Besonderheit des Inhalts hin. Der Rest ist deckungsgleich mit dem des Châteauneuf-du-Pape rouge. Das Rückenetikett ist im Gegensatz zum ‘Roten’ in deutsch verfasst und man erfährt auch hier ein weing über die Geschichte, die Familie, die Lage, den Weinberg und die Reben. Selbstverständlich auch der Hinweis, dass dieser Wein nur in sehr begrenzter Menge verfügbar ist. Dekantieren ist nicht nötig, wir füllen ihn aber trotzdem in die Weissweinkaraffe um. Allein schon um ihn in voller Pracht strahlen zu sehen und die Vorfreude auf die Spitze zu treiben.

Im Glas: Strohgelb im Kern, funkelt der Wein mit einem breiten und kräftigen goldgelben Rand aus dem Glas heraus. Ebenso kraftvoll belegt ein schöner Film vollflächig die Innenseite.

In der Nase: Der Duft der einem entgegenströmt ist schlichtweg betörend, umwerfend, magisch. Es duftet dermassen frisch und saftig und exotisch, dass man am liebsten ins Glas hinein springen möchte. Da riecht es nach Honig, nach Papaya, nach Mango und Melonen, saftig und den Mund vollständig unter Wasser setzend. Ein ‘tropisches Feuerwerk’ das da in der Nase abgefeuert wird und von dem man nicht genug bekommen kann. Über all dem schwebt eine feine Note von Holz und verleiht dem ganzen damit einen speziellen Touch.

Im Mund: Beeindruckend ist wie voll und kräftig, wie intensiv und ausdruckssatrk der Châteauneuf-du-Pape ‘Roussanne Vieilles Vignes’ auf die Zunge kommt. Wie Butter gleitet er über die Lippen und setzt sich druckvoll auf der Zungenmitte ab. Dabei geizt er keinesfalls mit seinem vollgepackten Korb von Tropfenfrüchten und vermischt diese mit einer intensiven Mineralik. Sie fühlt sich an wie eingebettet in einem Haufen voller Steine. Der Wein fühlt sich ‘dick’ an und ist trotzdem sehr frisch, er ist keineswegs opulent obwohl er voll im Körper ist und er brilliert mit einer Textur die absolut erstklassig ist. Sogar Brioche schmeckt man heraus und dieser feine Honig-Holzton lässt das Fruchtorchester richtig üppig aufspielen.

Es ist der pure Genusss den Châteauneuf-du-Pape ‘Roussanne Vieilles Vignes’ auf der Zunge tanzen zu spüren, ihn zu fühlen wie er als saftige, fruchtig-mineralische Wolke über den Gaumen zieht und diesen richtig einölt. Da ist Kraft im Wein und Konsistenz, da wird mit Muskeln gespielt und mit deren Masse ‘angegeben’. Auch wenn ich bereits alle meine ‘Favoriten’ für das grosse Resumee festgelegt habe, dieser hier steht über allen sechzehn anderen die ich bis jetzt verkostet habe.

Der Châteauneuf-du-Pape ‘Roussanne Vieilles Vignes’ ist reich an ausgeprägter Aromatik und Intensität was das Mundgefühl betrifft. Wie Nektar füllt er den Mundraum aus, fühlt sich dabei aber trotzdem schlank und frisch an, was er seiner expressiven Mineralität zu verdanken hat. Sie federt den konzentrierten Saft der Tropenfrüchte gekonnt ab und setzt dem, quasi als Sahnehäubchen, einen feinen Holzton oben drauf. Gerade soviel, dass man ihn wahrnimmt. Suchtstoff pur. Gnadenlos auf die Spitze getrieben und am Ende mit einem feinen herben Abgang gesegnet. Was bleibt ist Saft, ein wenig Rauch und eine Mineralik die in ausgepressten Früchten ihr glanzvolles Ende findet. Umwerfend und einfach ‘ausserterrestrisch’ gut.

Resümee: Man muss ihn spüren diesen Wein, man muss das Gefühl auf den Lippen und auf der Zunge live erleben um nachvollziehen zu können wie sich goldener Nektar anfühlt und wie er schmeckt. Wenn man es auf die Spitze treiben will dann könnte man behaupten, dass sich der Châteauneuf-du-Pape ‘Roussanne Vieilles Vignes’ gar ‘restsüss’ anfühlt, diesen Zuckerschwanz aber ganz tief in mineralischem Geröll verbuddelt hat. Obwohl es ‘nur’ der konzentrierte Saft von Frucht ist. Ein wahrlich aussergewöhnliches Weinerlebnis, das die schlappen 90-100 Euro die es kostet mehr als jeden davon wert ist. Hört sich dekandent an? Okay, aber angesichts der Tatsache, dass Geld am Sparbuch täglich real an Wert verliert sollten Sie sich was um ihre Kohle gönnen und sie nicht durch andere ‘verbrennen’ lassen. Genussvoller kann man sich dem aktuellen ‘Geldvernichtungswahnsinn’ nicht entziehen. Ist das ein Argument? Dann ran ans ‘Plastik’ und was Feines für das Fest besorgen. Besser als wieder irgendeine Bank zu ‘retten’ oder zu Silvester in die Luft zu jagen.

Tipp: 30 Minuten an der Luft tun ihm gut. Nicht unter 12º servieren, braucht ein wenig Temperatur. Zum Essen viel zu schade, gönnen Sie sich diesen Zaubertrank am besten solo. Als Belohnung, zur Entspannung, oder einfach weil das Leben schön ist.

Einen Bericht über den ‘Roussanne’ Vieilles Vignes lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Châteauneuf-du-Pape 2010 Roussanne Vieilles Vignes vom Château de Beaucastel aus Châteauneuf-du-Pape, Vallée du Rhône in Frankreich.

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Kategorie: Château de Beaucastel, Verkostet

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