Blaufränkisch ‘Eisenberg’ 2009

| 28. November 2011 | 0 Kommentare ...alles

Rassig, animierend, nicht von dieser Welt.

Ein Blaufränkisch der einen zwingt, sein altes Weltbild über diese Rebsorte über Bord zu werfen und es endgültig neu zu überdenken.

Winzer/Weingut: Uwe Schiefer, Welgersdorf/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Lage Eisenberg, in der Nähe von Eisenstadt im Südburgenland, unweit der ungarischen Grenze.

Flasche/Etikett: In der Burgunderflasche steht er also da, der ‘Eisenberg’, und zeigt sich in seinem schönsten Gewand. Ein kunstvoll gestaltetes Etikett, das Raum für Interpretationen lässt. ‘schiefer‘ steht drauf und schlicht und einfach eisenberg und blaufränkisch. Dominiert von einem dunkelroten Klecks der mich persönlich an einen blutenden Daumenabdruck erinnert. Meine Phantasie ist schräg, ich weiss.

Im Glas: Nachdem der Wein eine knappe Stunde in der Karaffe zugebracht hat ist es an der Zeit ihn ins Glas zu entlassen. Dort funkelt er in einem schönen, nicht zu dichten Rot mit leicht violetten Reflexen an den Rändern. Von oben ins Glas geschaut gibt der ‘Eisenberg’ tiefe Einlicke frei und lässt einen auf den Grund des Glases sehen. Die Kirchenfenster lassen auf einen gehaltvollen Wein schliessen, die klare Farbe jedoch auf einen eher leichteren Vertreter seiner Art. Auf jeden Fall steigt die Spannung vor dem ersten Schluck.

In der Nase: Kaum die Nase ins Glas gesteckt weiss man bereits eines in der Sekunde; man will sie nicht mehr heraus nehmen. Es riecht komplett anders als alles was ich bisher von Blaufränkisch gerochen habe. Hier kommt nicht die Fruchtkeule aus dem Glas, vielmehr vernimmt man eine saftige Würze, etwas kräutriges und viel Mineralität. Leise, nicht laut riecht der ‘Eisenberg’ und ganz sanft strömen seine Aromen aus dem Glas. Ein wildes und gleichzeitig edles Bukett das hier die Nase verwöhnt. Einzigartig, aufregend, verzaubernd.

Im Mund: Im Mund dann eine echte Überraschung. Bevor man richtig realisiert was da gerade über die Zunge geglitten ist muss man einen zweiten Schluck nehmen um das auf die Reihe zu bekommen. Hier ist nichts opulentes, fettes, fruchtig-saftiges zu spüren oder schmecken, hier zischt ein kühler Wind über den Gaumen den man nicht im Entferntesten erwartet hätte. Der Wein ist schlank, hat eine feste Säure und verströmt eine Frische, dass man glaubt im Morgengrauen bei der Lese im Weinberg zu stehen. Man fröstelt ein wenig und hat das Gefühl als könnte man die Erde schmecken. Der ‘Eisenberg’ zeigt Zähne in Form einer Mineralität die ich bisher noch bei keinem Blaufränkisch geschmeckt habe. Einfach eine Wucht. Noch nie so eine Balance zwischen Säure und Gerbstoffen bei einem Vertreter dieser Art erlebt. Und das alles bei relativ wenig Alkohol, was zusätzlich ein positives Merkmal ist.

Das kräutrige erinnert fast ein wenig an Weine aus dem Languedoc oder dem Rhônegebiet und die Würze tut ihr Übriges dazu. Was an ‘traditioneller’ Frucht nicht da ist machen dunkle Oliven und etwas Lakritziges mehr als wett und lassen einen gar nicht erst an anderes denken. Der ‘Eisenberg’ sucht sich den direkten Weg über die Zunge ins Stammhirn und brennt einem dort seinen ‘Fingerabdruck’ ein. Fast wie beim Datenschutz. Einmal erfasst, auf ewig gespeichert. Das ist kein Wein von der Stange, das ist ganz grosser ‘Stoff’.

Was diesen Blaufränkisch so wunderbar macht ist seine Leichtfüssigkeit. Er packt nicht kraftvoll zu und lässt einen sein ‘Gewicht’ spüren, er erzeugt nur einen angenehmen Druck der einen immer noch atmen lässt und einem das Gefühl vermittelt, leicht ‘entkommen’ zu können. Er zeigt seine Muskeln ohne sie einen wirklich spüren zu lassen. Was ich damit sagen will ist, dass der ‘Eisenberg’ unglaublich leicht über die Zunge zischt und eine Frische verströmt die mehr als wohltuend ist. Man spürt, dass er Power hat, diese aber niemals voll ausspielt und sie äusserst verhalten und kontrolliert einsetzt.

Resümee: Den ‘Eisenberg’ würde ich in die Kategorie ‘rassig und finessenreich’ einordnen. Nicht zuletzt wegen seiner aussergewöhnlich erfrischenden und zum Trinken animierenden Mineralität. Hier schmeckt man den Boden und keinen Marmeladentopf, hier schmeckt man die Erde aus der er stammt und nicht etwas auf das man ‘konditioniert’ ist. Dieser Blaufränkisch ist etwas für all jene die sich wirklich einmal aus dem Teller lehnen und in Kauf nehmen, aus selbigem kopfüber hinauszufallen.

Ich für meinen Teil werde sicher weiterhin Blaufränkisch von vielen Winzern trinken, aber dieser hier ist ab heute mein erklärter Liebling. Ohne die Bemühungen anderer schmälern zu wollen weiss ich eines; es wird mir schwer fallen in Zukunft nicht jeden anderen automatisch mit diesem zu vergleichen und erkennen zu müssen, dass jeder Vergleich sinnlos ist. Der ‘Eisenberg’ hat meine ‘Datenschutzeinstellungen’ vollständig ausgehebelt.

Knappe 14 Euro machen Uwe Schiefers Wundertropfen nicht gerade zu einem Wein für jeden Tag. Andererseits tut man sich schwer, so man ihn ‘verstanden’ und richtig ‘gespürt’ hat, nicht jeden Tag aufs Neue erleben zu wollen. Der ‘Eisenberg’ hat ohne Zweifel absolutes Suchtpotential.

Tipp: Geben Sie ihm 1-2ºC weniger als empfohlen und 40-50 Minuten in der Karaffe. Und dann öffnen Sie Ihre Sinne und lassen Sie den Rest einfach geschehen.

Einen ausführlichen Bericht über den Eisenberg lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch ‘Eisenberg’ 2009 von Uwe Schiefer aus Welgersdorf im österreichischen Südburgenland.

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Kategorie: Verkostet

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