Blaufränkisch ‘Burgenland’ 2012

| 30. August 2014 | 0 Kommentare ...alles

Einstiegswein der Eindruck schindet.

Diesen Tropfen der sich leicht und locker weg trinkt nur als Einstiegswein zu sehen ist fast beleidigend, weil er sehr viel mehr zu bieten hat.

Winzer/Weingut: Uwe Schiefer, Welgersdorf, Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Kalk- und Schieferböden des Leithagebirges.

Burgenland 2012 Flasche/Etikett: Kaum ist Uwe Schiefers Hauptrebsorte in “klassischem rot” in der Flasche, ist auch das unverkennbare Etikettendesign wieder da. Im Fall des Blaufränkisch Burgland in einer relativ locker gestalteten Ausführung. Es deutet wohl die Einfachheit sowie die Leichtigkeit des Basisweins an. Frische Farbgestaltung in rot und orange, durchbrochen von weissen, gitterartigen Flächen, die für leichte Struktur stehen könnten. Unterhalb in Kleinbuchstaben wie üblich schiefer in schwarz und ebenso am unteren Rand einfach burgenland 2012 in rot und blaufränkisch drunter. Fertig ist das Stück Papier. Im rechten äusseren Drittel das in schwarz gehalten ist, steht wieder alles drauf was wissenswert ist. Blaufränkisch “Burgenland” 2012, die PS-Zahl und vor allem unfiltriert. Eine intelligente Lösung, weil man durch die farbliche Teilung auf ein separates Rückenetikett verzichten und so Kosten und Arbeitsschritte sparen kann. Ohne weiteres Warten kommt der Burgenland ins Glas.

Im Glas: Klar wie ein Bergsee, nur in granatrot gehalten, steht der Burgenland im Glas. Zarte lila Töne schimmern mit.

In der Nase: Überraschend fruchtig dampft es aus selbigem mit saftigen Weichselaromen heraus. Etwas Cassis ist dabei und auch ein zarter Tick Créme de Menthe. Sogar ein Stück dunkle Schokolade findet sich ganz weit hinten und macht alles weich und rund. Es fühlt sich wohlig an in der Nase, wirkt mild obwohl es doch ausgeprägt saftig wie auch fruchtig riecht. Begleitet werden die Aromen von einer dezenten Tabaknote. Es fühlt sich alles relativ fein an und weist auf ein leichtes Trinkvergnügen hin.

Im Mund: Was fällt zuerst auf bei diesem Wein? Die frische Säure die er auf der Zunge dahin strömen lässt, oder doch die feingewirkte Struktur mit der er sich auf ihr ausbreitet? Ist es das elegante, äusserst feine Gerbstoffgerüst, das den Burgenland so trinkanimierend macht, oder ist es doch das teils brombeer-, teils weichselfruchtige Spiel der Aromen? Fest steht: Es fühlt sich leicht im Mund an und hat doch sehr viel Charakter, man fühlt sich permanent zwischen Frucht und Haptik hin und her gerissen, fühlt den Wein, schmeckt ihn, spürt den Saft und seine feinen Tannine und schmeckt die frische Frucht. Am Gaumen eher herb im Sinne von nicht glattgebügelt, hat Struktur und Profil. Im Nachhall ebenso fruchtig wie auch mit hellen Tabakblättern veredelt. Fühlt sich toll an wenn der herbfruchtige Film über den Gaumen den Rachen runter zieht und sich lange nicht auflösen will. Am Ende bleibt ein Stück von Schokolade übrig, das sich mit einer kleinen schwarzen Kirsche vergnügt.

Auch wenn der Burgenland NUR der Einstiegswein in Uwe Schiefers Weinwelt ist, lässt sich bereits eindrucksvoll erkennen, was seine Blaufränkisch so anders macht. Leichtgewirkt, nichts dickes, fettes oder marmeladiges im Mund, der Wein liegt leicht auf der Zunge, fühlt sich trotzdem ungemein saftig und körperreich an, wird aber dank einer frischen Säure so gekonnt auf dem Boden gehalten, dass er fein wirkt. Nicht zuletzt dank einer herrlich kühlen Mineralik die den ganzen Saft umspült, ihn in seinen Bahnen hält und den Tropfen frisch und kühl erscheinen lässt. Da ist nie Gewicht im Mund und trotzdem hat der Wein richtig Statur. Und zu allem Überdruss sorgt der Tropfen auch noch für Speichelfluss und verleitet, sich permanent die Lippen mit der Zunge abzulecken.

Resümee: Mit Luft wird er weicher, verliert jedoch niemals den Grip den seine Gerbstoffe am Gaumen hinterlassen. Der Saft ist dunkel an den Zungenrändern, Weichseln, Kirschen und schwarze Johannisbeeren tanzen Polka und ein Tabakblatt umhüllt die dunkle Schokolade die dem ganzen Saft gegenüber steht. Die Krönung ist am Schluss die feine Säure, die schon den ‘Basiswein’ von seinen üblichen Kontrahenten abhebt. Es ist die Säure und die Klarheit, die Uwe Schiefers Blaufränkisch von seinen Artgenossen unterscheidet. Am Ende aber ist es fast beleidigend ihn nur als Einstiegswein zu sehen, da er letztlich wesentlich mehr zu bieten hat.

Tipp: Aufmachen und mit 16-18º verputzen. Macht zur einfachen Küche genauso Spass wie zu opulenten Gerichten. Also Solist ein unkomplizierter Begleiter der sich leicht und locker weg trinkt.

Einen Bericht über den Blaufränkisch ‘Burgenland’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch 2012 Burgenland von Uwe Schiefer aus Welgersdorf im Südburgenland, Österreich.

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Kategorie: Uwe Schiefer, Verkostet

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