“Avresir” 2014 Bardolino Superiore

| 21. Juli 2018 | 0 Kommentare ...alles

Ein Charmeur der alten Schule

Das ist tatsächlich Italien, das ist Rondinella, Molinara und ein wenig Sangiovese. Das ist grosses Kino das einen Burgund glatt vergessen lässt.

Winzer/Weingut: Villa Calicantus, Calmasino, Bardolino, Italien.

Lage/Herkunft: Von den höchsten Lagen des Bardolino.

Avresir Bardolino Superiore 2014 Allgemeines: An Selbstvertrauen mangelte es Daniele Delaini nicht, als er vor Jahren seinen Job als Banker hin schmiss und sich entschloss, das Weingut seines Großvaters, das zuvor fast 40 Jahre lang brach lag, zu übernehmen und es neu aufzubauen. 1,7 Hektar bewirtschaftet er seitdem auf den höchsten Lagen des Bardolino, und das, ohne vorher irgendetwas mit Wein zu tun gehabt zu haben. Ausser, dass er welchen getrunken hat. Daniel brachte sich alles selber bei und stellte die Villa Calicantus auf biodynamische Bewirtschaftung um. Seine Vision war, der Region und der Appellation Bardolino wieder zu großem Ruf zu verhelfen und Weine zu machen, die diesem Ruf gerecht werden. Ohne fremdes Geld stellte er sich hin und begann diese Vision in die Realität umzusetzen. Heute steht sein Bardolino Superiore Avresir 2014 auf meinem Tisch der Wahrheit, und ob der Ruf tatsächlich auch gerettet wurde wird sich in Kürze zeigen. Eine Stunde in der Karaffe sollten für den Anfang reichen bevor der Tropfen angetrunken wird.

Im Glas: In zartem ziegelrot steht der Avresir fast transparent im Glas.

In der Nase: Im Duft zeigt er mehr Würze als Frucht, ist frisch und kühl im Riechorgan. Waldbeeren irgendwo ganz hinten, im Vordergrund, orientalische Gewürze, trockenes Geäst, viel Laub und Waldaromen. So riecht es wenn sich der Spätsommer in den Herbst verwandelt. Man versenkt die Nase tief im Glas und träumt von langen Spaziergängen, hinein in die herbstliche Abendsonne. Ein Duft zum Sinnieren, zum Verweilen, zum Entspannen.

Im Mund: Man muss den ersten Schluck schon eine Weile wirken lassen um zu erahnen, welcher Wein sich einem da zeigt. Leicht strömt der Avresir auf die Zunge, am Zungenrand entledigt er sich seiner braunen Gewürze, während auf der Zunge selbst ein feiner Waldbeerfilm läuft. Den Gaumen streichelt er so sanft und schüchtern, dass man schlicht verzückt ist. Samt, frisch aus dem Kühlfach, Seide, kalt gebügelt. Ein Gaumenscheichler wie er im Buche steht. Im Mund schlank und fein und herbstlich rot. Ein zarter süsser Stich am Ende, das Finale rotfruchtig, dezent würzig und wieder mit einem Hauch von pikanter Süsse. Ein Charmeur wie man ihn suchen muss. Ein Wein der Verlangen weckt.

Würde man nicht wissen, dass man Bardolino trinkt, man würde meinen einen Tropfen aus Volnay im Mund zu haben. Burgundisch bis zum Anschlag, finessenreich und elegant, Trinkfluss ohne Ende, und eine derart feine Würze, wie man sie lange suchen muss. Dazu subtile rote Frucht und eine Leichtigkeit im Wesen die verzückt. Bekommt er Luft der Avresir, dann geht er auf als wäre er ein Germteigstrudel, entfaltet sich und wird zu einer wahren Schönheit. Der Grip am Gaumen wird intensiver, der Trinkfluss immer grösser, man möchte diesen Tropfen gar nicht schlucken, weil er sich gar so grandios anfühlt während man an ihm rumkaut. Saftig, süss und würzig ist er, frisch und kühl, pikant, vibrierend, äusserst lebhaft. Der Kerl tanzt im Mund, ist frech, verspielt und trotzdem elegant. Was für ein genialer Wein.

Je länger der Avresir vor sich hindümpelt, umso vielschichtiger wird er. Sieben Stunden ist er jetzt offen und was da im Glas steht ist ein Hammer. Lebendige Säure, reife, saftige Frucht, edle Gewürze, Laub, Zweige, Wald, ein Feuerwerk an Eleganz. Die Würze hat Weltformat, der Eleganz gebührt ein Sonderpreis, dem Mundgefühl der Oscar und dem Gesamtauftritt sollte man ein Denkmal setzen. Wir reden hier von Bardolino, nicht von Volnay oder Pommard. Das ist tatsächlich Italien, das ist Rondinella, Molinara und ein wenig Sangiovese. Das ist grosses Kino das einen Burgund glatt vergessen lässt. Den Rest der Flasche werde ich dann morgen untersuchen. Und dann noch einmal übermorgen. Der Stoff ist einfach grandios.

Resümee: Wer davon ein Glas getrunken hat der will mit Sicherheit ein zweites und ein drittes. Ich bin berührt von diesem Wein, und Sie werden es auch sein. Cheers, zum Wohl und Prost.

Tipp: Ein, zwei Stunden in der Karaffe sind ideal. Geht über Tage! Mit frischen 14-16 geniessen. Zu Wurst, zu Käse, zu Fleischgerichten. Ohne alles ein Erlebnis das man nicht jeden Tag hat.

Einen Bericht über den Avresir lesen Sie auch hier.

Wein & und Winzer-Info:

Bardolino Avresir
Wein: “Avresir” 2014 Bardolino Superiore
Winzer: Villa Calicantus
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: 2021+
Anbau: Biodynamisch
Ausbau: Trad. Holzfass
Besonderes: Manuvin®
Dekantieren: Ja

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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