Brauneberger Juffer 2012 HL Riesling

| 10. Mai 2015 | 0 Kommentare ...alles

Wenn Früchte kuschen und parieren.

Die Mineralik macht auf Domina und die Früchte kuschen und parieren. Was da im Mund abgeht ist ganz ganz grosses Kino.

Winzer/Weingut: Günther Steinmetz, Brauneberg/Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Parzelle Hasenläufer der Lage Brauneberger Juffer, einem Südhang aus blaugrauem Devonschiefer.

Brauneberger Juffer Flasche/Etikett: Ein leicht geripptes, naturweisses Stück Papier klebt auf der petrolfarbigen Schlegelflasche. Eingefasst in zwei feine blaue Rahmen zeigt es einen Hauptteil und einen Nebenteil, womit auf ein Rückenetikett verzichtet werden kann. Im Hauptteil oben eine Abbildung des Weingutgebäudes, darunter GÜNTHER STEINMETZ, mit einer feinen goldenen Linie vom Rest des Etiketts geteilt. 2012er Brauneberger Juffer steht darunter und Riesling HL ergänzt die Namensgebung. HL steht in diesem Fall für “Hasenläufer”, dem Namen jener Parzelle welcher dieser Wein enstammt. Sie zählt zu den besten Lagen in der Juffer. Auf dem Nebenteil des Etiketts steht alles was sonst noch unbedingt angeführt sein muss. Schlappe 12,5% sorgen schon im Vorfeld für Freude. Bevor der Braunebergr Juffer HL aber angetrunken wird, darf er sich für eine Stunde in der Karaffe umsehen.

Im Glas: In grün schimmerndem Gelb dreht der Brauneberger Juffer HL seine Kreise im Gebinde.

In der Nase: In die Nasenflügel springen einem auf der Stelle gewaltige Schiefernoten und lassen nicht den leisesten Zweifel aufkommen welchem Boden dieser Wein entstammt. Nass und steinig ist es. Mineralik die fast weht tut. Erst später trabt eine fette Quitte vorbei, ein ebenso fetter Pfirsich und feine Zitrusfrucht. Umhüllt ist alles von einer ausgeprägten Würzigkeit die entfernt an Koriander erinnert. Ein komplexes Gemisch an Duft steht da im Glas und sorgt für richtig Feuer in der Nase. Einerseits immens exotisch, andererseits eine Urgewalt an Mineraliltät. Was da wohl in den Mund kommt?

Im Mund: Rauchig ist es. Und salzig! Wie geil ist das denn? Auf die Zunge kommt der Brauneberger Juffer HL knochentrocken und plötzlich steht da ein in Rauch gehüllter Fruchtkorb drauf. Apfel, Pfirsich und auch Johannisbeere räkeln sich aus einem Film von feuchtem Schiefer und sind dabei alles andere als fruchtig. Sie schleppen eine trockene Nebelschwade hinter sich her und lassen diese ganz bewusst über den Gaumen wehen. Dabei fühlt sich der Wein ungemein kraftvoll an, auch dicht und äusserst konzentriert. Und doch ist er ein feiner Wein, ein luftiger Wein, einer der am Ende nichts als Schieferwürze am Gaumen hinterlässt. Was für ein Erlebnis, was für ein Genuss! Extraktreich bis in die letzte Ritze, mineralisch bis zum Anschlag und über den Zungenrand fliesst Salz im Schiefermantel. Ich will mehr davon.

Nach zwei Stunden an der Luft fährt plötzlich ein Laster mit einer Ladung Kalk durch die Szenerie und hinterlässt auf der Zunge einen weissen Film. Gepaart mit der etwas feiner werdenden Schieferwürze fühlt man sich jetzt wie im schottischen Hochlandnebel. Man atmet praktisch die feuchte Luft ein und spürt bei jedem Atemzug den Boden welchem sie entweicht. Auf der Zunge trocken wie Löschpapier, dabei aber saftig, an den Rändern fruchtig-salzig-mineralisch und den Speichelfluss anregend. Am Gaumen staubig, sogar etwas herb und doch mit einem Tick von Zitrusfrucht versehen. Der Brauneberger Juffer HL ist ein Kuriosum, das sich innerhalb von zwei Stunden mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern und Charakteristiken zeigt. Einerseits füllt der Wein den Mund aus, andererseits ist aber so gut wie kein Gewicht da. Er hat Power dank Extrakt und Körper und doch steht er leicht und locker auf der Zunge. Am Gaumen ist er fein, er ist elegant und hat das, was man britischen Charme nennt. Manieren, kühles Understatement und ein unerschütterliches Selbstbewusstsein.

Drei Stunden hatte der Brauneberger Juffer HL inzwischen in der Karaffe und es ist nicht absehbar, wohin er sich noch entwickeln wird. Oder schon. Nur werde ich das nicht mehr erleben. Weil der Tropfen einfach fliesst und keine Anstalt macht sich aufhalten zu lassen. Er wird immer mineralischer, hat jetzt wie es scheint die richtige Mischung aus Kalk und Schiefer gefunden und hält das was an durchaus präsenter Frucht vorhanden ist an der kurzen Leine. Die Mineralik macht auf Domina und die Früchte kuschen und parieren. Was jetzt im Mund abgeht ist ganz ganz grosses Kino, die Zunge leckt sich selbst ab, der Gaumen bettelt um Nachschub und wenn sich der nächste grosse Schluck seinen Weg gesucht und ihn gefunden hat, dann bleibt man mit einem endlos langen Nachhall übrig und spürt wie warm und rot feuchter Schiefer sein kann. Oder feucht und rot. Egal.

Resümee: Ich will mehr von diesem Wein und werde mich zur Not die Steillage persönlich hinauf wühlen um zu bekommen was ich will. 13 Euro irgendwas für diesen Wein sind einfach … günstig.

Tipp: Eine Stunde in der Karaffe sei ihm gegönnt. Danach dreht er richtig auf. 9-11º Trinktemperatur sind fein. Hühnerbrust in vielen Varianten und gegrilltem Fisch setzt er die Krone auf. Ich trink ihn einfach so, weil er die Ausgeburt an Trinkspass ist.

Einen Bericht über den Brauneberger Juffer HL lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Brauneberger Juffer HL 2012 vom Weingut Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland. Bezugsquelle: 225 Liter-Handverlesene Weine, München.

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Kategorie: 225 Liter, Günther Steinmetz, Verkostet

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