Bellavista Cuvée Brut

| 20. Dezember 2013 | 0 Kommentare ...alles

Nöblich eleganter High-end Spumante.

Spumante der allerfeinsten Art. Keine banaler, mit Kohlensäure gepimpter Sprudel, sondern feinstes, weiches und cremiges Blubbererlebnis.

Winzer/Weingut: Vittorio Moretti, Bellavista, Erbusco/Brescia, Italien.

Lage/Herkunft: Von Bellavista, einem Hügel in der Franciacorta zwischen dem Lago d’Iseo und der Ebene rund um Brescia.

Cuvée Bellavista Franciacorta Flasche/Etikett: Schon die Flasche in welcher der Edelspumante schlummert ist eine Augenweide. Wie ein Kegel ist sie unten mächtig breit und mündet nach oben hin in einen langen dünnen Hals, auf welchem das B für Bellavista aufgeprägt ist und der von einer eleganten schwarzen Manschette mit goldener Beschriftung eigehüllt ist. Ganz unten ein ebenso elegantes wie edel wirkendes ovales Etikett. Auf dunkelgrauer Fläche die von einem goldenen Rand eingerahmt ist, schlicht und einfach Cuvée BELLAVISTA Franciacorta in goldener Schrift. Mehr bedarf es nicht um auf sich aufmerksam zu machen. Typisch italienisch ganz einfach elegant und einfach schön.

Am Rückenetikett, das lediglich ein kleiner schmaler Streifen ist, liest man FRANCIACORTA BRUT in Kapitalen und unterhalb Sboccatura 2012, was Degorgierung heisst und deren Jahr angibt. An der Halsummantelung noch der Kleber mit dem DOCG Franciacorta Nachweis, damit alles seine Ordnung hat. Und damit ist auch schon alles gesagt und der Edelsprudel kommt in die Gläser. Und NICHT, niemals nicht, auf gar keinen Fall, in Flöten! Leider eine Unart die einfach nicht auszurotten ist. Aber das ist wieder ein anderes wie ebenso spannendes und kontrovers geführtes Thema.

Im Glas: In hellem strohgelb funkelt der Bellavista im Glas, leichte grünliche Reflexe schimmern im Gegenlicht.

In der Nase: In der Nase ein Duft der betört. Einerseits frisch und fein fruchtig, aber elegant unterfüttert mit hefigen Chardonnaynoten. Mir fliesst jetzt schon das Wasser im Mund zusammen ob dieser erfrischenden Aromatik die sich die Nasenwände hochzieht. Birne ist dabei, ein paar florale Spitzen und ein Schuss Vanille im Hintergrund. Es duftet saftig, ausgesprochen saftig. Die Hefenoten sind so fein und elegant, dass man sie lieben muss und wer diesen Sprudel in eine Flöte giesst, der fällt um dieses wunderbare Erlebnis garantiert um. Im Weissweinglas aber offenbart sich ein komplexer Duft der so gar nicht ‘Spumante-like’ ist. Einfach bezaubernd.

Im Mund: Auch im Mund zeigt sich der Bellavista als Blubberwein, der es versteht Eindruck zu schinden. Ein richtig sämiges Mousseux umspült die Zunge, fühlt sich weich an und geht erst richtig auf wenn man es mit leichtem Druck zwischen Zunge und Gaumen ‘bearbeitet’. Keine harte Kohlensäure die einem die Perlen bei der Nase wieder raus drückt, es ist weich, sogar irgendwie mild und trotzdem lebendig. Trotz einem Restzucker von 8g/l ein recht trockenes Erlebnis, nicht staubtrocken, sondern angenehm weil sich alles in einer doch ziemlich dichten Mundfülle präsentiert. Es ist dieses sich cremig anfühlende Mousseux das den Bellavista so elegant macht und ihn so anmutig erscheinen lässt.

Erstaunlich ist die komplexe Aromatik die der Bellavista im Mund freisetzt. Es fühlt sich gelb an, erinnert ein wenig an kraftvollen Wiesenhonig und lässt einen auch vereinzelt Kräuternoten schmecken. Dabei ist alles so weich und fein in dieses beeindruckende Mousseux integriert, dass man sich wünscht es möge niemals enden. Alles bewegt sich wie auf einer mit Rasierklinge gezogenen Grenze zwischen absoluter Trockenheit und etwas ‘entfernt Süssem’, das man wahrnimmt. Genau dieser Grenzgang lässt das Hefige weich und angenehm mild erscheinen, warm, saftig und nobel. Entfernt erinnert es ein wenig an die Tissot-Stilistik. Am Gaumen schmeckt man etwas leicht Vanilliges, einen ultrafeinen Hauch Barrique und eine ausgeprägte Chardonnay-Aromatik. Man riecht und schmeck die Flaschenreifung dieses eigenwilligen wie auch charaktervollen Tropfens. Im Abgang fliesst der Bellavista wieder relativ cremig ab, keine Spur von ordinärer Kohlensäure, sondern nobel und verhalten, mehr nach Wein schmeckend und einfach endlos lange anhaltend. Man ist versucht verstecke Frucht zu finden und identifiziert sie als gelbe Birne die im Fass vergessen wurde.

Resümee: Dieser Spumante ist sowas von elegant und anders, dass man geneigt ist sich im Supermarkt irgendeine Flasche von dieser Sorte Sprudel zu holen und den Vergleich zu machen. Um dann festzustellen welch banalen, nichtssagende und pseudoblubbernde Flüssigkeiten sich Leute sonst so hinter die Kiemen kippen. Wie bei allem gilt auch hier: Weniger ist mehr. Lieber weniger vom Guten als viel vom Schrott. Dann machen 26 Euro für die Pulle auch nichts aus, weil man eben Qualität geniesst und sich vom kohlensäuregepimpten Massenärgernis ganz einfach fern hält. Der Bellavista Franciacorta ist ein Spumante der High-end Klasse und der Spass den er vermittelt ist schwer zu toppen.

Tipp: Um die 8-9º geniessen. Zu Fisch und Krustentieren sowieso, als Solist der perfekte Alleinunterhalter. Braucht keinen Anlass um einfach ungezwungen genossen zu werden. Grosser Spumante für Leute die ‘echte’ Qualität zu schätzen wissen.

Einen Bericht über den Bellavista Brut lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Bellavista Franciacorta Cuvée Brut von Vittorio Morettis Bellavista aus der Region Brescia, Italien. Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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