Castello di Ama 2009 Riserva DOCG

| 20. Juli 2013 | 0 Kommentare ...alles

Braucht weder Bast noch Bauch.

Kein sauer oder mager wirkendes Chianti-Feeling, hier steht was richtig Erwachsenes im Glas und fühlt sich auch erwachsen an.

Winzer/Weingut: Castello di Ama, Gaiole in Chianti, Siena, Italien.

Lage/Herkunft: Von den hoch gelegenen Lagen auf einer Höhe von 390 bis 530 Meter mit ziemlich steinigen Lehm- und Sandsteinböden.

Castello di Ama Riserva 2009 Flasche/Etikett: Im genau gleichen Design wie jenes des Ama 2010 ist das Etikett des Castello di Ama Riserva gehalten. Oben wieder der italienische Condottiere Guidoriccio da Fogliano, jener der für die Republik Siena in den Krieg zog, hoch zu Ross in seiner Rüstung. In silber in den breiten braunen Teil des Etiketts gedruckt. Darunter wie gewohnt der Name des Weines und Riserva in rot gehalten. Unterhalb die beiden Schilder des Castellos und alles was man sonst noch wissen soll und muss. Auch auf dieser Flasche gibt es kein Rückenetikett. Was gesagt werden will und soll steht vorne drauf, der Rest ist in der Flasche.

Vom Ama haben wir gelernt, dass es ihm gut ansteht wenn er länger als eine Stunde atmen darf und sich am besten leicht gekühlt in seiner Pracht zeigt. Deshalb kommt nun die Riserva für 90 Minuten in die schmale Karaffe und wird dann bei 16º in aller ‘Frische’ angetrunken.

Im Glas: Kraftvolles Rubinrot leuchtet aus dem Glas heraus. Klar im Kern und zum Rand hin schwarz und völlig dicht werdend.

In der Nase: Kein Lärm, eher verhaltene braune Würze. Dichtmaschig, konzentriert und mit einem leichten Hauch von Holz behaftet. Es riecht braun und saftig. Schwarze Kirschen treiben sich in der Nase herum, begleitet von ein wenig Minze, Unterholzaromen und einem guten Schuss dunkler Vanille. Herbstlich fällt einem dazu ein. Eine schöne Kräuternote steht neben dem Kirsch- und Gewürzkorb. Insgesamt war es die richtige Entscheidung den Wein ein wenig länger atmen zu lassen weil er sich schon im Duft rund, versammelt und auch ziemlich zivilisiert zeigt. Kein Krach mehr, nur verhaltene Intensität.

Im Mund: Mit unerwartet lebendiger Säure zieht die Riserva auf die Zunge um dort sofort ihre kirschigen Aromen freizusetzen. In einem ausgeprägt grobgestrickten Tanninmantel ziehen die Gerbstoffe ziemlich resch und frisch über den Gaumen. Er rieselt wieder mal im Mund. Auch hier war es die richtige Entscheidung den Wein erstmal für eine Weile in Ruhe ‘aufwachen’ zu lassen. Kein Pelz mehr der auf der Zunge oder am Gaumen haften bleibt, vielmehr ziehen die in dunkle Beerenfrucht eingebetteten Gerbstoffe wie Flugsand über beide hinweg. Eingehüllt in einer dunkelbraunen Gewürzmischung mit einer ganzen Ladung schwarzer Kirschen. Bitterschokolade kommt hinzu, Vanilleschoten und eine leichte Kräuternote. Im Abgang tanninreich und mit einem dichten, kräftigen und braunwürzigen Fruchtschmelz versehen.

Je länger die Riserva atmet umso saftiger, fülliger wird sie. Nicht ins Opulente abgleitend, sie bleibt frisch, ihre braune Würze wird immer vordergründiger, die Kirscharomen immer dichter und saftiger ohne heiss oder klebrig zu werden. Es fühlt sich ausgesprochen dicht und konzentriert im Mund an. Auf der Zunge spürt man den Druck und die Power die dem Tropfen inne wohnen, die attraktive Säure puffert alles auf ein erträgliches Maß hinunter und sorgt für ein harmonisches und frisches Mundgefühl. So wie sich das alles anfühlt geht es schwer in Richtung Brunello. Da ist nichts vom sauer und mager wirkenden Chianti-Feeling das Touristengruppen als typischer Chianti Busweise ‘verabreicht’ wird. Da steht was richtig Erwachsenes im Glas und fühlt sich auch erwachsen an. Saftige Frucht, nach vier Stunden mittlerweile seidige Tannine, die wie Löschpapier über den Gaumen ziehen und dem Saft Struktur verleihen, sowie mit einer Erdigkeit behaftet, die Fruchtfanatiker in den kollektiven Wahnsinn treiben würde.

Resümee: Verglichen mit dem Ama ist die Riserva, wie nicht anders zu erwarten war, eine drastische Steigerung. Ohne dabei den Ama weniger wert zu schätzen. Die Riserva glänzt mit Charakter, Profil und dem Mut auch etwas ‘mehr von allem’, im speziellen Gerbstoffe, zu zeigen. Sie positioniert sich klar als Chianti der sich vom leidgeprüften Abbild und der oft damit verbundenen Fehlinterpretation ‘klassischer’ Chianti abhebt. Damit hat sie nichts zu tun. Das hier ist Chianti für Leute die wissen wie Chianti schmeckt und sich auch anfühlt. Dazu braucht es weder Bast noch Bauch. Und schon gar nicht die Strada del Sole. Castello di Ama Riserva ist purer Chiantigenuss. Mit einem Schuss dunkler Schokolade im Vanillemäntelchen. Um die 30 inflationsgeplagten Euros kostet das Vergnügen. Angesichts des enormen Entwicklungspotentials nicht wirklich viel wenn man bedenkt, dass man mit einem entsprechenden Flaschenbestand locker die nächste Dekade über die Runden kommt.

Tipp: 90 Minuten in die Karaffe mit dem ‘Auserwählten’ und dann bei 16-18º geniessen. Küchentipp: ITALIENISCH, mit viel Pasta! Solo ein Tropfen für Leute die erwachsene Chiantis zu schätzen wissen.

Einen Bericht über den Castello di Ama Riserva lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Castello di Ama 2009 Riserva DOCG vom Weingut Castello die Ama aus Gaiole in Chianti, Siena, Italien.

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Kategorie: Castello di Ama, Verkostet

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