Stichwort: Weinverkostung

Gumpold Reserve 2010

Dreckig, aber nicht ungepflegt.

Keine banal belanglose Reinzuchthefe-Mundspülung, das ist Stoff für Männer die wegen einem aufgeschlagenen Knie nicht sofort den Notruf wählen.

Winzer/Weingut: Weingut Schellmann, Gumpoldskirchen, Österreich.

Lage/Herkunft: Von 25 Jahre alten Rebstöcken der Lage Brindlbach, der besten Lage für Chardonnay in Gumpoldskirchen.

Gumpold Reserve 2010 Flasche/Etikett: Mit einem beeindruckenden Etikett versehen steht die Burgunderflasche hier am Tisch und protzt mit ihren schwarzen Riesenlettern drauf. Schellmann in dicken, fetten, schwarzen Kapitalen, darunter Gumpold und in rot Reserve, damit man weiss was Sache ist. Der Jahrgang 2010 überdimensional unten aufgedruckt und darunter das obligate polynesische Männchen, das ein Fruchtbarkeitssymbol des Inselvolkes darstellt. Schellmann partiell lackiert, damit das Schwarz noch imposanter in Erscheinung tritt. Ebenso Reserve in rot, damit es richtig flunkert auf der Flasche. Unterlegt ist das komplette Stück Papier mit einem formatfüllenden grauen S. Wenn man die Flasche dreht liest man rechts woher der Wein stammt, wer ihn abgefüllt hat sowie den Hinweis auf die Winzervereinigung respekt, der Fred Loimer angehört. Auf der linken Seite stehen in grossen Ziffern die 13,5% die der Gumpold Reserve in sich beherbergt. Dass Chardonnay in dieser Flasche drin ist muss man raten oder weiss es einfach.

Bevor wir den Brummer von der ‘Südbahn’ aber in die Burgundergläser lassen wird der Gumpold Reserve für vier Stunden in die Karaffe verfrachtet um sich zu sammeln und für seinen grossen Auftritt vorzubereiten.

Im Glas: Im grossen Kelch zeigt sich der Gumpold in kräftigem Gelb mit goldenen Reflexen. Ein dicker Film zieht die Glaswand hinab.

1. Juli 2013 | 0 Kommentare ...alles

Grüner Veltliner ‘Kamptal’ DAC 2012

Von wegen grüner geht nicht mehr.

Ein herrlich lebendiger und animierender Wein, der dazu verleitet sich eine Flasche aufzumachen und diese ohne Reue restlos zu verputzen.

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Langenlois/Niederösterreich, Österreich.

Lage/Herkunft: Von alten Weinbergslagen rund um Langenlois mit den Gemeinden Zöbing, Gobelsburg, Schiltern und Mollands.

Grüner Veltliner Kamptal DAC Flasche/Etikett: An der Ampel heisst es oft ‘Grüner wird´s nicht’. Das Etikett das auf der Schlegelflasche des Grünen Veltliners klebt widerlegt jedoch diese Aussage. Quietschgrün ist die höchste Steigerungsform von Grün und genau so leuchtet es einem schon von weitem entgegen. Vollflächig in grasigstem Grasgrün beduckt. Unübersehbar! Auf dem Etikett ein kleiner gelber Frosch, der als i-Punkt auf dem Namen LOIMER dient. In Wirklichkeit ist es aber kein Frosch, sondern ein kleines Männchen, ein Fruchtbarkeitssymbol aus Polynesien. Beide, der Frosch, das Männchen und LOIMER, hochgeprägt und partiell lackiert. Unten in weiss Grüner Veltliner und Kamptal. Das war´s auch schon, der Rest ist… grün.

Am Rückenetikett, das ebenfalls quietschgrün ist, die wichtigsten Informationen angebracht und der Hinweis, dass dieser Wein aus Trauben ist, die sich in Umstellung auf biologische Landwirtschaft befinden. So sperrig sich das auch anhören mag, der Originaltext ist noch fürchterlicher. Weil mehr nicht zu erfahren ist wird die Flasche von ihrem Schraubverschluss befreit und der Tropfen eingegossen. Belüften nicht nötig, der will nur raus in die Gläser.

Im Glas: In ganz hellem strohgelb dreht der ‘Kamptal’ DAC seine Runden im Glas. Wäre es noch heller, könnte man ihn fast als weiss bezeichnen.

3. Juni 2013 | 0 Kommentare ...alles

Faugères 2010

Inkarnation von Terroir.

40% Syrah, 30% Carignan, 20% Grenache und 10% Cinsault lauetet die Zauberformel für diesen aussergewöhnlichen Wein. Intensiver kann man Terroir fast nicht mehr schmecken.

Winzer/Weingut: Binet & Jacquet, Faugères, Languedoc, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von kargen und steinigen Schieferböden in Faugères, welche zu den ältesten Gesteinsformationen Europas (Paläozoikum) zählen.

Faugères Flasche/Etikett: Auf der dunklen Burgunderflasche ist ein sehr ansprechendes und einprägsames Etikett aufgebracht. Dieses zeigt neben dem Namen des Weinguts auf einem quietschorangen Quadrat einen in einer einfachen Zeichnung stilisierten Rebstock inklusive Trauben. Tief verwurzelt und symbolisch auf die Gobelet-Reberziehung hinweisend. Als Kontrapunkt im Namen in orange ein x statt einem &, welches letztlich aber ein + darstellen und auf die beiden Winzer Binet und Jacquet hinweisen soll. Unter dem Quadrat FAUGÈRES und der Jahrgang, welcher in unserem Fall aber 2010 und nicht wie auf dem Bild 2011 ist. Das kommt davon wenn man mehr als eine Flasche davon hat und nicht schaut welche man denn aufgemacht hat. Das Etikett ist bis auf den letzten Punkt dasselbe, nur die Zahl ist eben eine andere. Was sich unterscheidet ist der Zusammensetzung des Inhalts, welche sich von Jahr zu Jahr, abhängig von Qualitäten und Erträgen, immer ein wenig ändert.

Der Faugères schreit nach Luft und deshalb füllen wir ihn in den Dekanter um. Zwei Stunden darf er dort seine Runden drehen und wir werden ihn über die nächsten Stunden hinweg beobachten und erforschen.

Im Glas: In dunklem kirschrot steht der Faugères im Glas, ist dicht in der Farbe und schimmert leicht bläulich an den Rändern. Die Glaswand benetzt er vollflächig und fliesst nur langsam davon ab.

10. Januar 2013 | 0 Kommentare ...alles

Roter Traminer ‘Hohenegg’ 2007

Rostbraunrotoranger Gaumenkünstler.

Mit seiner ‘rostbraunrotorangen’ Farbe erleuchtet er das Auge und mit seiner Art verzaubert er die Zunge und den Gaumen. Grosser Meditationswein.

Winzer/Weingut: Weingut Tauss, Leutschach/Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Hohenegg mit ihren kargen kalkhaltigen und lehmigen Sandböden (Opok).

Flasche/Etikett: Auf der grünen Burgunderflasche klebt ein sehr elegantes, in warmen Farben gehaltenes Etikett. Weinrot oben und crémefarbig der Rest des Stück Papiers. Die Umrandung des zurückhaltenden Logos wird durch einen ockerfarbigen Punkt unterbrochen, der wohl die Sonne über der schön und mit einfachen Strichen stilisierten und ebenfalls in ocker gehaltenen Hügellandschaft darstellen soll. Ein sehr schönes, ruhiges, Wärme und Wohlbehagen vermittelndes Design. Kein Kunstwerk, dafür aber umso ‘erdbezogener’. Am Rückenetikett ein paar wichtige Hinweise über den Wein, sowie Tipps zur richtigen Trinktemperatur und eine Dekantierempfehlung. Selbstverständlich füllen wir den Tropfen in die grosse Karaffe um und geben ihm erstmal zwei Stunden an der Luft. Ebenso selbstverständlich ist die Wahl der Gläser, in diesem Fall die grossen Burgunderkelche. Der Wein mag Sauerstoff und Atmungsfläche.

Im Glas: Auffällig ist, wie klar der Rote Traminer ‘Hohenegg’ schon beim Umfüllen in die Karaffe war. Fast keine Trübung war zu sehen. Zwar ist er nicht klar wie ein Bergsee, steht jetzt aber doch äusserst transparent und leuchtend im grossen Becher und fasziniert mit seiner goldorangenen Farbe. Gelblich im Kern, tieforange der breite Rand.

1. Dezember 2012 | 0 Kommentare ...alles

Gewürztraminer HUGEL ‘Vendange Tardive’ 2007

Würzig-süsser Verführer.

Mit süsser Frucht in einem kühlen ‘Schutzfilm’ und einem Hauch von Zimt macht sich der Edeltropfen spielerisch zum absoluten Liebling.

Winzer/Weingut: Hugel & Fils, Riquewihr, Elsass, Frankreich.

Lage/Herkunft: Selektiertes Lesegut aus den besten Parzellen der Grand Cru-Lage Sporen in Riquewihr.

Flasche/Etikett: Grün wie üblich ist die schlanke Schlegelflasche und ebenso knallgelb wie immer prangt auf ihr das unverwechselbare Etikett von Hugel & Fils. Wie schon beim Riesling ‘Vendange Tardive’ aus 1988 ist auch hier der rote Dreiberg im goldenen Familienwappen der Familie Hugel sowie die signalrote Herkunftsbezeichnung ALSACE aufgedruckt. Ebenso ziert das Etikett die weisse Kopfleiste mit VENDANGE TARDIVE auf schwarzem Untergrund, welches auf die Zugehörigkeit zu den ‘Eliteweinen’ aus dem Hause Hugel hinweist. Unten wie gehabt in riesengrossen Lettern GewURZ- und nicht Gewürztraminer HUGEL. Soviel zum Deutsch-Französisch. Am gewohnt weissen Rückenetikett alles Wesentliche selbstverständlich in französich.

Im Glas: Ein sattes, kraftvolles Strohgelb leuchtet aus dem Glas und lässt leicht gelblichgrüne Reflexe aufblitzen. Der Wein sieht mächtig konzentriert darin aus.

26. November 2012 | 0 Kommentare ...alles

Saint Joseph 2010

Trinkt mehr Syrah.

Das ist die Message die der Saint Joseph im Gepäck hat. Ein kühler, schlanker Wein der von seiner Frucht und ausgeprägter Mineralik lebt.

Winzer/Weingut: Maison Nicolas Perrin, Valence, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus dem nördlichen Teil der Appellation, von hauptsächlich auf Granitböden angepflanzten Rebstöcken.

Flasche/Etikett: Auch der Saint Joseph ist in der klassischen Burgunderflasche abgefüllt und ebenso ziert ihn das elegante weisse Etikett das schon am Crozes-Hermitage klebt. 100% identisch, bis auf den Namen seiner Herkunft selbstverständlich. In elegant geschwungener Schrift und auch in rot gehalten prangt die ‘Abstammung’ die zugleich Namensgeber ist auf dem Papier. Das schwarze Schild mit der Windrose und den springenden Pferden ebenso fein eingefasst von Linien und geometrischen Formen und in der roten Schleife auch hier ‘Axis Mundi’ eingebunden. Alles dreht sich um die Welt, oder den Wein in diesem Fall. Das Rückenetikett ist auch am Saint Joseph in englisch gehalten und wie schon beim Crozes-Hermitage findet man auch auf diesem Infos über die Zusammenarbeit mit der Famille Perrin, den Wein, den Boden und ein ein paar sensorische Zusatzinformationen. Auch dieser Wein wird umgefüllt und darf für eine Stunde im Dekanter seine Runden drehen.

Im Glas: Tiefes, sattes Granatrot füllt das Glas und an den Rändern blitzt es intensiv kirschrot auf. Dick und langsam fliessen Kirchenfenster an der Innenwand ab.

21. Oktober 2012 | 0 Kommentare ...alles

Cassiano S.C.M.P.T. 2009 IGT

Nobles Understatement.

Ein nobel verhaltener Wein der kein grosses Aufsehen um sich macht und ein Meister der leisen Töne ist. Ein echter Tropfen für Geniesser.

Winzer/Weingut: Manincor, Südtirol, Italien.

Lage/Herkunft: Von den besten Rotweinlagen Manincors, Seehof und Panholzerhof.

Flasche/Etikett: In dem der ‘Herz’-Linie des Hauses angepasstem Design prangt der Name CASSIANO in dicken weinroten Lettern auf dem sandfarbenen Etikett. Darunter fein säuberlich aufgezählt was drin ist. S für Syrah, C für Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon, M für Merlot, P für Petit Verdot und letztlich T für Tempranillo. Im feinrandigen Oval der Jahrgang und in Kapitalen Manincor darauf. Natürlich über allem die gräfliche Krone.

Auch auf diesem Etikett erfährt der Interessierte alles über die empfohlene Trinktemperatur sowie Dekantierzeit und natürlich auch über die Wahl des richtigen Glases am äusseren Rand der Beklebung. Gegenüber alles was es noch zu wissen gilt. Entsprechend den Empfehlungen füllen wir den Cassiano um und lassen ihn 60 Minuten atmen. Eine Stunde aus der sowieso wie üblich wieder mehr wird weil wir zuerst einmal das Riechorgan beschäftigen und uns sprichwörtlich an den Wein ran ‘schnüffeln’.

25. September 2012 | 0 Kommentare ...alles