Buntsandstein 2013 Pinot Noir

| 23. Juni 2015 | 0 Kommentare ...alles

Leichtfuss & Traumfänger

So gut wie kein Gewicht und deshalb ideal geeignet falls wieder mal Diät ansteht. Jetzt bunkern wo er noch leistbar ist. 2018 wird man dafür bluten.

Winzer/Weingut: Enderle & Moll, Münchweier, Baden, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von verschiedenen Parzellen der “Münchweier Kirchhalden” mit Buntsandsteinböden.

Buntsandstein Flasche/Etikett: Angestaubt wie bereits gewohnt, klebt das spärlich gestaltete Etikett auf der Flasche. Irgendwie wie aus einer anderen Epoche. Nix mit modern, sondern unprätentiös, unauffällig, gar altmodisch. Oben wie üblich das Stadtwappen von Münchweier und unterhalb in grosser geschwungener, an Handschrift erinnernder Typo, Buntsandstein. Unterhalb in rot 2013 und darunter Enderle & Moll wieder in Schreibschrift. Der obligate zweilinige Rahmen rund um das Stück Papier verleiht dem Ganzen noch den Extra-Vorzeittouch. Ich hab’ es mittlerweile lieb gewonnen, das Design, nicht zuletzt weil es irgendwie perfekt zu den Weinen der beiden Weinkünstler passt. No Mainstream, just pleasure. Die wahren Werte sind immer IN der Flasche. Das kleine Rückenetikett informiert wie gehabt über das Nötigste. LANDWEIN OBERRHEIN steht ganz oben und unterhalb ganz einfach Buntsandstein. Spärliche 12,5% kündigen wieder ein entsprechendes Trinkvergnügen an. Bevor der gute Tropfen aber in den Burgunderbecher darf wird er in den Dekanter umgefüllt, wo er sich für zwei Stunden die Umgebung ansehen darf.

Im Glas: Kirschrot mit leicht bräunlichen Ziegelsteintönen, sowie sehr transparent steht der Buntsandstein im grossen Becher.

In der Nase: Sehr pfeffrig, sehr würzig zieht er das Riechorgan hoch. Kräuternoten ganz hinten, vorne florale Aromen. Wald, Süssholz und wilde rote Beerenfrucht. Etwas schwarze Johannisbeere, ein paar Kirschen und fein geschnittene Minzblätter. Vielschichtig, erfrischend und kühl. Man fühlt den Duft fast mehr als man ihn riecht. Man weiss dass man Pinot im Glas hat und freut sich, weil jegliche süsse Komponente fehlt. Klar, geschliffen und mit frischer Würze betört der Wein die Nase.

Im Mund: Als hätte man gerade die volle Wolke die beim Staubkehren aufsteigt eingeatmet. So kommt der Buntsandstein in den Mund. Er rieselt förmlich vom Gaumen ab und erst danach erkennt man eine feine Zitrusnote, die sich heimlich über den Zungenrand hinweg stiehlt. Viele Wildbeeren tummeln sich auf der Zunge, etwas Kräutriges dümpelt vor sich hin, zarte Säure sucht sich ihren Weg nach draussen und was allgemein als Tannin bekannt ist, zeigt sich von seiner feinsten Seite. Man spürt es rascheln, kann es fast beissen und ist erstaunt wieviel Grip da im Mund vorhanden ist. Eher floral denn fruchtig, eher Zitrus als Würze. Total fein, fast filigran, sehr leicht und unheimlich animierend. Frischer Saft steht auf der Zunge, erinnert an einen Tropfen frischer Kirsche mit Zitrone, geht staubig-kräuterwürzig ab und endet in einem frischen rotfruchtigen Nachhall.

Nach vier Stunden ist Schluss mit Staub, da wird es herrlich herb und trocken im Mund. Da steht der Buntsandstein plötzlich kräuterfrisch auf der Zunge, vermengt gekonnt die Aromen von roten Beeren mit jenen von Zitrusfrüchten und geizt auch nicht mit einer frech agierenden Säure. Überhaupt ist der Buntsandstein ein sehr zitrusfruchtiger Pinot Noir, der, in seiner Kombination mit Kräuterwürze, frischer Minze und herbem Film am Gaumen ein insgesamt sehr elegantes wie auch ausgesprochen feingliedriges Konstrukt ergibt. Fast schwerelos schwebt er durch den Mundraum, streift überall nur an und löst sich am Schluss in einer feinen Wolke aus Wildbeeren und floralen Aromen auf. Er ist ein Leichtfuss und ein Traumfänger. Und so wie er sich bis jetzt entwickelt hat wird erst am Abend weiter verkostet, weil der Tropfen gerade einmal angefangen hat und noch gewaltig etwas nachkommt.

Am Abend super frisch, sehr kräutrig, sehr floral und sehr saftig. Die Säure hat es geschafft sich noch mehr zu entfalten und sorgt für lebendiges Spiel auf der Zunge. Die Tannine sind abgeschliffen, so gut wie nicht mehr spürbar, nur ein feiner herber Film am Gaumen erinnert daran wie alles angefangen hat. Viel Cassis ist plötzlich da, sehr agil an den Zungenrändern, von irgendwo taucht eine Nelke auf und sorgt so für diesen unverkennbaren süsslich-holzigen Stich. So gut wie kein Gewicht hat der Buntsandstein, fliegt förmlich durch die Gegend, steht schwerelos auf der Zunge. Immer da und tonangebend die salzig-saure Zitrusnote welche einen flotten Marsch bläst. Würde der Buntsandstein auf einer Menükarte stehen, dan würde man vermutlich “Kirschen und Johannisbeeren an frisch gezupfter Minze mit luftigem Zitronenschaum und Süssholz” lesen. So wie sich der Spätburgunder heute zeigt hat er noch nicht einmal begonnen aus sich raus zu gehen.

Ich habe noch einmal zwei Stunden zugewartet um zu sehen was da wohl noch kommt. Wieder zugelegt und sehr griffig geworden, enorm rotfruchtig ohne in Frucht zu ertrinken, wilde Waldbeeren, saftig, würzig. Ich denke der Buntsandstein sollte überhaupt erst nach fünf bis sieben Stunden angetrunken werden um voll reinfallen zu können. Da lässt er in seiner Kräutrigkeit etwas nach, wird herber, insgesamt stoffiger und fühlt sich im Mund dann auch noch feiner und eleganter an. Jetzt steht auf der Zunge ein saftiger Wein, der mit frischer Säure und reifer Beerenfrucht punktet, am Gaumen mit einem sehr feinen, leichten Hauch von Herbheit abzieht und im Abgang für ein pfefferwürziges Erlebnis sorgt. Dabei ist alles enorm frisch, wirkt verspielt und jugendlich. So gut wie kein Gewicht und deshalb ideal geeignet falls wieder mal Diät ansteht.

Resümee: 2015 noch viel zu jung, in zwei, drei Jahren geht dann aber voll die Post ab. Drum jetzt schon bunkern wo er noch leistbar ist. 2018 wird man dafür mehr als bluten.

Tipp: Geben Sie dem Wein 5 Stunden im Dekanter. Ausser Sie wollen sofort einsteigen. Im Burgunderglas mit 15-17º trinken. Braten, Wurst und Champignongerichte begleitet er gekonnt. Als Solist am besten überhaupt erst am zweiten Tag damit beginnen.

Einen Bericht über den Buntsandstein 2013 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Buntsandstein 2013 Pinot Noir vom Weingut Enderle & Moll aus Münchweier in Baden, Deutschland.

Tags: , , , , ,

Kategorie: Enderle & Moll, Verkostet

Ihr Kommentar