Chardonnay ‘Lafon Prestige’ 2010

| 24. März 2012 | 0 Kommentare ...alles

Chardonnay für Könner.

Kein Chardonnay von der Stange ist hier in der Flasche. Dieser edle Tropfen erfordert etwas Aufmerksamkeit und betört auf wundersame Art.

Winzer/Weingut: Domaine de Valensac, Florensac, Languedoc, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus Florensac im Département Hérault im französischen Languedoc.

Flasche/Etikett: Seinem Rang entsprechend steht der ‘Lafon Prestige’ in der wuchtigen Burgunderflasche vor uns. Edel ummantelt mit einer weissen Haube mit goldenem Logo. Das Etikett schlicht in weiss gehalten und mit goldenem Schriftzug seinen Namen tragend. Herkunft und Art sowie das Siegel des Hauses schmücken den Rest des Stück Papiers. Bevor der ‘Lafon Prestige’ jedoch ins Glas kommt darf er 30 Minuten Sauerstoff in der Karaffe aufnehmen um sich ein wenig sammeln zu können.

Im Glas: Satt und hellgelb mit leichten grünlichen Reflexen funkelt der ‘Lafon Prestige’ aus dem Glas. Klar in der Farbe und transparent steht er da und schimmert vor sich hin.

In der Nase: Der Duft der aus dem Glas strömt ist betörend intensiv sowie warm und leicht würzig. Nicht laut, aber charaktervoll und von morbider Raffinesse. Es riecht nach frischem Backteig, eigenwillig, und erinnert mich schlagartig an einen Chardonnay den ich vor einigen Monaten aus dem Jura verkostet habe. Nur ist der hier aus Südfrankreich. Es riecht nicht so wie man es sich von einem Chardonnay erwartet hätte, dieses Bukett hat das gewisse Extra. Faszinierend und ergreifend.

Im Mund: Der erste Schluck dann richtig konzentriert auf der Zunge, kompakt und frisch. Der Chardonnay präsentiert sich stoffig, ist verhalten in der Säure und glänzt mit Profil und Charakter. Kein Fruchtikus der versucht die Zunge und den Gaumen zu bezirzen, sondern ein recht eigenwilliger Tropfen der einem ‘Aufgaben’ stellt. Auch im Mund die Aromen warmen Backteigs, frischem Gebäck und leicht vanilligen Anklängen. Ein Chardonnay der begeistert, so man bereit ist ein wenig die ausgetretenen Wege im dichten Dschungel bedeutungsloser Chardonnays zu verlassen. Der ‘Lafon Prestige’ ist nicht umsonst das Flaggschiff der Domaine de Valensac.

Dieser Wein macht richtig Spass, weil er so anders ist. Weil er sich kühl und frisch auf der einen Seite und fast ölig und warm auf der anderen zeigt. Er strömt leicht und direkt auf die Zunge um sich von dort auf einen Schlag im gesamten Mund festzusetzen und seine weiche hefeteigige Wärme zu verbreiten. Nach einer Stunde in der Karaffe füllt er dicht und konzentriert den Mund aus und man schmeckt den leicht holzigen Vanilleton im Hintergrund. Ein floraler Hauch begleitet diese feine Würze und ein dezenter mineralischer Abgang sorgt für einen mittellangen Nachhall. Man freut sich auf den nächste Schluck. Dass man bei all der ‘Andersartigkeit’ immer wieder seine Nase in das Glas steckt um an dem eigenwilligen Bukett zu schnuppern ist eine lustige, vor allem aber interessante Begleiterscheinung.

Resümee: Zugegeben, dieser Chardonnay ist aussergewöhnlich, er ist anders und er fordert von seinem Trinker Aufmerksamkeit und die Bereitschaft bekanntes Terrain zu verlassen. Dafür wird er mit wirklich gutem Wein belohnt und die Erweiterung des eigenen Weinhorizontes gibt es gratis noch dazu. Eines ist dabei so gut wie sicher; um knappe 12 Euro finden Sie soviel ungeschminkten, authentischen und aussergewöhnlich überzeugenden Chardonnay nicht so rasch wieder. Für mich persönlich ein ‘must have’, weil Qualität a) kein Vermögen kosten muss und b) ich Mut zur Eigenständigkeit mag und schätze und gerne Abenteuer erlebe. Deshalb ein ehrliches GGG “Grossartig Günstiger Genuss” von mir. Unbedingt probieren.

Tipp: 12-14º sind ideal und wenn Sie sich dem Wein solo ‘hingeben’ werden Sie ein wirklich spannendes Abenteuer erleben. Das ist echter ‘Stoff für Könner’.

Einen ausführlichen Bericht über den Lafon Prestige lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Chardonnay ‘Lafon Prestige’ 2010 von der Domaine de Valensac aus Florensac im Languedoc, Frankreich.

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Kategorie: Domaine de Valensac, Verkostet

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