Blanc de Blancs Premier Cru

| 27. Mai 2015 | 0 Kommentare ...alles

Wenn es leise auf der Zunge zischt.

Kein Sprudel für Gucci-Imitat-TrägerInnen, das ist Schampus für Leute die wissen wie richtiger Champagner geht.

Winzer/Weingut: Fourny & Fils, Vertus, Champagne-Ardenne, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von 40 Jahre alten Reben die auf mit Braunerde überzogenen kalkigen Böden stehen.

Blanc de Blancs Brut Flasche/Etikett: In Form eines Schildes klebt das in seidenmattem hellbeige gehaltene Etikett auf der grünen Flasche. Ganz oben prangt in gold das Familienwappen der Fournys mit einem grossen F auf weissem Untergrund, eingerahmt ist alles von einer feinen goldenen Linie. In weiss darunter in geschwungener Schrift Blanc de Blancs. In der Mitte des edlen Stück Papiers in gold ganz gross VVE FOURNY & FILS a Vertus. Darunter steht in weiss Brut und Premier Cru. Ein paar allgemeine Informationen in gold vervollständigen das edle wie auch elegante Etikett. Das komplett in gold gehaltene Rückenetikett informiert ähnlich einem Datenblatt mit allen wesentlichen Informationen zu diesem Champagner. Man erfährt alles über Herkunft, Böden, Zusammensetzung, Ausbau und auch die Dosage. Besser kann man über Champagner nicht informieren. Eingefasst ist die Flasche von einer schwarzen Halsmanschette mit einem Goldaufdruck. Und jetzt wird’s Zeit dem Frühstück die flüssige Variante von Glückseligkeit zuzuführen. Sonst wird der Sprudel etwa gar noch warm, was natürlich überhaupt nicht geht.

Im Glas: Gelb wie reifes Stroh perlt der Blanc de Blancs mit feinsten Bläschen vor sich hin.

In der Nase: Der erste Eindruck in der Nase ist ausgesprochen hefig. Wunderbar hefig. Prickelnd, lebhaft und von einem ganzen Korb von Birnen umzingelt. Pfirsich ist dabei und leicht angeröstete Erdnüsse. Frische Zitrustöne befeuern den Duft und verleihen ihm das gewisse Extra. Zarte florale Noten kreisen im Glas, ein verirrter grüner Apfel taucht auf und am Ende vereint sich alles in dieser traumhaft hefigen Hülle. Der pure Genuss ist es, seine Nase in diesem Glas zu versenken und sie gar nicht mehr heraus zu nehmen. Dichter Saft in Kalk und Hefe gefangen und löffelweise freigesetzt. Phantastisch.

Im Mund: Weinig, traumhaft weinig strömt der Blanc de Blancs in den Mund und streift auf der Zunge augenblicklich einen intensiven wie auch feinen hefigen Film ab. Es fühlt sich kalkig an, vermengt mit mindestens drei höchst reifen Birnen. Was die Perlage angeht so ist die so fein, dass man sie schon fast suchen muss, man schmeckt Wein pur und ergötzt sich an einer dezenten aber frischen Zitrusnote. Weisse Blütenaromen ziehen über den Gaumen, sehr trocken ist das Mundgefühl und man spürt wie der Blanc de Blancs mit seiner Herbheit und auch seiner Frucht spielt. Immer dabei das Konglomerat von Hefe und Kalk, was dem Ganzen einen unglaublich trockenen wie auch geschmacklich reifen Eindruck verleiht. Etwas geröstete Nuss auch hier im Abgang wahrnehmar, fein und quasi als Kontrapunkt zur reifen Birne eingeschleust.

Brut ist der Blanc des Blancs. Was für eine Übertreibung. Knochentrocken ist er. Und doch so saftig, dass man sich am liebsten drin ertränken möchte. Am Gaumen steht der Staub des Kalkbergwerks, grau wie eine Nebelwand. Aus diesem Nebel tropft stetig und intensiv reife Birne, jede Menge Pfirsich, noch mehr “Wein” und vor allem eine Dosis Hefe mit welcher man ganz locker ein paar Kilo feinsten Brotes herstellen könnte. Auf der Zunge prickelt es nicht, da ‘schäumt’ es dermassen fein und leise dahin, dass man glaubt man hätte sich eine Messerspitze Wasserstoffperoxid verabreicht. Hey, als Taucher kenne ich das Gefühl in den Ohren wenn man sich das Zeug da rein schüttet. Man kann sich rasch daran gewöhnen. Dass man damit auch Sprengstoff herstellen kann ist eine andere Geschichte. Zurück zum Sprudel. Ich will mehr davon. Defnitiv. Und ich will mehr von diesem leisen Zischen auf der Zunge, von diesem furztrockenen weissen Film am Gaumen und dem Nachgeschmack von Hefeteig. Und von der Birne, die ist es nämlich, die macht aus dem Ganzen erst den absoluten Suchtstoff.

Fallen ‘herkömmliche’ Champagner in der Regel rapide ab wenn sie etwas Luft bekommen, so geigt der Blanc de Blancs mit solcher erst so richtig auf. Wie stiller Wein entwickelt er sich weiter, wird fülliger, zeigt noch mehr Textur, wächst und entfaltet sich immer mehr in Richtung reifem Weinerlebnis. Auf der Zunge trocken wie ein Maurerkübel, feiner Kalk, etwas Pfirsich, etwas Birne und auch weisse Blütenblätter. Am Gaumen nur mehr feiner Nebel der vorüber zieht und einen ahnen lässt was Sehnsucht heisst. Sehnsucht nach dem nächsten Maul voll Wein Champagner.

Resümee: Der Blanc de Blancs ist sexy, er ist elegant und sogar ‘echte Männer’ bringt er zu anerkennendem Nicken. Das ist kein Sprudel für Gucci-Implantat-Imitat-TrägerInnen (ich hasse diese Genderschreibe), das ist Schampus für Leute die wissen wie Champagner geht und die um jeden Pseudosprudel wie der Teufel vor dem Weihwasser, ein grossen Bogen darum machen. Fournys Blanc de Blancs Brut Premier Cru – immer diese elends langen Namen – ist purer Lust-Champagner. Einer den man aufmacht und sich wundert, warum noch immer soviel vom Frühstück am Teller liegt, wo doch der Sprudel längst verdunstet ist. Klar, Fourny hat noch einige grössere, sogenannte “echte Kaliber” in seinem Programm. Aber der hier ist quasi so etwas wie der Sprudel für den täglichen Verzehr. Nur blöd, dass in unseren Breiten nach dem Frühstück noch das Mittagessen und danach auch noch die Jause und das Abendessen kommt.

Tipp: Am besten mit 6-8º geniessen. Mediterrane Küche, Fisch und Meeresfrüchte sind seine Liga. Oder einfach mal zum Frühstück gönnen. Als Solist eine feinst schäumende Sünde ohne Beichtverpflichtung.

Einen Bericht über den Blanc de Blancs lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Blanc de Blancs Brut Premier Cru von Veuve Fourny & Fils aus Vertus in der Region Champagne-Ardenne, Frankreich.

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Kategorie: Fourny & Fils, Verkostet

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