K&U Weinhalle

Getariako Txakolina ‘Adur’ 2011

Völlig neues Mundgefühl.

Salzig, frisch und voll überschäumender Lebensfreude zeigt sich ein Baske, den man als perfekten Sommerwein auf keinen Fall mehr missen möchte.

Winzer/Weingut: Maitena Barrero und Héctor Gomez, Getaria, Baskenland.

Lage/Herkunft: Von Terrassen im Hügelland der Pyrenäen bei San Sebastian in Getaria. Wird im Pergola-System auf Terrassen direkt am Meer angebaut.

Flasche/Etikett: Schon die Flasche ist eine unübliche Erscheinung. Keine klassische Bordeauxflasche, sondern am Hals fast rechtwinkelig ausladend und erst dann schnurgerade abfallend. Das Etikett das drauf klebt lässt eher Tequila als Wein in der Flasche vermuten und insgesamt vermittelt die prägnante Grafik eher mexikanisches Flair als atlantische Lebensart. Eine echt erfreuliche, vor allem erfreulich andere Erscheinung im Einerlei der uniformen Flaschentristesse.

Das Rückenetikett sieht aus als würde es hier um Olivenöl gehen, doch finden sich darauf die nötigen Informationen über diesen eigenwilligen ‘Basken’. Für diese erfrischend andere Erscheinung gibt es schon mal einen nach oben gerichteten Daumen inklusive einer Baskenmütze. Und weil der Txakolina ein frischer und fröhlicher Geselle ist, kommt er unverzüglich in die leeren Gläser. Zwar nicht so wie es sich gehört, das würde hier bei uns bestenfalls zu einer grossen Sauerei führen, sondern zivilisiert und aus ‘akzeptabler Höhe’. Dafür aber der ‘Sitte’ entsprechend schon am späten Vormittag, nur ohne Mütze.

27. August 2012 | 0 Kommentare ...alles

Clos de Trias ‘Ventoux Rouge’ 2007

Nur der Geduldige wird belohnt.

Wenn Zeit im Wein für die Sinne wahrnehmbar und mitverfolgbar wird. Faszinierendes Weinerlebnis für Fortgeschrittene und Könner.

Winzer/Weingut: Even Bakke, Clos de Trias, Le Barroux, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von sehr alten, auf klassischem Trias-Kalk stehenden Reben am Mont Ventoux in Le Barroux.

Flasche/Etikett: In der klassischen Burgunderflasche steht dieser Wein nun vor uns und macht mit seinem weinroten Etikett richtig Eindruck. Es ist schlicht und einfach, zeigt in der Mitte eine Illustration einer fossilen Muschel oder Schnecke, unten drunter der Namen der Domaine und links und rechts den Jahrgang und die Herkunft. Am Rückenetikett dann alles über den Wein selbst, in französisch und englisch, eben multikulturell.

Weil wir a) aus Erfahrung wissen, dass Bioweine wie dieser gerne ein paar Stunden Luft schnuppern bevor man sie richtig geniessen kann und wir b) den Weisswein Even Bakkes, den *Ventoux Blanc bereits getrunken und dabei festgestellt haben, dass dieser sich erst nach vier Stunden wirklich ‘geöffnet’ hat, kommt der Ventoux Rouge für drei Stunden in den Dekanter. Was definitiv eine gute Entscheidung ist, denn kaum in den Dekanter umgefüllt riecht die Cuvée die aus hauptsächlich Grenache mit etwas Syrah, Carignan und Cinsault ist vorerst wie, man verzeihe mir den Ausdruck, abgestandene Pferdepisse. Ein Phänomen welches wir bereits des öfteren gerade bei ‘langsamen’ Weinen beobachtet haben, das sich aber nach einer Weile oft in einen betörenden Duft verwandelt. Wir haben deshalb einen ‘Riechstopp’ angeordnet und nach drei Stunden kommt der ‘norwegische Franzose mit kalifornischem Background’ dann ins Glas.

20. Juli 2012 | 0 Kommentare ...alles

‘Steiner Hund’ Riesling 2006

Auch Hunde können richtig lieblich sein.

Was hier aus der Flasche kommt ist verboten gut und könnte bei manchen zu schweren Entzugserscheinungen führen. Dabei bellt dieser Hund nicht einmal.

Winzer/Weingut: Andreas Kirchmayr, Wein- und Sektkellerei Kirchmayr, Weistrach, Österreich.

Lage/Herkunft: Von renommierten Lagen der Wachau, des Kamptales, des Kremstales und aus dem Donauland in Niederösterreich, Österreich.

Flasche/Etikett: Das Etikett vermittelt mit seinem eindrucksvollen und impactstarken Auftritt vor allem eines: “Hier kommt was Besonderes.” Schön, dass der Name obensteht, jener des Winzers, wie der Wein heisst ist egal. Dazu muss man die Schlegelflasche schon mal wenden um ein wenig mehr über den ‘Hund’ vom Kremstal zu erfahren. Jedenfalls schön, dass es knallig bunt, konkret sehr rot ist, aber sonst? Nada, nichts.

All das passt aber irgendwie zum echten Namen dieses Weines, der sich Steiner Hund nennt. Ich bin gross, ich bin rot und ich bin gefährlich. Dass dieser Hund tatsächlich noch gefährlich werden sollte mussten wir dann selbst feststellen. Dabei sind wir zur Überzeugung gekommen, dass man nicht für jeden Kläffer einen Hundeführerschein benötigt, es aber auch nicht schadet, wenn man die Autoschlüssel abgibt bevor man sich mit diesem ‘Hund’ anlegt.

26. April 2012 | 0 Kommentare ...alles

Jasnières ‘Les Rosiers’ 2006

Ein Wein als Verwandlungskünstler.

Wer erleben will wie ein Wein sich inerhalb weniger Stunden dreimal komplett verwandelt, der findet im ‘Les Rosiers’ das ultimative Supertalent.

Winzer/Weingut: Eric Nicolas, Domaine de Bellivière, Jasnières, Frankreich.

Lage/Herkunft: Aus Jasnières, einer Appellation die sehr von Tuffböden geprägt und welche selbst in Frankreich nicht wirklich bekannt ist.

Flasche/Etikett: Die braune Schlegelflasche ziert ein interessantes Etikett, welches crémefarben von einer knackig orangen Bordüre begrenzt wird. Eine stilistisch sehr schöne, frische und edle Farbkombination. Die Domaine in der Bordüre aufgedruckt und auf der hellen Fläche ‘Les Rosiers’ in orange. Der Rest vornehm zurückgehalten um nicht die wesentliche Information zu überdecken. Wer wissen will was in der Flasche ist, der darf sich mit dem Aufdruck auf dem Rückenetikett auseinandersetzen. Dieses ist zwar in französisch, aber Chenin findet auch der dieser Sprache nicht bemächtigte Weinfreund.

Der ‘Les Rosiers’ ist ein Langsamer Wein. Bei diesem Wein will ich es allerdings ganz genau wissen und gehe wie folgt vor. Obwohl eine Belüftung unbedingt empfohlen ist, giesse ich das erste Glas direkt aus der Flasche ins Glas. Die halbe geht dann für eine Stunde in eine Karaffe und der Rest in eine zweite.

Im Glas: In einem satten Goldgelb mit leicht bernsteinfarbenen Anklängen steht der ‘Les Rosiers’ dann im Glas. Dicht und fest sieht er darin aus.

26. Dezember 2011 | 0 Kommentare ...alles

K&U Hausmesse 2011 – Nachbericht

Die Schlacht ist geschlagen, mein Universum des allgemeinen Weinverständnisses wurde über den Haufen geworfen und vollständig neu programmiert. Das ist mein persönliches Resümee nach der am Wochenende im Nürnberger Ofenwerk abgehaltenen K&U Hausmesse. Eine Messe die vielmehr Event, ein Treffen unter Freunden und ein ‘Get together’ von Winzern aus der ganzen Welt und Weingeniessern ist. Von Menschen, die Weine abseits des Mainstreams kennenlernen wollen, bereits kennen und diese auch entsprechend zu schätzen wissen.

Volle Stände und Weine die nicht zu übersehen sind

Bereits das optische Konzept ist erfrischend anders als man es von den Auftritten zahlreicher anderer Ausrichter gewohnt ist. Hängen bei diversen Veranstaltungen dieser Art oft tausendfach die Fahnen mit den Logos des Veranstalters, so präsentiert sich K&U nicht sich selbst, sondern seine Winzer und ihre Produkte. In Form von überdimensionalen Flaschenbildern die über deren Ständen hängen und jedem Besucher ‘seine’ Flasche sofort wiedererkennen lassen und ihm generell eine spielerische Orientierung durch die Weine ermöglichen.

Weine die richtige Persönlichkeiten sind

Auf dieser Messe werden keine Weine präsentiert, die dem Weinfreund jenem von der Industrie und des Marketings eingehämmerten ‘Verständnis und Geschmacksbild’ entsprechen. Hier werden Weine vorgestellt die so anders, so eigenständig und so unverwechselbar sind, dass sogar dem absoluten Laien eines möglich ist; nämlich jene Weine die er bereits getrunken hat zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder zu erkennen. Diese Weine sind Persönlichkeiten, werden nicht millionenfach produziert und sind auch nicht immer und überall zu jeder Zeit erhältlich.

Martin Kössler unermüdlich bei der Arbeit

Sehr viele Winzer haben sich den ‘Langsamen Weinen’ verschrieben und gehen konsequent und mutig ihre eigenen Wege in der Weinproduktion. Ohne Rücksicht darauf wonach der ‘Markt schreit’ bzw. von diesem ‘gefordert’ wird.

Jim Clendenen, Stargast und Starwinzer aus Kalifornien, sagte mir im Gespräch etwas, das es eigentlich treffender nicht darstellen könnte was diese Winzer so grossartig und vor allem anders macht. Er sagte mir: “You know, there is only one wine that find its way into the bottle. It´s the wine who fits MY savor.” So viel Konsequenz und Mut ist oft riskant, das Ergebnis aber einzigartig. Wer seine Pinot Noirs, im Besonderen seine ‘Isabelle’ oder seine Chardonnays wie zum Beispiel ‘Los Alamos’ einmal getrunken hat, der weiss was damit gemeint ist. Jim Clendenens Au Bon Climat gehört zum Besten was Kalifornien zu bieten hat.

Ein Rosé der einen ‘unanständig’ werden lässt

Dieser brutalen aber auch logischen und wünschenswerten Philosophie folgen auch die meisten anderen Winzer die auf der K&U Hausmesse vertreten waren. Einer davon, Richard Auther von der Domaine de la Courtade auf der Insel Porquerolles in der französischen Provençe produziert nur sechs Weine. Seine Rosés sind Weltklasse und deshalb auch auf den besten Weinkarten der Côte d´Azur zu finden. Seine eigenwilligen Weiss- und Rotweine gehören zu den absoluten Spitzenweinen Südfrankreichs.

Richard Auther von der Domaine de la Courtade. Der Mann dessen Roséweine einen 'unanständig' werden lassen.

Dass diese sechs Weine nicht zigtausendfach verfügbar sind ist selbstverständlich und dass die Domaine eine reine Bio-Domaine ist, sowieso. Im Gedächtnis blieb mir eine kleine Geschichte die mir Richard erzählte und die mich wieder schmunzeln lässt wenn ich daran denke.

Über seinen Rosé ‘Alycastre’ sagte er zu mir: “Weisst Du, es gibt Rosés die man im Sommer mit einer schönen Frau zu einem schönen Essen trinkt und die einen müde machen. Dann muss man sich hinlegen und ‘sieste’ (Mittagsschläfchen) halten. Der ‘Alycastre’ ist ein Rosé der dich diese ‘sieste’ ein wenig unanständiger, dafür aber umso erfreulicher gestalten lässt. Du verstehst was ich meine?” Ich habe ihn verstanden. Und seine Weine auch. An dieser Stelle auch noch einmal “recht herzlichen Dank für das nette Geschenk das mir an der Hotelrezeption ausgehändigt wurde. Ich werde jede einzelne Flasche mit allergrösster Freude geniessen.”

Österreichs wahre ‘Künstler’

Selbstverständlich war auch Österreich mit ausgezeichneten Winzern vertreten die Weine präsentierten, die gerade für ‘gelernte Österreicher’ wie mich voller Überraschungen im positivsten Sinne waren.

Roland Velich (rechts) & ein Vertreter des Weingut Schiefer (links). Zwei Zauberer, die 'Blaufränkisch nicht von dieser Welt' herstellen.

Zwei echte ‘Künstler’, die nicht nur als grosse Weinpersönlichkeiten im Burgenland und weit darüber hinaus gelten zeigten ihre Weine, die so anders und eigenständiger nicht sein könnten.

Uwe Schiefer aus Welgersdorf (leider war er nicht persönlich anwesend) und Roland Velich aus Großhöflein, beide aus dem Burgenland, werfen mit ihren Weinen das massenkonditionierte Weinverständnis vollständig über den Haufen und überzeugen mit ‘Charakterdartellern’, welche nichts mehr mit dem allgemeinen weichgespülten Weinverständnis zu tun haben.

Was in den Flaschen dieser beiden schlummert und auf den Gaumen losgelassen wird ist Wein ‘unplugged’ und kompromisslos eigenwillig. Wer sich auf die Weine dieser beiden Ausnahmewinzer einlässt, wer gewillt ist sich mit ihnen auseinanderzusetzen und wer bereit ist sein Geschmacksbild neu zu überdenken, der findet hier die Antworten auf jene Fragen, die ihm bis jetzt nicht eingefallen sind.

Weitere österreichische Highlights waren zwei Winzer der ‘jungen Generation’. Zum einen Hannes Schuster aus St. Margarethen im Burgenland, der gerade zum Winzer des Jahres gekürt wurde (und sich im Gespräch mit einem Schmunzeln darüber ‘beschwerte’, dass ihm das jetzt wohl ewig haften bliebe) und der erfreulich ‘lockere und relaxte’ Claus Preisinger aus Gols. Beide zaubern Weine in die Flaschen, die erfrischend anders sind als das was man gewohnt ist. Beide blicken weit über den Tellerrand hinaus und sind bereit eine Eigenständigkeit durchzusetzen, die viel Mut und Selbstvertrauen erfordert. Die Ergebnisse sprechen für sich selbst.

Italien, Südtirol und Sizilien von ihren schönsten Seiten

Bei meinen weiteren Besuchen und Verkostungen erklärte mir Michael Graf Goëss-Enzenberg vom Weingut Manincor die Idee hinter der biodynamischen Bewirtschaftung, sein Verständnis vom Konzept der Nachhaltigkeit und der gelebten Biodiversität. Selbstverständlich beim Verkosten einiger seiner besten Weine die er mitgebracht hatte.

Andrea Seidler von ViP Weine, stellte mir als Vertreterin von Azienda Agricola COS die köstlichen und eigenwilligen Weinpersönlichkeiten aus Sizilien vor. Amphorenweine die so erfrischend inspirierend waren, dass ich 2012 eine Sortimentsverkostung der aussergewöhnlichen COS-Weine durchführen werde. Ebenso werde ich 2012 eine Verkostung der Weine vom Weingut Olivini aus Desenzano del Garda durchführen. Die Weine der Familie Olivini haben mich bei der Verkostung schwer beeindruckt.

Francesca Coppi von BINDELLA - Weine von ihrer schönsten Seite

Ein weiteres italienisches Highlight waren die Weine von BINDELLA aus Montepulciano. Francesca Coppi stellte mir die Weine aus dem Sortiment vor und zeigte mir wie wunderbar anders Sangiovese schmecken kann. Aus der Flasche kommt nicht das was man gewohnt ist, sondern Sangiovese der echten Charakter und richtig Kraft hat.

Natürlich habe ich auch zahlreiche andere Winzer besucht und deren Weine verkostet. Es würde aber jeden Rahmen sprengen über alle einzeln zu berichten. Es soll deren Weine aber keinesfalls weniger wertschätzen als jene die hier angeführt sind.

Zusammenfassend kann man sagen, dass jenen, die sich auf diese wunderbaren Weine eingelassen haben, ihre Vorurteile an der Garderobe abgegeben und sich geöffnet haben, in Zukunft Wein mit anderen Sinnen wahrnehmen werden. Sie werden verstehen was echter Wein ist und vor allem, wie echter Wein schmeckt. Somit freue ich mich schon auf 2012, um wieder was dazu zu lernen und alle beim ‘Get together’ wieder zu treffen.

20. November 2011 | 0 Kommentare ...alles

‘La Courtade’ Côtes de Provençe blanc

Das ganze Meer in einem Glas.

Ein Wein der augenblicklich in die Provençe entführt. Der den Duft des Meeres verströmt und einen verzaubert. Ein Wein für wahre Kenner und Geniesser.

Winzer/Weingut: Richard Auther, ‘Domaine de la Courtade’, Porquerolles bei Hyères, Frankreich.

Lage/Herkunft: Provençe. Aus dem Naturschutzgebiet der Insel Porquerolles bei Hyères. Die Insel liegt etwas vor der Côte d’Azur.

Flasche/Etikett: Ein stilvolles Etikett auf der eleganten Flasche lässt auf einen ebenso tollen Wein hoffen. Eine stilisierte Amphore deutet geschichtlichen Hintergrund an und die Typographie ist ebenso stilvoll elegant gewählt. Oben die Illustration, in der Mitte der Name des Weines und unten die Herkunft. Dazwischen allgemeine Informationen.

Im Glas: Nach einer Stunde in der Karaffe kommt ‘La Courtade’ ins Glas. Ein strahlendes Gelb zeigt sich von seiner intensivsten Seite und klebt sich an der Wand an. Es funkelt und glänzt förmlich im Glas und lässt die Vorfreude auf den ersten Schluck steigen. Leicht grünliche Reflexe blitzen frech auf.

In der Nase: Wenn man die Nase ins Glas steckt kommt einem der Geruch des Meeres entgegen. So riecht es am Strand; nach Mineralien, nach Salz, nach Côte d’Azur. Das Bukett entführt mich sofort an die französische Küste und weckt Erinnerungen. Einerseits riecht es fruchtig-aromatisch und kühl, fast frisch, andererseits vernimmt man eine gewisse Würze in der Nase die irgendwie üppig und trotzdem filigran wirkt. Ein wahres Geruchserlebnis das seinesgleichen suchen muss. Einzigartig, bin ich mir ziemlich sicher.

31. Oktober 2011 | 0 Kommentare ...alles