Ca’ Togni 2006 Black Hamburg

| 29. November 2013 | 0 Kommentare ...alles

Wein mit drei Gesichtern.

Ein süsser, ungewöhnlicher, eigenwilliger Rotwein den man im Mund dreimal erlebt und überrascht ist, wie sinnlich rot UND süss sein kann.

Winzer/Weingut: Philip Togni Vineyards, St. Helena/Napa Valley, Kalifornien, USA.

Lage/Herkunft: Von Weinbergen am höchsten Punkt des kühlen Spring Mountain, genau auf der Grenze zwischen Napa und Sonoma.

Ca Togni 2006 Flasche/Etikett: Richtig putzig sieht sie aus, die kleine 0,375l Flasche. Beklebt mit einem sandfarbigem Etikett steht auf diesem – wenn schon die Flasche klein ist – mit grossen roten Lettern CA’ TOGNI oben drauf. Den Grossteil des mit einem feinen roten und grünen Rahmen eingefassten Papiers nimmt ein illustrierter Zweig mit Blättern, Blüten und roten Beeren ein. Von rechts nach links erstreckt sich dieser quer über das Etikett. Links davon der Jahrgang in grün sowie die Herkunft und der Inhalt wieder in rot. SWEET RED WINE in Kapitalen, damit jeder weiss was in der Flasche auf einen wartet. Ganz unten dann noch alles was so drauf sein muss auf einem Etikett und das war´s dann auch schon mit Information. Der mit einer weinroten Manschette eingefasste Flaschenhals lässt die ‘Kleine’ elegant erscheinen und rundet ihr Erscheinungsbild schön ab. Da empfohlen wird den Wein zu dekantieren folge ich dem ‘Aufruf’ und lasse den süssen Roten vorsichtig in die Karaffe gleiten, damit er sich von seinen Rückständen trennen kann.

Im Glas: Dunkel in der Farbe, schon ins Rotbraun gehend, steht der Wein im Glas. Trotz der dichten dunklen Farbe ist er klar in der Erscheinung. An der Glaswand klebt er förmlich und fliesst nur langsam daran ab.

In der Nase: Die Nasenflügel zieht ein zwar süsser, aber nicht klebriger Duft hoch. Saftige dunkle Kirschen bahnen sich ihren Weg in die Nase, gequetschte Feigen riecht man, es fühlt sich sogar leicht rauchig an. Es duftet süss und konzentriert, keinesfalls aufdringlich, eher von der kühlen Seite kommend. In Vanille eingelegte Zwetschke kommt dazu und rundet den komplexen Duft sehr saftig ab.

Im Mund: Und dann wird es richtig ungewöhnlich. Kaum strömt der Ca’ Togni auf die Zunge, lässt er seinen vollen Saft auf ihr raus. Unverpackt sozusagen, wie ein Konzentrat, volles Programm. Wie aus dem Kübel geschüttet. Kirschen satt, nicht süss und dick und fett sondern fast schon wie Likör. Ohne jedoch das typisch Likörige zu haben. Es ist vielmehr rauchig, mit Vanille durchzogen, mit Pflaumen, saftig, opulent und doch relativ fein. Man spürt die kraftvolle Süsse auf der Zunge wenn man den Wein drauf stehen lässt und wundert sich im Abgang über einen Geschmack, der am ehesten an aromatisiertes Holz erinnert. Ungewöhnlich, unerwartet und unbekannt. Als Draufgabe hinterlässt der Tropfen noch einen unendlich langen, würzig-rauchigen sowie saftig-fruchtigen Nachhall. Alles hätte man erwartet von einem ‘süssen Rotwein’, nur nicht das was man gerade erlebt hat.

Ca' Togni Es braucht ein wenig bis man begreift was hier im Mund stattfindet. Man trinkt irgendwie eine Mischung aus Wein und Likör. Speziell dieses Gefühl am Gaumen kennt man von Likören. Nur dass es dort oft zu alkoholisch wird. Der Ca’ Togni bremst sich sozusagen noch rechtzeitig ein, lässt einen ahnen was die nächste Stufe ‘wäre’, vermeidet aber sie zu nehmen. Sämig süss auf der Zunge ist er, fliesst in voller Breite über sie ab, füllt jeden freien Raum auf ihr aus und lässt einen irgendwie von Weihnachten träumen. Dort passt er hin, perfekt. Dieses würzig-saftige und höchst aromatische Feuerwerk auf Zunge und Gaumen schreit nach Lebkuchen, nach Schnee auf der Strasse und nach dem nächsten Schluck. Weil dieses Mundgefühl so einzigartig ist. Und dann realisiert man, dass es nach einer Kombination von süsser Muskatnuss und saftigen Kirschen schmeckt.

Resümee: Hat man sich erst angefreundet mit diesem doch recht eigenartigen Gaumenerlebnis und dem eigenwilligen Geschmack, dann beginnt der Ca’ Togni richtig Spass zu machen. Dann ist man in der Lage den Wein tatsächlich dreimal zu erleben. Gnadenlos präsent im Saft, wer auf der Zunge damit spielt wird süchtig danach. Dann dieser likörige Touch im ganzen Mundraum, der den Gaumen förmlich benebelt und dann der rauchige, würzige, kraftvolle und unendlich lange Abgang. Das ist kein Süsswein wie man ihn kennt, dass ist Wein der herkömmlichen Likör ziemlich alt aussehen lässt. Das ist Likör ‘burgundischer’ Art. Leicht und feingestrickt. Mit süsser Würze, oder würziger Süsse. Ein wirklich wahres Weinabenteuer. Um 50 Euro gibt´s ein ‘Seidel’ wie der Österreicher sagen würde. Oder 0,375l um bei der ganzen Wahreheit zu bleiben.

Tipp: Dekantieren wird empfohlen. Aber nur weil sonst ein paar Ablagerungen ins Glas kommen könnten. Stört aber nicht und ist unmittelbar nach dem Öffnen zu geniessen. Um die 12-14º sind ideal. Zu Schokodesserts und zu hochwertigem Lebkuchen. Als Solist ein Entführer in fremde Weinwelten.

Einen Bericht über den Ca’ Togni lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Ca’ Togni 2006 von Philip Togni aus dem Napa Valley in Kalifornien, USA. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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