Arnaio 2009 Valdonica

| 23. Januar 2014 | 0 Kommentare ...alles

Sangiovese zum Saufen.

DER Wein zur Pasta. Jener, für den man sich einen zweiten Teller anfüllt um eine Ausrede dafür zu haben, dass die Flasche noch nicht leer ist.

Winzer/Weingut: Valdonica, Sassofortino, Maremma/Toskana, Italien.

Lage/Herkunft: Von Weingärten auf über 450 Metern Seehöhe, auf Lehm- und Sandböden des früheren Vulkans Sassoforte

Arnaio 2009 Flasche/Etikett: Wie schon das Etikett des mersino, ist auch dieses in dunklem grau gehalten, nur dass auf dem hier statt des quietschgrünen V für Valdonica eine knallorange Initiale den Ton angibt. Inklusive der geschwungenen Linien die das V umfliessen. Auch der Rest ist knallorange, Toscana VALDONICA und arnaio 2009 sind streng dem Corporate Design folgend am gleichen Platz, in der gleichen Grösse und der gleichen Anordnung wie beim mersino angebracht. Konsequet durchgezogenes Design, elegant und modern.

Am ebenso grauen Rückenetikett auch hier wieder in knallorange alle Informationen die man wissen muss vorhanden. Auch hier erfährt man wieder was in der Flasche drin ist, nämlich Sangiovese und Cabernet Sauvignon, sowie die Information, dass der Wein 18 Monate im Barrique gereift ist. Damit sich der arnaio etwas akklimatisieren kann, kommt er für eine halbe Stunde in den Dekanter um ein wenig Sauerstoff aufzunehmen.

Im Glas: Schon beim umfüllen in die Karaffe erschreckt man kurz ob dieser hellen Flüssigkeit die aus der Flasche kommt. Im Glas dann ebenso klar wie fast schon transparentes Granatrot. So durchscheinend, dass man dahinter Zeitung lesen könnte. Faszinierend.

In der Nase: Auch der Duft des arnaio ist unerwartet anders. Etwas Rauch, etwas Hollunder, etwas Johannisbeere. Ein wenig Speck und zarte grüne Kräuternoten dümpeln langsam die Nase hoch. Feine Würze steht im Glas, alles ist relativ verhalten, fast schüchtern. Florale Aromen machen sich bemerkbar, etwas Leder kommt hinzu. Ein für Sangiovese relativ vielseitiger wie vielschichtiger Duft, der neugierig macht und einen immer wieder seine Nase tief ins Glas stecken lässt.

Im Mund: So überraschend hell und klar der arnaio in seiner Farbe ist, so klar kommt er auch auf die Zunge. Wie ein gläserner Strahl bahnt er sich seinen Weg über die Mitte und entlädt dort saftige Weichselaromen, eine ganz eigenwillige grünkräutrige Würze, die offensichtlich durch die attraktive Weichselfrucht so wirkt. Äusserst interessant was da auf der Zunge steht. Milchschokolade gesellt sich dazu, superfeine Tannine mischen mit und insgesamt fühlt sich der arnaio total puristisch an im Mund. Der Stoff hat 14% im Gepäck und und fühlt sich an als wäre er Wasser. Erst am Schluss merkt man wie sanft sich Gerbstoffe und eine leicht spröde Struktur am Gaumen anlegen und für ein wenig Druck sorgen. Das erste Glas ist schneller weg als man geplant hat und was bleibt ist die totale Überraschung über soviel Purezza.

Nach einer Stunde an der Luft wird der arnaio um einiges komplexer. Verwandelt sich zur spröden Schönheit, die nun ein wenig mehr von Graphit und erdiger Würze zeigt. Die Weichselaromen integrieren sich tiefer in das Gesamtbild ein und lassen den Tropfen saftiger und dichter werden. Auch die Schokolade hat sich besser mit den dunklen Beerenaromen verbunden, es fühlt sich auf der Zunge dichter, packender an. Am Gaumen wird es brauner, erdiger, ohne dabei die tolle Frucht zu verlieren. Es ist nicht mehr so glasklar wie zu Beginn, alles wirkt erwachsener und kräftiger. So wie der arnaio jetzt den Mund ausfüllt macht es grossen Spass ihn auf der Zunge zu spüren und man ist wieder überrascht, wie sehr sich die Weichsel kurz vor dem Abgang noch einmal aus dem Tal erhebt und ein letztes Mal so richtig frisch und frech auf die Zunge drückt. Über den Gaumen zieht der Stoff mit feinsten Gerbstoffen hinweg, hinterlässt so etwas wie ein feines Pelzchen und verabschiedet sich so saftig-fruchtig wie auch elegant-erdig. Lange schmeckt man dem arnaio hinterher und sehnt sich nach dem nächsten frechen Weichselstich am Zungengrund.

Resümee: Der Wein is sowas von puristisch, so rein und klar, dass man geneigt ist ihn einfach wegzumachen. Das ist kein Wein zum Nippen oder zum ewig langen Rumsüffeln, das ist Wein zum Vernichten. Und zwar Flaschenweise. Für die tägliche Pasta vielleicht ein wenig kostspielig, 14 Euro kostet die Pulle, aber im Grunde genommen genau DER Wein zur Pasta. Nämlich jener, für den man sich einen zweiten Teller anfüllt um eine Ausrede dafür zu haben, dass die Flasche noch nicht leer ist. Wie schon gesagt, der arnaio ist kein Überflieger. Er ist einfach Sangiovese zum Saufen!

Tipp: 30 Minuten in die Karaffe. Am besten kühl, mit etwa 16º geniessen. Schreit nach Pasta aller Art und ist als Solist der totale Suchtwein.

Einen Bericht über den Amigne lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein arnaio 2009 von Dr. Martin Kerres´ Weingut Valdonica in Sassofortino (Grosseto) in der Maremma/Toskana, Italien.

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Kategorie: Valdonica, Verkostet

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