Blaufränkisch ‘K&U Sonderedition’ 2011

| 28. August 2014 | 0 Kommentare ...alles

Hier glänzt nicht Gold, das ist Platin.

Dezente Frucht, komplexe Würze, oscarverdächtige Säure. Frisch, kühl und klar wie ein Gebirgsbach. Einer der besten Blaufränkisch Deutschlands.

Winzer/Weingut: Weingut St. Antony, Nierstein, Rheinhessen, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von einer Parzelle am steinigen Roten Hang im berühmten Pettenthal.

Blaufränkisch St. Antony Flasche/Etikett: Schwarz wie die Nacht steht die Burgunderflasche hier am Tisch. Auf ihr klebt ein relativ kleines Etikett, auf welchem in goldener geschwungener Schreibschrift schlicht und einfach Blaufränkisch in einem vollflächigen weissen Quadrat aufgedruckt ist. Darunter, im schwarzen Teil der Weinbeklebung, ST. ANTONY und fertig ist das edle Teil. Am Flaschenhals ein kleiner Sticker auf dem der Jahrgang steht. Auf der schwarzen Halsmanschette der goldene Adler was dokumentiert, dass das Weingut St. Antony Mitgliedsbetrieb des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) ist. Am vollkommen schwarzen Rückenetikett ganz oben das Weingut in gold und der Jahrgang. Darunter der Hinweis “Wein aus Trauben aus biologischem Anbau” und in einem weissen Balken No. 1179 separat schwarz eingedruckt, was der Hinweis auf die Sonderedition sein soll. Signiert in gold von Felix Peters, dem Gutsverwalter. Eine halbe Stunde sollte dem Wein ganz gut tun und so wandert er denn auch in die Karaffe bevor er in die Gläser kommt.

Im Glas: Schon die Erscheinung im Glas überrascht mit ungewöhnlicher Transparenz. Dunkles Kirschrot leuchtet auf, klar bis an den Boden des Glases.

In der Nase: Kein Gebrüll in der Nase wie man es von so vielen dicken, fetten und marmeladigen Blaufränkisch kennt. Hier duftet es fein würzig, nach Waldboden, nach nasser Erde, nach Graphit. Es ist ein kühler Duft, einer der komplex und vielschichtig die Nasenflügel hochzieht, dabei stets leicht und fein bleibt. Wacholder und Tabakblätter matchen sich, in diesem Glas ist bereits Herbst, mit feuchtem Laub und einer wohltuenden wie kühlenden Frische. Hier findet ein Waldspaziergang in der Nase statt. Ein Duft zum Schnüffeln, weil er trotz Würze feingliedrig ist und niemals nur banal vor sich hin dampft.

Im Mund: Das erste was augenblicklich auffällt und total überrascht, ist die frische Säure mit welcher der Blaufränkisch ‘K&U Sonderedition’ auf die Zunge kommt. Dann der Rest, oder was von ihm ‘übrig’ ist. So schlank, so klar und so abgespeckt wie der Wein auf der Zunge steht ist man im ersten Moment schockiert. Weil so wenig da ist, man aber so viel spürt und schmeckt. Dabei tropfen aus seinem Körper Gerbstoffe die so seidig wie samtig sind und gehen mit der grandiosen Säure eine Verbindung ein, die einen nur mehr leicht debil grinsen lässt. Wie kann Blaufränkisch so schlank sein? Wie schafft man es einen Wein so lang und schmal zu machen, ihn wie eine feine Linie genau über die Mitte der Zunge fliessen zu lassen und ihm dabei soviel Saft, soviel Frische, Struktur und Aromatik mitzugeben? So klar wie der Wein im Glas steht, so klar ist er im Mund. Und zwar im ganzen Mund. Es fühlt sich an würde man aus einem Gebirgsbach trinken.

Erst jetzt, beim zweiten Glas, schafft man es sich auf die Aromen zu konzentrieren. Man schmeckt frische rote Waldbeeren, spürt wie die Säure aus ihnen trieft und man atmet Laub, Wacholder, Tabak und Unterholz mit ein. Alles eingebunden in einem Körper der aussergewöhnlich feingliedrig, fast schon filigran ist. Das Leben das diese frische Säure dem Wein einhaucht überschlägt sich förmlich, lässt den Tropfen als Magermodel erscheinen und bietet doch so viel an Informationen, dass man gar nicht nachkommt sie alle einzeln spüren und schmecken zu wollen. Dünn ist nicht gleich dünn und mager ist nicht gleich mager. Es kommt immer auf die ‘Proportionen’ an. Und genau diese sind bei dieser Blaufränkisch ‘K&U Sonderedition’ perfekt definiert. Auch wenn es etwas rüde klingen mag, aber dieser Blaufränkisch ist ‘zum Saufen’ gemacht. Der Wein hat eine Durchflussgeschwindigkeit die Angst macht. Dezente Frucht, komplexe Würze, dazu eine aromatische Persönlichkeit und eine Säure die dem ganzen die Krone aufsetzt. Auf der Zunge saftig-säurebetont und so mittig, dass man nur spielen, ihn gar nicht schlucken möchte. Am Gaumen Gerbstoffe in der Luxusausführung.

Resümee: Hier glänzt nicht Gold, das ist Platin. Im Mundgefühl ultrafein, superschlank und trotzdem mit einer ungeheuren Saftigkeit. Waldbeerkompott auf Tabak- und Lorbeerblättern angerichtet. Herbst im Mund, Frische, Kühle, zerbrechlich wie das trockene Laub. Steht für mich persönlich auf einer Stufe mit den Blaufränkisch von Uwe Schiefer und Roland Velich. Im Abgang trotz seiner Feinheit endlos kange und lang anhaltend. Ein ausgesprochen eleganter wie auch beeindruckender Blaufränkisch. Kommt ins Portfolio weil ich diesen Tropfen nicht mehr missen möchte. 16 Euro kostet das Vergnügen und es wird richtig teuer für all jene, denen diese Art von Weingefühl gefällt. Dann gibt es nämlich kein Halten mehr, weil sich dieser Wein zu allem Übel auch noch wie von selbst veflüchtigt.

Tipp: 30 Minuten zum Atmen in die Karaffe. Um die 16 – max.18 º sind fein, eher 16º wenn es wärmer ist. Zu Braten, Wild, Geflügel, Gemüse oder einfach solo. Da ist er der totale Überflieger von dem man nicht mehr los kommt.

Einen Bericht über die Blaufränkisch K&U Sonderedition lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch ‘K&U Sonderedition’ 2011 vom Weingut St. Antony aus Rheinhessen in Deutschland. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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