Blanc et Noir 2005 Brut Nature

| 18. Februar 2016 | 0 Kommentare ...alles

Blütenherbheit grosser weisser Südfranzosen

Ein Mineralikmonument das Eleganz und Charakter spielerisch vereint. Weisse Frucht, weisse Blüten, weisser Kalk. Traumhaft.

Winzer/Weingut: Raumland, Flörsheim-Dalsheim/Rheinhessen, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von kargen Muschelkalkböden des südlichen Rheinhessens.

Raumland 2005 Allgemeines: Raumland. Die deutsche Antwort auf Champagner. So oder so ähnlich kann man das was Volker Raumland aus Rheinhessen als Sekt in die Flaschen zaubert bezeichnen. Er gilt schlechthin als DER Sektmacher Deutschlands und sorgt mit seinen schäumenden Kreationen für Furore im In- und Ausland. So mancher hochfeudale Schampus hat sich im Wettstreit mit seinen feinen Sprudeln bereits zähneknirschend geschlagen geben müssen. Heute steht wieder so ein deutscher Blubber, passend zum Motto Und es hat blubb gemacht, am Tisch der Wahrheit zur Verkostung an. Der Blanc et Noir Brut Nature 2005 ist eine “klassische” Champagnercuvée aus den Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir, die bei Volker Raumland auf kargen Muschelkalkböden wachsen. Im Stahltank wurder der Blanc et Noir ausgebaut und hat 72 Monate Hefelager hinter sich gebracht, bevor er ohne Dosage in die Flasche gewandert ist. Nachdem ich bereits einige der Sekte Volker Raumlands kenne, bin ich auf diesen hier schon sehr gespannt. Ein Plopp und ab ins Glas mit dem feudalen Sprudel.

Im Glas: Leicht rosa angehauchtes birnengelb perlt im Kelch vor sich hin. Ultrafeines Perlenspeiel sorgt für einen feinen weissen Film an der Oberfläche.

In der Nase: Augenblicklich taucht die Nase in einen dichten wie auch feingewirkten Hefenebel ein. Darin viel weisser Pfirsich, etwas Apfel, ein wenig Marille. Auch rote Waldbeeren haben sich unters Aromenvolk gemischt. Ein trotz des dominierenden Hefeteppichs fruchtbetonter Duft, der einem die Nasenflügel fein benetzt. Dank viel Brioche wie eine Reise durch die Bäckerei.

Im Mund: Marille auf Kreide. Das ist der erste Eindruck wenn der Blanc et Noir auf die Zunge strömt. Es perlt angenehm fein und frisch und fühlt sich knochentrocken an. Fast weinig, aber nur sehr dezent. Danach erhebt sich der Weinbergpfirsich und sorgt mit seiner rauen Haut für entsprechend Grip auf der Zunge. Obwohl 2 Gramm Restzucker vorhanden sind ist der Sprudel trocken wie ein Blatt Löschpapier. Am Gaumen fein hefig und ungemein kreidig. Auch im Abgang Kreide pur und viel Brioche, unterfüttert mit etwas Pfirsich und dunklen Waldbeeren. Fruchtig, ja, aber trotzdem knochentrocken und sehr mineralisch. Bezaubernd die Perlage, die für ein dezentes, stets spürbares Prickeln im Mundraum sorgt. Geschmacklich sehr weiss und trotz der Frucht eher floral wie eine Hibiskusblüte.

Und wieder fragt man sich, wozu man eigentlich französischen Champagner braucht. Okay, man braucht ihn, keine Frage, Diskussion unnötig. Nur, wenn man diesen Blanc et Noir im Mund hat glaubt man sowieso, dass man ‘nen Schampus schlürft und keinen deutschen Sekt. Brutal trocken mittlerweile, als würde man am Kreideberg lecken. Das erinnert mich an meine Dogge, die aufgrund von Kalkmangel immer den Verputz von den Wänden geleckt hat. Griffig auf der Zunge und am Gaumen, herb, von der Frucht bestenfalls gestreift (und doch schmeckt man den Pfirsich und die Waldbeeren) und vom Typ floral. Erinnert mich an diese ausgeprägte Blütenherbheit grosser südfranzösischer Weissweine. In Kombination mit der so feinen Perlage, diesem weichen “pétillant” auf der Zunge, ein Verführer allerfeinster Güte.

Man ist so fasziniert von diesem Sprudel, dass man fast diesen permanenten Hefe- und Briochenebel übersieht, der so fein und leicht über den Gaumen in den Rachen zieht. Man atmet ihn förmlich ein, man schluckt ihn und man spürt ihn lange nachwirken. Alles ist weiss im Mund, der Geschmack, das Gefühl, die Emotion. Ein Mineralikmonument das Eleganz und Charakter spielerisch vereint. Weisse Frucht, weisse Blüten, weisser Kalk – ein Wunder, dass der Blanc et Noir überhaupt in gelb im Glas steht. Auf der Zunge und am Gaumen trocknet dieser Sprudel binnen zwei Sekunden auf, im Abgang spürt man einen letzten Rest von frischer Säure aufblitzen und der Nachhall ist so kreidig, als hätte man so einen weissen Stift den Lehrer und Professoren verwenden geschluckt. Nur besser schmeckend, selbstverständlich.

Resümee: Der Blanc et Noir ist einer jener Blubbs die ich so mag; elegant, extrem kreidig, knochentrocken. Ich brauche keine Frucht, ich will die Haptik. Und davon hat dieser mit feinsten Perlen gepimpte Sekt im Überfluss. Die Leute haben ja keine Ahnung welchen Mist sie saufen. Aber das ist eine andere Geschichte. Das hier ist Sprudel vom Feinsten.

Tipp: Den Plopp raus und mit 8-10º geniessen. Zu Muscheln, zu Garnelen, Hummer, oder zu gegrilltem Fisch und sommerlichen Salaten. Oder einfach so zum Spass, ohne feststoffliche Untermalung. Grosser Sprudelspass.

Einen Bericht über den Blanc et Noir 2005 lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blanc et Noir 2005 Brut Nature vom Sekthaus Raumland aus Flörsheim-Dalsheim, Deutschland. Bezugsquelle: K&U Weinhalle, Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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