Ad Libitum 2013 Touraine-Amboise

| 27. März 2015 | 0 Kommentare ...alles

Wenn im Mund die Sonne scheint.

Als wäre der Trödeltrupp eingefallen und hätte alles komplett entrümpelt. Der perfekte Zechwein für den jeden Tag des Jahres.

Winzer/Weingut: Domaine La Grange Tiphaine, Amboise/Loire, Frankreich.

Lage/Herkunft: Gemischter Satz aus einem Weinberg mit 15 bis 45 Jahre alten Reben mit Gamay, Cabernet Franc und Malbec.

Ad Libitum Flasche/Etikett: Alles andere als preisverdächtig ist das Etikett das auf der Burgunderflasche klebt. Auf schwarzem Untergrund prangt eine weinrote Illustration die am ehesten an wehende Tücher erinnert. In einem Teil davon steht in weisser Typo Ad Libitum Touraine 2013 und das war es auch schon wieder. Am unteren Rand ebenfalls in weiss La Grange Tiphaine aufgedruckt und unterhalb in rosarot Coralie & Damien Delecheneau. Da ich bereits zwei Weine der beiden kenne erschreckt mich dieses Design nicht allzu sehr, weil ich weiss, dass die Inhalte in ihren Flaschen wahre Freudenspender sind. Trotzdem, viel hässlicher kann man Etiketten nicht gestalten. Am ebenso schwarz gehaltenen Rückenetikett wieder die selbe Grafik, nur in grau, und darin LA GRANGE TIPHAINE. Oben Touraine und die Appellation sowie unten die Rebsorten die in der Cuvée enthalten sind. Was auffällt sind die spärlichen 12 PS die in der Flasche schlummern. Ohne weiteres warten kommt der Ad Libitum jetzt leicht gekühlt ins frisch polierte Glas.

Im Glas: Relativ helles kirschrot leuchtet aus dem Glas heraus und deutet seine Leichtigkeit richtig an.

In der Nase: Würzig riecht der Ad Libitum, fruchtig ebenso und äusserst frisch und angenehm. Etwas Thymian, ein paar schwarze Johannisbeeren und auch getrocknete Zweige vermengen sich zu einem sehr interessanten Duft. Nichts ist zuviel, nichts drängt sich in den Vordergrund. Es fühlt sich harmonisch in der Nase an und die rote Fruchtigkeit die dem Gamay entspringt setzt allem die Krone auf. Malbec sorgt für die kühle Frische und Cabernet Franc bringt die anspruchsvolle Würze mit. Ein schöner Duft der Freude auf den ersten Schluck macht.

Im Mund: Das macht Spass! Rotfruchtig kommt der Ad Libitum auf die Zunge und kaum denkt man, dass man hier einen ganzen Korb voll roter Beeren kauen darf, lösen sich aus dem Saft herrlich feine Gerbstoffe die es auf ihr rieseln lassen. Sie kullern förmlich über die Zunge und man spürt wie leicht und luftig sich alles anfühlt. Da ist nichts von Fülle oder sonstwas, hier ist einfach ein fluffiger Spassmacher am Werk. Ad Libitum kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie “nach Belieben” und so wie sich der Tropfen im Mund anfühlt, kann man sicher “nach Belieben” davon trinken. Unfassbar locker ist das Gerbstoffgerüst. Wer glaubt mit einem Pelz versorgt zu werden irrt gewaltig. Sie haften nicht am Gaumen, sie fallen mürbe ab, sind feinkörnig, liebenswert und rattern durch den rotfruchtigen Saft als gäbe es nichts Einfacheres. Der Tropfen ist ein Sonnenschein, frisch, fröhlich, unbeschwert und leicht wie Tüll.

Eines steht bereits fest: Wenn das ‘klein’ ist, dann will ich, dass der Tropfen nicht mehr grösser wird. So einfach geht nämlich Trinkspass. Extrem schlank auf der Zunge, dabei griffig dank seiner kieselnden Gerbstoffe die für soviel Gefühl im Mund sorgen. Dank Gamay rotfruchtig ohne jemals auch nur in die Nähe von süss zu kommen. Cabernet Franc der sich anfühlt als hätte man seine Würze mit Schleifpapier bearbeitet. Über die Zungenränder fliesst purer frischer Saft ab, am Gaumen steht ein Film der richtig lebendig wirkt. Im Abgang kühl und fein. Was zurück bleibt ist ein dezent herber rotfruchtiger Geschmack sowie das Verlangen, sofort den nächsten grossen Schluck von diesem Wein zu nehmen. Der Ad Libitum ist Saufwein pur und nichts für Freunde körperreicher Tropfen. Das hier ist Wein für die grosse Party.

Nach wie vor bin ich von diesen Gerbstoffen hin- und her gerissen. Als würde einem der Wein Flugsand durch den Mund blasen, dieser sich aber nicht und nicht festsetzen wollen. Er rieselt einfach ab und verleiht dem fruchtbetonten Saft soviel Textur, dass man nicht aufhören möchte darauf zu kauen. Was noch dazu kommt ist, dass so gut wie nicht vorhandene Gewicht des Ad Libitum, der ultraschlanke Körper und die Leichtigkeit mit der er sich auf der Zunge verhält. Man schmeckt Frucht, feine Würze und auch Feuerstein, der wie es scheint, hauptverantwortlich für diesen klaren, kühlen, wie auch frischen Eindruck ist.

Resümee: Ich bin schlichtweg beeindruckt von diesem Wein. Es ist als wäre der Trödeltrupp eingefallen und hätte alles mitgenommen was kein Mensch mehr braucht. Als hätte er die Loire vollkommen entrümpelt. Das ist Saufwein in Reinkultur und wer sich diesen Tropfen aufmacht sollte nicht erschrecken, wenn er schneller weg ist als geplant war. Ich werde mir davon eine Kiste in den Keller legen, was aber letztlich wenig Sinn macht, weil der im Sommer hier verdunsten wird wie das Wasser in der Wüste Gobi.

Tipp: Aufmachen und mit 14-16º geniessen. Macht eigentlich alles mit. Wurst- und Fleischgerichte, kalt und warm. Ratatouille, Eierspeisen, Nudelsalat, was auch immer. Ich habe ihn zu Spaghetti mit Tomatenpüree und Olivenpaste verputzt. Einfach göttllich. Als Solist der totale Zechwein. Spass zur Potenz und unwiderstehlich gut.

Einen Bericht über den Ad Libitum lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Ad Libitum 2013 von der Domaine La Grange Tiphaine in Amboise an der Loire, Frankreich. Bezugsquelle: K&U Weinhalle Nürnberg.

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Kategorie: K&U Weinhalle, Verkostet

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