Chardonnay ‘Ebenthaler Lagen’ 2013

| 10. Mai 2014 | 0 Kommentare ...alles

Wein mit zwei Gesichtern.

Schmeckt und fühlt man gleichzeitig. Sowohl exotisch gelbfruchtig wie auch rauchig-mineralisch sorgt der Tropfen für permanentes Staunen.

Winzer/Weingut: Herbert Zillinger, Ebenthal, Niederösterreich, Österreich.

Lage/Herkunft: Von den ‘Ebenthaler Lagen’ im niederösterreichischen Weinviertel.

Chardonnay Ebenthaler Lagen Flasche/Etikett: Auf der grünlichbraunen Burgunderflasche klebt ein in gedecktem weiss gehaltenes Etikett. Das zentrale grafische Motiv ist das Z für Zillinger, sowohl in moderner Typo wie auch in immer wieder abgeänderter Form, sich über das gesamte Etikett rankend. In der Mitte in orange Ebenthaler Lagen und am unteren Rand Chardonnay und Weingut Herbert Zillinger. Die verspielten Ornamente rund ums Z wirken feminin, haben etwas ‘Märchenhaftes’ und erinnern irgendwie an ‘Rapunzel, lass dein Haar herunter’. Der Wiedererkennungswert dieses Designs ist jedenfalls entsprechend hoch. Am ebenso weissen Rückenetikett erfährt der Weinfreund wieder ausführlich das, worum es Herbert Zillinger bei diesem Wein geht. Besser gesagt bei dieser ‘Weinlinie’ aus den Ebenthaler Lagen. Im unteren Teil das Logo und auch ein QR-Code für alle IT affinen Weinliebhaber fehlt nicht. Erfreulich ist die Zahl der Volumenprozente welche einem in die Augen hüpft; 12,5. Womit der Chardonnay bereit ist aus der Flasche direkt ins Glas zu wandern.

Im Glas: In leuchtendem Strohgelb dreht der Chardonnay seine Runden im Glas. Klar und mit leicht goldenen Reflexen.

In der Nase: Es duftet verhalten fruchtig, ein wenig nach Ananas, etwas nach Zuckermelone. Eine feine Zitrusnote steht daneben. Ungewöhnlich frisch und belebend zieht die Aromatik des Chardonnays die Nase hoch. Nach und nach kommt eine schöne und angenehme mineralische Komponente dazu, die dem Wein eine erfrischende Duftcharakteristik verleiht. Ganz weit hinten, praktisch im letzten Eck und gut versteckt, taucht so etwas wie eine grüne Nuss auf. Insgesamt ein leiser, verhalten und irgendwie fast schüchtern wirkender Duft.

Im Mund: Völlig konträr zu dem was in der Nase stattgefunden hat, kommt der Chardonnay in den Mund. Sofort hebt eine äusserst attraktive wie auch agile Säureader die Hand und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass dieser Wein pulsierendes Leben in sich hat. Gleichzeitig wundert sich die Zunge wie weich, fast schon cremig der Chardonnay da auf ihr steht. Und über den Gaumen weht ein dichter Hauch von Rauch. Wie absolut fettarmer Speck fühlt sich der Tropfen im Mund an, als hätte man ihm seine Kalorien weggenommen. Es ist speckig, aber ohne Speck. Alles klar? Ananas, triefend gelb und saftige Zuckermelone matchen sich mit der präsenten Säure und ergeben so ein harmonisches Ganzes. Der Wein ist eigenwillig, hat Körper, ist aber alles andere als kraftvoll, er macht Druck, drückt aber nicht. Es ist saftig und doch staubtrocken und eines ist jetzt schon sicher: Dieser Chardonnay ist alles andere als ‘anspruchslos’.

Was interessant zu beobachten ist, ist wie sehr sich der Wein im Mund förmlich in zwei Teile auflöst. Einerseits schmeckt man diese saftigen exotischen Aromen sehr schön heraus, andererseits spürt man ihn enorm dicht und konzentriert im Mund. Es ist die Kombination vom Schmecken und Spüren, die man quasi gleichzeitig wahrnimmt, welche für soviel Sinneseindrücke sorgt. Auf der Zunge ganz kurz fast opulent, was aber sofort von der frischen Säure neutralisiert und mit erfrischendem Puls versorgt wird. Gerade hat man noch Ananas und auch ein wenig Orangen geschmeckt, schon steht da eine rauchige Mineralik am Gaumen und nebelt alles wieder ein. Der Chardonnay ist erst beim zweiten Glas so richtig zu ‘fassen’, weil man beim ersten viel zu viel mit dem langsamen Erkennen der zwei Gesichter dieses Tropfens beschäftig ist.

Resümee: Letztlich ist es aber so, als würde sich der Chardonnay von den ‘Ebenthaler Lagen’ (für Luft im Glas bedankt er sich mit Zunahme an Charakter und Profil) eher der mineralischen Fraktion zugehörig fühlen als jener die auf Sträuchern oder Bäumen wächst. Auch wenn nach wie vor diese saftig-gelbe Aromatik sehr ausgeprägt ist, am Ende definiert sich der Wein über seine rauchige Mineralik, deren dichter Nebel die Ananas, die Melone und den Rest des Früchtekorbs über den Gaumen transportiert. Auch im Abgang schmeckt man sie, die gelben Früchte, dort werden sie aber wieder vom speckbefreiten Speck begleitet, der irgendwie nie ganz weg war. Was bleibt ist ein rundes Gefühl im Mund, etwas schlanke Opulenz unter den Lippen, so blöd das auch klingen mag, und weissgelber Rauch, der ganz ganz lange anhält und sich nur langsam wieder verzieht. Was der Chardonnay ‘Ebenthaler Lagen’ gekonnt schafft, ist die Balance zwischen belebender Säure und druckvoller Opulenz herzustellen. Man spürt immer beide Komponenten, nie eine für sich allein und genau das macht diesen Wein so herrlich trinkig. Und die luftigen 12,5 vol.% tragen das Ihre dazu bei. Prost!

Tipp: Geben Sie dem Wein 30 Minuten in der Karaffe. Mit 8-10º trinkt er sich am besten. Macht zu vielen sommerlichen Gerichten perfekte Figur und zeigt als Alleinunterhalter wie fröhlich und unkompliziert das Leben sein kann.

Einen Bericht über den Chardonnay ‘Ebenthaler Lagen’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Chardonnay ‘Ebenthaler Lagen’ 2013 vom Weingut Herbert Zillinger in Ebenthal im Weinviertel, Niederösterreich.

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Kategorie: Verkostet, Zillinger

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