Auxerrois 2013

| 28. Januar 2015 | 0 Kommentare ...alles

Auf Terrassen und zwischen den Flüssen geboren.

Weissburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, egal. Hauptsache es ist Auxerrois. Und der hier ist ein ganz gefinkelter Vertreter seiner Gattung.

Winzer/Weingut: Enderle & Moll, Münchweier, Baden, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von der Lage Münchweier Kirchhalden mit 25-35 Jahre alten Rebstöcken auf Buntsandsteinböden.

Auxerrois Flasche/Etikett: So minimalistisch die Weinbereitung bei Enderle & Moll ist, so einfach fällt auch das Design ihrer Etiketten aus. Auch dieses gelbliche Stück Weinbeklebung ist alles andere als ein Designkunstwerk. Verhalten und reduziert aufs Wesentliche, fast altmodisch gestaltet ziert es die klare Burgunderflasche. Oben das Wappen von Münchweier, unterhalb in der Mitte die Weinbezeichnung Auxerrois in einer klassischen geschwungenen Typo und unten Enderle & Moll in ebensolcher aufgedruckt. Eingerahmt ist das gesamte Teil von feinen Linien und damit ist das Kunstwerk auch schon wieder fertig. Der wahre Star ist in der Flasche. Das Rückenetikett zeigt ganz oben, dass es sich um einen LANDWEIN OBERRHEIN handelt sowie Auxerrois 2013. Sonst liest man noch die Adresse, eMail, Internet und die Losnummer. Mehr ist nicht, was Auxerrois ist weiss man oder liest es nach. Um dem Trub der in der Flasche rumzieht die Gelegenheit zu geben sich zu setzen, wird der Auxerrois in die Karaffe umgefüllt und dort für eine halbe Stunde in Ruhe gelassen. Dann kommt er ins frisch polierte Burgunderglas.

Im Glas: Alles andere als klar steht der Auxerrois in kräftigem strohgelb im Glas. Ein zarter rosa Schimmer begleitet ihn.

In der Nase: Birne ist das erste was man riecht, weich und saftig. Etwas Honig, ein paar Mandeln und eine leicht oxidative Note ergänzen den Duft. Man könnte es fast schon als opulent empfinden was da die Nasenflügel hoch zieht. Es ist reich an Aroma, voll und dicht. Kein Federgewicht, eher Rubens in der Nase. Gewöhnungsbedürftig und am Ende äusserst interessant. Klart erst mit Luft auf und wird dann mineralischer und feiner. Duft für Abenteurer.

Im Mund: Und dieses Abenteuer setzt sich lückenlos im Mund fort. Cremig weich und mild kommt der Auxerrois auf der Zunge an und öffnet dort augenblicklich einen Koffer voller Birnen. Dabei agiert er mit einer so milden wie auch weichen Säure, dass man den Wein fast schon wie ein Kaubonbon empfindet. Überraschenderweise driftet er aber nicht ins Mollige ab, er bleibt frisch und sogar leicht kalkig mineralisch im Mund stehen. Honignoten sorgen für noch mehr Weichheit, zarte Mandeltöne spielen mit und erst ganz am Schluss hat sich die Säure dann doch so weit nach vorn gedrängelt, dass man sie und ihre verhaltene Spritzigkeit erst richtig wahrnimmt. Man denkt an Weissburgunder der erheblich “g’schmakiger” erscheint als man es von dieser Sorte kennt.

Nach dem ersten Glas steht fest: Der Tropfen braucht Luft. Und zwar reichlich. Und siehe da, nach zwei Stunden wird der Auxerrois plötzlich richtig kalkig. Es wird trockener auf der Zunge und am Gaumen, das Opluente hat sich verflüchtigt und der Wein wirkt auf einmal abgespeckt. Dabei bleibt er dennoch weich und mild auf der Zunge, die Aromatik hat sich nicht wesentlich verändert, ist nur klarer geworden. Jetzt beginnt der Auxerrois zu tanzen. Vollschlanker Weissburgunder oder doch entschlackter Chardonnay? Man weiss es nicht und geniesst ganz einfach. Dunkler Honig, reife Birnen und ein Sack voll Kalk treiben ihr Spielchen und sorgen für grossen Spass im Mund. Am Gaumen weiss, stoffig, trocken und nebelig. Im Abgang wunderbar birnig, in Rauch gehüllt, lang und mineralisch, sogar ein Tick fruchtig. Mehr davon will.

Immer mehr öffnet sich der Tropfen jetzt und dreht richtig auf. Langsam gesellen sich warme Brotaromen dazu, hinter den Lippen spürt man den Wein weich und cremig wie Labello. Rund und mild steht er auf der Zunge während er am Gaumen in feinem weissen Nebel abzieht. Sogar leicht nussig wird der Tropfen und sorgt für allerhöchsten Trinkspass.

Resümee: Der Auxerrois hat nach drei Stunden in der Karaffe Reiseflughöhe erreicht und wird mit jeder weiteren das Flugerlebnis eindrucksvoller machen. Am Ende wird er sich in einer weissen Wolke voller Kalk und feinzerstäubten Birnenaromen auflösen und als fruchtig-mineralische Erscheinung in die Weingeschichte eingehen. Weissburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, egal. Hauptsache es ist Auxerrois. Und von dem hier will ich noch viel mehr. Aber das gibt’s erst am Abend.

Tipp: Unbedingt karaffieren (auch wegen Trubstoffen). Zwei bis drei Stunden Luft sind ideal. Mit 12-14º aus dem Burgunderglas geniessen. Zu Fisch mit Sauce, Königsberger Klöpsen oder einfach zum Heringssemmerl. Als Solist ein exzellenter Flugbegleiter.

Einen Bericht über den Auxerrois lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Auxerrois 2013 vom Weingut Enderle & Moll aus Münchweier in Baden, Deutschland.

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Kategorie: Enderle & Moll, Verkostet

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