Grüner Veltliner ‘Spiegel’ 2011 Erste Lage

| 28. Juli 2013 | 0 Kommentare ...alles

Charaktervoll und Eindruck schindend.

Kein Flasche-auf-und-weg-Wein, sondern ein eindrucksvoller, mit jeder Menge Persönlichkeit gesegneter Tropfen. Grüner Veltliner für grosse Momente.

Winzer/Weingut: Fred Loimer, Langenlois/Kamptal, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Spiegel, einem gegen Ost-Südost gestreckten Geländerücken südlich von Langenlois.

GV Spiegel Flasche/Etikett: Standesgemäss in der langen Schlegelflasche abgefüllt, steht die ‘Erste Lage’ am Tisch der Wahrheit. So elitär ‘verstoppelt’ die Flasche ist (Glasverschluss), so edel und elegant sieht auch das aufs Notwendigste reduzierte Etikett aus. Gedecktes weiss, über dem Namen LOIMER das kleine polynesische Männchen in gold und unten in grau gedruckt 2011 Langenlois Spiegel 1 ÖTW Kamptal Reserve. Ganz schön lange Berufsbezeichnung könnte man dazu sagen. Das war´s dann auch schon. Kein Schnickschnack, keine Schnörkel, einfach, klar und reduziert.

Am Rückenetikett jene Informationen die mehr über den Inhalt in der Flasche verraten. Zuerst die Lage und die Herkunft und danach der Hinweis auf die Erste Lage sowie den Jahrgang und die Rebsorte. Der Rest ist notwendige technische Information und der Hinweis darauf, dass die Trauben aus der Umstellung auf biologische Landwirtschaft stammen. 14% vol. kündigen auch entsprechend Drehzahl an. Bevor der Spiegel aber in die grossen Burgundergläser kommt wird er zur Belüftung für zwei Stunden in die Karaffe verfrachtet, um sich entsprechend ‘fein’ zu machen.

Im Glas: Gelbliches Grün, oder grünliches Gelb? So steht der Spiegel im grossen Kelch und strahlt in seiner jugendlichen Frische aus ihm heraus.

In der Nase: Bezaubernd zeigt er sich im Duft mit gelben Äpfeln, mit etwas Mango und auch Birnen. Alles unterfüttert mit einer ungemein frischen und animierenden Kräuterwürze die sofortigen Speichelfluss auslöst. Etwas rauchig zieht der Duft die Nase hoch, hat wunderbaren Pfeffer im Gepäck mit, welcher mit den weissen Fruchtaromen eindrucksvoll harmoniert. Nach mehrmaligem Schwenken des grossen Bechers wird es gelber, saftiger und auch exotischer in der Nase. Ein Veltlinerduft zum in die Knie gehen.

Im Mund: Wunderbar weich, sogar ein wenig cremig kommt der Spiegel auf die Zunge, begleitet von einer umwerfenden Würze. Kräftig fühlt er sich an, massenhaft mit Textur ausgestattet und ebenso saftig wie auch gelbfruchtig steht er auf der Zunge. Umhüllt von einer feinen Rauchwolke aus welcher langsam aber stetig eine ebenso mineralische wie auch pfeffrige Note entweicht. Schön eingebunden in diesen kraftvollen Körper ist eine lebendige Säure die elegant mit den druckvollen Fruchtaromen harmoniert. Der Spiegel hat Format, das ist sicher. Den Gaumen betört er mit zartem Rauch, einer ausgesprochen animierenden Würze und einem ganzen Korb voll gelber und weisser Früchte. Der Spiegel hat Pfeffer im wahrsten Sinn des Wortes, man schmeckt diesem noch lange hinterher und spürt wie sich der Mundraum in einem wohlig warmen, rauchig gelbfruchtigen Gefühl sich selbst überlassen bleibt. Der Spiegel hat Herz und Fleisch, ist kraftvoll, macht Druck und erweist sich als Meister des Nebels.

An der Luft wird der Spiegel immer pfeffriger, immer würziger, mineralischer und ‘erwachsener’. Die Fruchtaromen ziehen sich etwas zurück ohne dabei verloren zu gehen, sie werden nur leiser, um dem ausdrucksstarken Charakter des Spiegel genügend Platz zu lassen sich zu entfalten. Die Zunge fühlt so etwas wie einen feinen Salzstich wenn der Wein über ihre Ränder abgleitet, der Gaumen badet sich in Pfefferwürze, liebt den Rauch der dem Tropfen entsteigt und hechelt selbigem noch lange hinterher. Das ist kein Flasche-auf-und-weg-Wein, das ist was Grosses, Eindrucksvolles, mit jeder Menge Persönlichkeit ausgestattetes Traubensaftiges. Grüner Veltliner für Philosophen. Die Zunge bettelt, der Gaumen schlägt Räder und der Schlund kann nicht genug davon bekommen. Und ‘Geschmack’ ist noch als Draufgabe dabei.

Resümee: Insgesamt ist der Grüne Veltliner Spiegel ein Veltliner für Leute die Kraft, Körper, Charakter, Ausdruck und Persönlichkeit suchen. Das hat nichts mit dem schnell produzierten ‘Standard-Veltliner’ für den ebenso schnellen Durst zu tun, das ist Winzerhandwerk pur. Der Spiegel beeindruckt mir einer subtilen Stoffigkeit am Gaumen, für welche nicht zuletzt der Rauch sorgt, glänzt mit attraktiver Säure die sich niemals in den Vordergrund drängt, lässt Fruchtaromen galant überleben und definiert sich über den Boden dem er enstammt. Der Spiegel ist geerdet, reich an mineralischer Information die sich in der sensorischen Wahrnehmung, gleich seinem Namen, widerspiegelt und der sich – zumindest für mich – hervorragend als Wein für entspannte Stunden, zum Sinnieren und zum Philosophieren eignet. Je nach Einkaufsquelle um 28 bis 32 Euro zu erstehen.

Tipp: Zwei Stunden in der Karaffe sind ideal. Danach geht er auch so richtig auf. Bei 12-14º aus dem Burgunderglas geniessen. Zu regionaler Küche ein verlässlicher Begleiter, als Solist ein Wein zum Entspannen.

Einen Bericht über den Grüner Veltliner ‘Spiegel’ lesen Sie auch hier.

Verkostet wurde ein Grüner Veltliner ‘Spiegel’ 2011 Erste Lage von Fred Loimer aus Langenlois/Niederösterreich, Österreich.

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Kategorie: Loimer

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