2016 K

| 11. Oktober 2018 | 0 Kommentare ...alles

Sinnlich, opulent und sehr charmant

Ein Wein der Diäten aller Art verweigert, stolz auf seine Rundungen ist und sie auch voller Selbstbewusstsein zeigt.

Winzer/Weingut: Weinlaubenhof Kracher, Illmitz/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Weingärten die zwischen Illmitz und dem Ufer des Neusiedlersees liegen.

2016 K Allgemeines: Endlos ist die Ebene im burgenländischen “Seewinkel”, dem ca. 20 Kilometer langen Landstreifen am Neusiedlersee, der mit zahllosen grossen Lacken durchsetzt ist. Mittendrin liegt Illmitz. Dort wiederum findet man den Weinlaubenhof Kracher, dessen Name untrennbar mit den besten Auslesen, Spätlesen, Trockenbeerenauslesen Österreichs verbunden ist. Wo man aber auch kleine Mengen hervorragender Weiss- und Rotweine macht. Seit 2007 zeichnet Gerhard Kracher für die Bereiche Keller, Weingarten und Verkauf verantwortlich, unterstützt wird von seiner Gattin Yvonne, die sich quasi im “Backend” um das Marketing sowie den Ein-und Verkauf kümmert. Vom Weinlaubenhof Kracher habe ich heute eine Cuvée aus Chardonnay, Welschriesling und Scheurebe am Tisch der Wahrheit stehen, den 2016 K. Ausgebaut wurde der Wein in neuen Barriques, 9 Monate wurde er gelagert, jetzt ist er geöffnet und dreht in der Karaffe ein paar Runden um sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen.

Im Glas: Strohgelb zeigt sich der K.

In der Nase: Kraftvoll duftet es nach reifer Birne und Ringlotte. Etwas gedörrtes Obst mischt mit im Riechorgan. Marillen, aber auch Orangen tummeln sich im Hintergrund herum. Es fühlt sich sehr kompakt an in der Nase, die Würze die als Untermalung dient ist kräftig, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Etwas leicht “Orientalisches” sorgt für einen frechen Extrakick im Nasenflügel. Ein Duft der animiert, verführt und neugierig macht.

Im Mund: “Neu? Nein, mit Fewa Wolle gewaschen.” Wie ein echter Faserschmeichler nimmt der K mit feinem Grip und weicher Cremigkeit die Zunge ein. Vanilleschoten treffen auf herbe gelbe Früchte, am Gaumen feinstes Holz und eine ausgesprochen charmante Würze. Ein Maul voll Wein mit dem man spielt und knuddelt, ein Tropfen der zuerst auf Rubens macht und sich so nach und nach mit einem phantastisch zitrischen Finale aus dem Staub macht. Ein Wein der weiss, dass Rundungen ganz sexy sind, das Charme unwiderstehlich ist und eine zarte Opulenz im Mund für sinnliche Momente sorgt. Der K ist ein Charmeur, ein sinnlicher Verführer. Ein Tropfen der genau weiss wie man Sehnsucht schürt.

Wenn man nicht wüsste, dass es sich beim K um eine Cuvée aus Chardonnay, Welschriesling und Scheurebe handelt, man würde sich auf Chardonnay festlegen. Wenn da nicht das “orange” Finale wäre, dass wiederum die Scheurebe ins Spiel bringen würde. Jedenfalls macht der Tropfen richtig Spass im Mund wenn er so vor sich hin rollt und die Zunge in seiner zarten Üppigkeit versenkt. Zur allgemeinen Überraschung wird er am Gaumen immer herber, er wird griffiger und trockener, trotz seiner zarten süssen Ader. Was der K definitiv nicht ist, ist ein “Hungerhaken”. Er verweigert Diäten aller Art, ist stolz auf seine Rundungen und zeigt sie auch voll Selbstbewusstsein. “Pfeif auf schlank” scheint er zu sagen, “ich bin rund und g´sund und das macht Spass.” Nix mit XXS, man freut sich über M und schenkt sich noch ein Gläschen ein. Damit man was im Mund hat woran man auch genüsslich kauen kann.

Was dem K so richtig taugt ist Zeit und Luft. Dann schält er sich langsam aus seiner Opulenz heraus, wird immer mineralischer, immer herber und auch immer trockener. Was bleibt ist seine äusserst feine Orangen- und Ringlottenaromatik, seine ausgesprochen feine Würze und am Ende die subtile süsse Note. Das Finale ist dann richtig trocken, von einem Tick Zitrone untermalt. Am Gaumen bleibt ein wenig Schmelz um noch einmal diese wunderbare Cremigkeit des K hervor zu heben.

Resümee: Bleibt letztlich nur noch zu klären, von welcher Sorte wohl wieviel in diesem Schmusekater schlummert. Das wird aber hier jetzt nicht verraten, weil nämlich sonst das Raten nur mehr halb so viel Spass macht. Dem Trinkvergnügen aber tut das keinen Abbruch, weil soviel Charme ganz einfach immer gern gesehen ist und man sich keine zweimal für ein nächsten Glas bitten lässt.

Tipp: Am besten mit 10 bis 12º geniessen. Zu asiatischer Küche, zu Fisch und kräftigen Hartkäsen. Als Solist ein Tropfen der für Couch-Potatos wie gemacht ist.

Einen Bericht über den 2016 K lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein 2016 K vom Weinlaubenhof Kracher aus Illmitz im Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: Fine Wine Shop, Illmitz.

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Kategorie: Kracher, Verkostet

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