Brauneberger Juffer** 2006 Riesling Auslese

| 20. Juli 2016 | 0 Kommentare ...alles

Essenz mit zwei Gesichtern

Auf der Zunge reiner Saft, rund und ölig, mit vollem Körper und einem tollen Säurespiel. Am Gaumen feine Schiefermineralik die sogar für Haftung sorgt.

Winzer/Weingut: Günther Steinmetz, Brauneberg/Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Brauneberger Juffer, einem Südhang aus blaugrauem Devonschiefer.

Brauneberger Juffer 2006 Riesling Auslese Allgemeines: Im Mai vorigen Jahres hatte ich von Stefan Steinmetz seinen Riesling Brauneberger Juffer HL aus 2012 im Glas und war elektrisiert von diesem Wein. Der hat mich echt umgehauen. HL steht übrigens für “Hasenläufer”, dem Namen jener Parzelle der dieser Wein enstammt. Sie zählt nicht nur zu den besten Lagen in der Juffer sondern überhaupt zu den besten Steillagen der Mittelmosel. Eine Lage mit Südhang aus blaugrauem Devonschiefer mit Steigungen bis zu 80% auf welcher nur Handarbeit möglich ist. Sie ist quasi das Markenzeichen des Weinguts, dessen Weinberge Stefan Steinmetz seit mehr als 25 Jahren von Insektiziden verschont und ausschließlich mit organischem Kompost düngt. Heute habe ich, als vorläufig vorletzten Wein von Stefan seine Riesling Auslese Brauneberger Juffer** 2006 am Tisch der Wahrheit stehen und ich habe eine ungefähre Vorstellung was mich da erwarten könnte. Drum laber ich auch gar nicht weiter rum und mach den Tropfen einfach auf.

Im Glas: Wie ein Goldbarren aus der Bank von England leuchtet der Brauneberger Juffer** Auslese aus dem Behälter raus.

In der Nase: Schon der erste Eindruck in der Nase weist auf reifes Steinobst, auf Marillen und auch Kandiszucker hin. Da steht pures Konzentrat im Glas und wirft mit einem Büschel Kräuter um sich, bläst einem eine Wolke nassen Schiefers in die Nebenhöhlen und legt sich fest an deren Wänden an. Äusserst interessant ist aber eine feine gelbe Würze, die sich im Hintergrund aufhält und den betörend süssen Duft in Zaum hält. Als wäre sie genau für das ins Spiel gebracht.

Im Mund: Rund und cremig strömt der süsse Nektar auf die Zunge und zieht am Gaumen einen wunderbaren Film von feuchtem Rauch hinterher. Reife saftige Marillen, zermantschter Pfirsich und eine gute Portion Kandis legen sich ölig auf der Zunge nieder und verharren dort in ihrem Saft. Erst jetzt merkt man, dass man zwar eine mächtige Essenz im Mund hat, doch lässt eine ausgesprochen feine Säure keine wie immer geartete Pampigkeit aufkommen. Der Braunberger Juffer** wirkt frisch, fühlt sich harmonisch an und die feine mineralische Note sorgt zusätzlich dafür, dass es nicht zu süss wird. Im Abgang zeigt sich wieder diese gelbe Würze die sehr schön mit dem Süsse-Säurespiel harmoniert.

So geht Sünde. Mit Marillen, Kandis und feuchtem Rauch. Man muss den Brauneberger Juffer** schon zweimal kauen und quetschen um zu merken, dass er am Gaumen völlig anders als auf der Zunge agiert. Auf der Zunge steht der reine Saft, rund und ölig, mit vollem Körper und einem tollen Säurespiel. Am Gaumen sorgt die feine Schiefermineralik sogar kurz für Haftung die sich richtig gut anfühlt. Schmeckt man zuerst die süsse Frucht, so spürt man im Anschluss diesen feuchten Rauch der, noch bevor er verfliegt, wieder auftrocknet. Es ist ein spannendes Mundgefühl weil der Tropfen praktisch zwei Gesichter zeigt. Das eine vom Frucht-Säurespiel dominiert, das andere von der subtilen gelben Würze die aus dem feuchten Rauch austritt. Sogar von leichtem Grip bemerkt man was im Abgang und erkennt, dass Luft den Wein immens befeuert.

Resümee: Ich bin fasziniert wie sehr sich der Brauneberger Juffer** an der Luft verändert. Er trocknet förmlich auf und wird immer mineralischer. Die anfängliche Opulenz ist so gut wie verschwunden, man spürt nur noch die nach wie vor ölige Essenz, den reifen Saft, doch ist das Gewicht verflogen und lässt einen den Wein jetzt durchaus als fein empfinden. Nicht zuletzt dank der ausgeprägten Schiefermineralik die immer mehr zum Vorschein kommt und sich mit der gelben Würze in den Vordergrund drängt. Jetzt macht er richtig Spass der Brauneberger Juffer**, jetzt ist er da, jetzt singt er. Nur blöd, dass in dieser Flasche gerademal ein halber Liter drin ist. Jetzt, wo ich mich darauf eingetrunken habe. Das Leben ist gemein. Ein letzter Schluck von diesem feinen Nektar und danach bleibt nur noch die Erinnerung daran. Und die ist wahrlich schön.

Tipp: Lassen Sie die Flasche ruhig eine Weile offen stehen, die Luft befeuert diesen Wein. Mit kühlen 8º geniessen. Zum Steak!, zur Entenpastete oder zum Cheesecake. Oder einfach so, weil er da auch ein Überflieger ist.

Einen Bericht über den Brauneberger Juffer** Auslese lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Brauneberger Juffer** 2006 Riesling Auslese vom Weingut Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel, Rheinland-Pfalz, Deutschland.

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Kategorie: Günther Steinmetz, Verkostet

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