Cabernet Sauvignon 2012 Rosé Brut Nature

| 6. Januar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Haptisches Schlüsselerlebnis

So abwegig die Wahl der Rebsorte, so genial ist deren blubbernde Verwertung. Ein Lichtblick für die Trockentrinker-Fraktion.

Winzer/Weingut: Weingut Türk, Stratzing, Kremstal, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Weinbergslagen aus dem Kremsertal.

CS Rosé Brut Nature Flasche/Etikett: Nicht in der klassischen Sektflasche, sondern im modernen, sich nach unten hin extrem verbreiternden Gebinde ist der schräge Sprudel abgefüllt. Das Frontetikett am unteren Rand ist relativ schmal, strahlend weiss und in der Mitte ist eine Windrose aus lauter silbernen Flaschen aufgedruckt. Darunter einfach Cabernet Sauvignon Rosé Brut Nature. Fertig. Am ebenso schmalen weissen Rückenetikett steht oben Österreichischer Qualitätssekt 2012 Cabernet Sauvignon, unten Brut Nature. In der Mitte wieder die silbernen Flaschen in Form der Windrose. Links und rechts was sonst so drauf sein muss auf Weinbeklebungen. Hier auch noch der Hinweis, dass es sich um reinsortigen Jahrgangssekt handelt der 22 Monate auf der Vollhefe lag und handgerüttelt wurde. Eine silberne Halsmanschette vollendet diese edle wie auch elegante Erscheinung. Und jetzt wird der schräge Sprudel endültig entploppt und ausführlich unter die Lupe genommen. Der erste Schaumwein 2016. Besser kann das neue Jahr gar nicht beginnen.

Im Glas: Orange wie norwegischer Lachs leuchtet der rosarote Blubber aus dem Glas. An der Oberfläche ein feiner Film von klitzekleinen Perlen.

In der Nase: Äusserst angenehm der Duft, der nicht von Frucht, sondern eher von einer dezenten Würze dominiert wird. Sehr verhalten auch die Hefenote die in einer zart nussigen Wolke untergebracht ist. Ganz weit hinten am ehesten vereinzelt Erdbeeren riechbar, vielleicht auch ein paar rote Waldbeeren. Keine süsse Wolke, sondern sehr erwachsen und mit Charakter ausgestattet. Wenn sich das im Mund so fortsetzt, dann ist die Überraschung schon jetzt mehr als gelungen.

Im Mund: Kaum auf der Zunge, setzt der grosse Flash ein. Ich nehme die Bezeichnungen schräg und irre auf der Stelle zurück und ersetze sie durch … noch keine Ahnung. Aber das ist alles andere als schräg oder gar irre. Furztrocken fühlt sich der Cabernet Sauvignon 2012 Rosé Brut Nature im Mund an, auf der Zunge eine traumhaft edle Würze, Nuss, etwas Hefe und bestenfalls ein Schuss von roter Frucht. Am Gaumen leicht kalkig, fast schon herb, rauchig wie Marianne Faithfulls Stimme und hinten dran ein grosses helles Tabakblatt das sich den Rauch aus den Adern schüttelt. Was zum Henker hab ich da im Mund? Kein hyperaktives Kohlensäuregewitter, nur ganz sanftes Mousseux das die Zunge massiert, das den Gaumen bestenfalls berieselt und nicht ankratzt. Ein Abgang der so trocken wie auch elegant würzig ist. Ein Nachhall der nicht den Hauch von Süsse in sich hat, der mit Mineralik, feiner Nuss und … dann fällt es mir ein; Kirsche aufdreht! Was für ein erstes Glas, was für eine Überraschung!

Der Blubb ist traumhaft erdig. Als würde man Staub fressen und als Motivationshilfe zwischendurch ein paar Reste roter Kirschen zwischen die Kiemen geblasen bekommen. Geht’s noch trockener, bitte? Ich LIEBE trocken, nur so nebenbei bemerkt. Sogar auf der Zunge trocknet der Cabernet Sauvignon 2012 Rosé Brut Nature rascher auf als man bis drei gezählt hat. Man schmeckt kurz … ach, was sage ich, man schmeckt den Sprudel permanent und spürt ihn auch. Schon mal kubanische Tabakblätter gekaut? Nein? Ich auch nicht. Aber so könnten die schmecken. Wenn Sie wissen wollen wie Erdkirschen schmecken, dann haben Sie hier ebenfalls diese äusserst seltene Gattung dieser Frucht gefunden. Auf Bäumen kann ja alles wachsen. Ich gerate ins Schwärmen, was ich nicht will, aber dieser Sprudel ist einfach der Hammer. Der hat genau jene subtile Dosis von Frucht im Repertoire die so gut wie nicht, aber gerade noch wahrnehmbar ist. Die sich allem unterordnet und dem grossen Ganzen den Vortritt lässt. In diesem Fall Würze, Erdigkeit und mit Schmelz behafteter Trockenheit.

Herrlich rauchig, traumhaft tabakig, zärtlich nussig. Überhaupt, was da im Mund sein Spiel spielt sollte man der einen oder anderen Blindprobe unterschieben und sich dann die verduzten Gesichter ansehen. Das ist nichts was man in Österreich erwarten, viel eher in Frankreich verorten würde. So trocken, dass es fast schon weh tut, so geerdet wie man es nicht gewöhnt ist, so subtil wie elegant. Der Cabernet Sauvignon 2012 Rosé Brut Nature ist ein haptisches Schlüsselerlebnis. Frisch, harmonisch, mehr der Faktion herber Charakter als lieber Kindlichkeit angehörig.

Resümee: Ein Sekt der überrascht, der einen seiner Vorurteile beraubt und zeigt was möglich ist im Land der oftmals kläglich süss verzweigelten Schaumweinkatastrophen. Der Cabernet Sauvignon 2012 Rosé Brut Nature ist Autorenkino und so abwegig die Wahl der Rebsorte, so genial ist deren blubbernde Verwertung. Ein Lichtblick für die Trockentrinker-Fraktion.

Tipp: Mit ca. 10º geniessen. Eignet sich ideal als Aperitif, zu Meeresgetier oder einfach als Solist zum entspannten Tagesausklang. Kann aber auch schon zum Frühstück oder zwischendurch getrunken werden.

Einen Bericht über den Cabernet Sauvignon Sekt lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Cabernet Sauvignon 2012 Rosé Brut Nature vom Weingut Türk aus Stratzing im Kremstal, Österreich.

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Kategorie: Türk, Verkostet

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