‘An der Südbahn’ 2010

| 27. August 2013 | 0 Kommentare ...alles

Schlanker geht´s nicht mehr.

Man MUSS diesen Wein trinken, ihn voll auskosten, ihn spüren, mit vollem Mund. Man will immer mehr davon und ist von seiner Leichtigkeit begeistert.

Winzer/Weingut: Weingut Schellmann, Gumpoldskirchen, Österreich.

Lage/Herkunft: Von steinigen und kargen, teilweise auch schweren, lehmigen Böden.

An der Südbahn 2010 Flasche/Etikett: Wie schon auf den beiden anderen vom Weingut Schellmann vorgestellten Weinen klebt auch auf dieser Burgunderflasche das auffällige, wuchtig erscheinende Etikett mit dem Namen SCHELLMANN in dicken schwarzen Lettern und dem noch imposanter erscheinenden Jahrgang drauf. Dazwischen in weiss und schwarz An der Südbahn. Das formatfüllende S auf dem weissen Untergrund ist diesmal nicht in gelb oder grau, sondern seinem Inhalt angepasst in dunklem rot aufgedruckt. Schellmann und Südbahn sind partiell lackiert was dem Etikett ein wenig ‘Eleganz’ verleiht, soweit das bombastische Design das überhaupt zulässt.

Auf der Seite des wie gehabt in einem Stück angefertigten Etiketts steht wieder alles man sonst noch wissen sollte, sowie erfreuliche, ganz dick und fett gedruckte 12,5 vol.%, die schon im Vorfeld auf ein äusserst schlankes und leichtes Weinerlebnis schliessen lassen. Wir entschliessen uns den Wein einfach zwecks der Optik in eine nette Karaffe umzufüllen und lassen ihn gerademal für eine halbe Stunde stehen. Danach kommt er in die Gläser.

Im Glas: Äusserst transparent, man kann fast Zeitung darin lesen, steht der Wein im Glas und leuchtet kirschrot aus selbigem heraus.

In der Nase: In die Nase strömen Aromen von frischen Erdbeeren und Himbeeren, von Kirschen und von grünen Pflanzen. Man könnte meinen in einem blühenden Erdbeerfeld zu stehen und mit der Nase durch den Untergrund zu pflügen. Würde man nicht wissen, dass es sich bei diesem Inhalt um Wein handelt, man würde glatt auf einen Erdbeer-Himmbeersaft tippen. Erstaunlich wie klar die beiden Früchte in der Nase dominieren und wie intensiv man ihre Aromen wahrnimmt. Selten zuvor sind mir diese augenscheinlicher in die Nase gehüpft als bei diesem Tropfen.

Im Mund: Kaum im Mund angekommen potenzieren sich die Erdbeer- und Himbeeraromen. Der Wein nimmt die Zunge superschlank und sogar ganz fein herb in Beschlag, es fühlt sich an als hätte man so gut wie nichts im Mund. Erst wenn der Wein den Gaumen erreicht und man ihn schluckt merkt man seine Fruchtigkeit und spürt so etwas wie mikroskopisch feine Gerbstoffe. Viel schlanker kann man Wein wohl nicht mehr machen. Es ist als würde man dem Tropfen hinterher rennen um in zu fassen zu bekommen. Etwas ‘Weichselhaftes’ lässt ihn frech säuerlich, irgendwie sogar mager erscheinen, was aber nicht mager, sondern einfach federleicht und bis aufs Notwendigste ‘abgespeckt’ ist. Man muss den Wein schon lange auf der Zunge stehen lassen um einen Hauch von grüner Kräutrigkeit zu schmecken, ihn zu spüren und seine grünlich-roten Fruchtaromen zu erfassen. Fred Loimer empfiehlt zu diesem Wein Salami weshalb es auch welche als ‘Naschbeilage’ dazu gibt. Und was da auffällt ist, dass sich das ‘Säuerliche’ augenblicklich verzieht und der Tropfen noch weicher, runder und schlanker wird. Er schreit danach mal richtig den Mund mit ihm voll zu nehmen, denn zum eleganten nippen und dran rumsüffeln ist dieser Wein absolut nicht gemacht und auch nicht geeignet.

An der Südbahn & Salami Sowie man mehr von diesem Tropfen in den Mund nimmt spürt man wie sehr er lebt, wie aktiv alles in diesem superschlanken Körper agiert. Frische Säure spielt mit den roten Beerenaromen, grüne Kräutrigkeit spielt mit allerfeinsten mineralischen Anklängen und im ‘vollen Maul’ merkt man plötzlich auch das was sich im Fachjargon ‘Gerbstoff’ nennt. Als hätte man Flugsand 100-fach zerkleinert und ihn dann wieder als Nebelwolke freigesetzt. Die Zunge fühlt sich ob der Schlankheit die auf ihr agiert zehn Jahre jünger an, der Gaumen kommt nicht nach mit dem ‘katalogisieren’ dieses ‘Nichts’ das man im Mund hat, das aber gleichzeitig so viel ist was man wahrnimmt, nur auf eine andere Art und Weise. Jeder Versuch von diesem Wein nur wenig in den Mund zu nehmen scheitert kläglich am Verlangen, ihn (den Wein) voll darin spüren zu wollen. Dann dreht er auf, dann macht er Spass, dann kann man ihn voll und ganz erfassen. Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Weichseln, alles ist da. Die feine säuerliche Note macht ihn frisch, macht ihn frech und mit der Salami im Mund möchte man selbige mit einem Eimer voll davon hinunter spülen.

Resümee: Was die Cuvée An der Südbahn so enorm spannend und ungewöhnlich macht ist ihr schlanker Körper, der aber trotzdem genug Kraft hat Eindruck im Mund zu schinden. Mit Luft kommt mehr und mehr davon hinzu und lässt den Wein vielschichtiger, auch ein wenig weicher werden, verleiht ihm mehr Statur ohne aber jemals kraftvoll zu werden. Am Gaumen fühlt man diese zarte herbe Note die als ‘Schwänzchen’ den Abgang begleitet und gleichzeitig leckt man sich die Zunge weil man mehr von dieser säuerlichen Fruchtigkeit will. Man MUSS diesen Wein trinken, muss ihn voll auskosten, ihn spüren, mit vollem Mund. Nur dann ist es einem vergönnt ihn ihn allen Facetten zu erleben. Es ist dieses ‘Nichts’ von Wein, das diesen Wein so ‘Viel’ macht. Genuss á la Schmalspurbahn, mit viel Frucht, einer leicht kräutrigen Würze und einem Spass- und Verdunstungsfaktor, der es sinnvoll macht zum Essen eine zweite Flasche aufzumachen. Denn eine ist im Handumdrehen weg.

Tipp: 30 Minuten in die Karaffe und dann bei 14-16º (zu warm geht hier gar nicht) einfach wegtrinken. Zu Salami, zu Hausmannskost, kalten Gerichten auf Kermamik- oder Holzunterlagen sowie zu allem was ein wenig Fett auf den Rippen hat. Oder einfach als Spasstropfen ohne jede Reue solo verputzen.

Einen Bericht über die Cuvée An der Südbahn lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde eine Cuvée An der Südbahn 2010 vom Weingut Schellmann aus Gumpoldskirchen, Niederösterreich.

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Kategorie: Loimer, Verkostet

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