Archiv für November, 2013

Ca’ Togni 2006 Black Hamburg

Wein mit drei Gesichtern.

Ein süsser, ungewöhnlicher, eigenwilliger Rotwein den man im Mund dreimal erlebt und überrascht ist, wie sinnlich rot UND süss sein kann.

Winzer/Weingut: Philip Togni Vineyards, St. Helena/Napa Valley, Kalifornien, USA.

Lage/Herkunft: Von Weinbergen am höchsten Punkt des kühlen Spring Mountain, genau auf der Grenze zwischen Napa und Sonoma.

Ca Togni 2006 Flasche/Etikett: Richtig putzig sieht sie aus, die kleine 0,375l Flasche. Beklebt mit einem sandfarbigem Etikett steht auf diesem – wenn schon die Flasche klein ist – mit grossen roten Lettern CA’ TOGNI oben drauf. Den Grossteil des mit einem feinen roten und grünen Rahmen eingefassten Papiers nimmt ein illustrierter Zweig mit Blättern, Blüten und roten Beeren ein. Von rechts nach links erstreckt sich dieser quer über das Etikett. Links davon der Jahrgang in grün sowie die Herkunft und der Inhalt wieder in rot. SWEET RED WINE in Kapitalen, damit jeder weiss was in der Flasche auf einen wartet. Ganz unten dann noch alles was so drauf sein muss auf einem Etikett und das war´s dann auch schon mit Information. Der mit einer weinroten Manschette eingefasste Flaschenhals lässt die ‘Kleine’ elegant erscheinen und rundet ihr Erscheinungsbild schön ab. Da empfohlen wird den Wein zu dekantieren folge ich dem ‘Aufruf’ und lasse den süssen Roten vorsichtig in die Karaffe gleiten, damit er sich von seinen Rückständen trennen kann.

Im Glas: Dunkel in der Farbe, schon ins Rotbraun gehend, steht der Wein im Glas. Trotz der dichten dunklen Farbe ist er klar in der Erscheinung. An der Glaswand klebt er förmlich und fliesst nur langsam daran ab.

29. November 2013 | 0 Kommentare ...alles

Viña Tondonia ‘Cosecha’ de 1991 Gran Reserva

Rassig, saftig, leicht & fit wie ein Turnschuh.

Ein Weinerlebnis der ganz besonderen Art. Unglaublich fein, elegant, leicht, saftig und rassig. Voll pulsierendem Leben. Wein für ganz grosse Momente.

Winzer/Weingut: Lopez de Heredia, Haro, La Rioja, Spanien.

Lage/Herkunft: Aus der Rioja Alta die auf circa 400 bis 600 m Seehöhe liegt wo die Nächte bereits relativ kühl sind.

Tondonia Cosecha de 1991 Flasche/Etikett: Mit dem typischen Heredia-Etikett beklebt, steht die Bordeauxflasche nun da. Auf dem hellen, cremefarbigen Untergrund ist links oben in einer Art Stichzeichnung ein Bild des Betriebes zu sehen und schräg über die Mitte zieht sich über die volle Breite in geschwungener Typo Lopez de Heredia Viña Tondonia. Unterbrochen durch einen dicken schwarzen Balken steht in diesem VIÑA TONDONIA in grossen Kapitalen und unterhalb, im wieder hellen Teil COSECHA DE 1991. Ein ‘klassisches’ Etikett, mit dem richtigen Schuss nostalgischem Sentiment versehen. Das Rückenetikett konträr zu dem was vorne drauf klebt. Ein buntes, ministerielles Garantiezertifikat auf dem ganz unten der Hinweis steht, dass es sich um eine Gran Reserva handelt. Die Flasche selbst ist mit dem allseits bekannten goldenen Netz, dem Alambrado, umwickelt. Was heute nur mehr Dekoration ist war früher effektiver Schutz vor gefinkelten Weinhändlern, die den ‘guten’ Wein oft gegen minderwertigen austauschten und so ihren Reibach erheblich steigerten. Mit dem Netz konnte man dies perfekt unterbinden. Entgegen der oft verbreiteten Meinung hat es aber nichts mit der Qualiät des Inhalts zu tun.

Und jetzt ist Schluss mit der Geschichtsstunde. Die Gran Reserva, die mittlerweile 22 Jahre auf dem Buckel hat wird aufgemacht und mit grösster Erwartung und Neugier ins Glas gelassen. Unterstehe sich einer diesen Schatz zu dekantieren!

Im Glas: Fast schon transparent kommt die Gran Reserva ins Glas. Es sieht mehr bernsteinfarbig als rot aus und ist glasklar.

28. November 2013 | 0 Kommentare ...alles

Vin Jaune ‘Les Bruyeres’ 2005 Arbois

Nussig, ‘brotig’ und entschleunigt.

Wein für echte Kenner, Abenteurer und Entdecker. Wein zum Träumen und zum Weinen. Und jede Träne mehr als wert.

Winzer/Weingut: Stéphane Tissot, Montigny-les-Arsures, Jura, Frankreich.

Lage/Herkunft: Von über viele Parzellen verstreuten Reben in den Hügeln um Arbois, im Herzen des französischen Jura.

Le Bruyères Vin Jaune 2005 Flasche/Etikett: Schon das Gebinde ist eine Ausnahmeerscheinung in der Weinwelt. Abgefüllt in einer Clavelin-Flasche ist der Vin Jaune aus dem Jura der einzige Wein, der in solche Flaschen abgefüllt wird. 620 ml, die quasi Zugeständnis an seine Verdunstung in den ersten 6 Jahren sind, helfen unter anderem auch seine Qualität über die vor ihm liegenden Jahrzehnte zu halten.

Das grosse Etikett ist im Stile aller Beklebungen die Stéphane Tissots Flaschen zieren gehalten. Oben Vin Jaune sowie der Jahrgang auf dem cremefarbigen Untergrund, in gold unterstrichen. Les Bruyeres geschwungen in der Mitte. Darunter, am linken Seitenrand eine in hellstem grau aufgedruckte Weinpresse. Unterhalb das Weingut und auf der rechte Seite Arbois ganz gross gehalten, als Herkunftsbezeichnung inklusive dem Hinweis auf die Appellation Arbois Controlee. Was auffällt sind die 15% die in der Flasche schlummern. Verschlossen ist die Clavelin-Flasche mit Wachs, was ihr noch mehr den Mythos eines echten Schatzes verleiht. Auf ein Rückenetikett wird verzichtet, steht alles vorne drauf was wissenswert und nötig ist. Bevor das Wein-Mysterium in die Gläser kommt, darf es eine Weile in der Karaffe Sauerstoff aufnehmen und sich schon dort von seiner schönsten Seite präsentieren.

Im Glas: Goldbraungelb, wie Bernstein, steht der Les Bruyeres nun endlich im Glas und strahlt leuchted vor sich hin. Dick benetzt er die Glaswand und fliest nur langsam wieder ab.

27. November 2013 | 0 Kommentare ...alles

Buchertberg Weiss // 2012

Exotisch, aromatisch, mineralisch.

Wer braucht Gemischten Satz aus Wien wenn er diesen saftigen und variantenreichen Steirermix haben kann?

Winzer/Weingut: Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Vom Weingarten Buchertberg mit tertiären Sedimenten, braunem Opok und kalkhaltigem Sandstein.

Weiss Flasche/Etikett: Abgefüllt in der Burgunderflasche, klebt auf dieser ein grafisch durchaus anspruchsvolles und auffälliges Etikett. Auf weissem Untergrund steht prominent in geschwungener Typo die Lage Buchertberg und unterhalb in fetten Kapitalen HERRENHOF LAMPRECHT drauf. Ganz unauffällig steht noch WEISS // 2012 darunter und die beiden Slashes deuten wohl auf die Computeraffinität des Gottfried Lamprecht hin, der generell recht flott im Internet und all seinen Social Media Kanälen unterwegs ist. Das obere linke Drittel des Etiketts ist mit einer farbenfrohen abstrakten Grafik bedruckt, welche wohl einerseits die Vegetation des Weingartens, sowie andererseits die Vielfalt der in diesem Wein verarbeiteten Rebsorten ausdrücken soll. Platz für Interpretationen ist genügend da. Auf der zweiten Hälfte des in einem Stück durchgehenden Etiketts ein Gewitter an Informationen, welches in erster Linie der medialen Umtriebigkeit Gottfried Lamprechts geschuldet ist. Zwischen Barcode, Social Media Logos und QR-Code blitzt ein Biosiegel sowie die Information 13,5 vol.% hervor. Nachdem der Buchertberg von seinem Schraubverschluss befreit ist, darf er bevor er ins polierte Glas kommt, für eine Stunde in der Karaffe durchatmen und ein paar Ehrenrunden drehen.

Im Glas: Es ist nicht gold, nicht gelb und nicht orange was hier im Glas steht. Ich nenn´ es zwiebelgelb, so wie die äussere Schale einer Zwiebel aussieht.

24. November 2013 | 0 Kommentare ...alles

Friedelsheimer St. Laurent 2011

Erwachsen, konsequent & selbstbewusst.

Unerwartet schokoladig, sowie weich und rund ist das hier ein St. Laurent, der nichts mit seinen sauerkirschigen Artgenossen gemeinsam hat.

Winzer/Weingut: Weingut Pflüger, Bad Dürkheim/Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Ortswein aus den traditionellen Weinbaugemeinden der Mittelhaardt wie Dürkheim, Ungstein oder Wachenheim.

Pflüger St. Laurent Flasche/Etikett: Das Etikett das auf der Burgunderflasche klebt schreit förmlich BIO raus. Minimalistisch bis aufs Letzte ist es in schlichtem weiss gehalten, als dunkle Silhouette pflügt ein Bauer einsam mit seinem Pferd den Boden. Rechts oben in klassischer Typo nur der Name Pflüger und wie der Wein heisst. Das Etikett strahlt Ruhe, Einsamkeit und Weite aus, ist reduziert aufs Wesentliche und das einzige was ‘Farbe’ reinbringt ist der dünne grüne Rand der das Papier links aussen säumt. Mensch, Tier, Natur – das ist es was dieses Etikett eindrucksvoll vermittelt.

Am weissen Rückenetikett ganz oben das Demeter-Logo und unten jenes von ECOVIN. Sonst nur die nötigsten Informationen die man braucht und der Hinweis darauf, dass die Trauben aus ökologischem Anbau stammen. Die Halsmanschette in grün und schwarz, was gleichzeitig das Erkennungsmerkmal dafür ist, dass es sich um einen Ortswein handelt. Bevor der Friedelsheimer St. Laurent in die Gläser kommt darf er für eine halbe Stunde Wiener Luft zur Eingewöhnung schnuppern.

Im Glas: Im Glas steht der Friedelsheimer St. Laurent in einem äusserst dunklen kirschrot, zum Rand hin sogar etwas bläulich werdend. Fleischig sieht die Farbe aus.

23. November 2013 | 0 Kommentare ...alles

panAroma No.41 Pinot Noir 2009

Rot, mit einem Schuss Grün.

Man kaut sich durch grüne Kräuter und Waldbeeren, schmeckt einen Hauch von heller Schokolade und freut sich über den ‘Biss’ dieses Weines.

Winzer/Weingut: Thomas Lehner, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Parndorfer Platte mit den dort befindlichen Lagen Zwickeläcker, Äußere Schmaläcker und Alter Aussatz.

panAroma No.41 2009 Flasche/Etikett: Zum letzten Mal steht also heute die mit dem wohl hässlichsten Etikett der Welt beklebte Flasche am Tisch der Wahrheit. Dunkelgrau und düster ist es und die Regenwürmer aus Edgar Allen Poes Grab kriechen drauf herum. Die völlig missratene Typo setzt der grafischen Katastrophe noch die Krone auf und nicht einmal das in der Zwischenzeit bekannte Ratespiel mit dem abziehbaren Etikett schafft es, für Staunen zu sorgen. Ich habe mich in der Zwischenzeit daran gewöhnt und finde es sogar schon witzig mich mit dieser Ausgeburt an Hässlichkeit zu befassen. Interessanterweise schürt es jetzt schon Neugier, weil ich weiss was in den anderen, mit diesem ‘Etikett des Grauens’ beklebten Flaschen drin war und wie sehr mich das entschädigt hat.

Auch auf dieser Flasche ein kleines schwarzes Rückenetikett auf dem die Rebsorte und der Jahrgang, sowie alles Notwendige angeführt ist was man wissen soll und muss. 12,5 vol.% kündigen ein äusserst frisches und leichtgestricktes Weinerlebnis an. Für eine halbe Stunde darf No.41 atmen bevor er in die Gläser kommt.

Im Glas: Fast transparent steht der Pinot Noir No.41 in hellstem karminrot im Kelch. Man kann bis auf den Boden sehen.

3. November 2013 | 0 Kommentare ...alles

Zweigelt No.2

Frisch, pulsierend & belebend.

Ein Zweigelt abseits der typischen Interpretation. Belebt, ist feinst gestrickt und trinkt sich süffig in Rekordzeit weg.

Winzer/Weingut: Thomas Lehner, Gols/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Von der Lage Heideboden die an der Oberfläche mit humusreicher Schwarzerde bedeckt und leicht schottrig ist.

No.2 Zweigelt 2012 Flasche/Etikett: Auf der Burgunderflasche klebt ein konsequent dem Corporate Design folgendes Etikett in hellem créme, mit dem typischen, mit floralen Elementen umrahmten Balken in dem der Name Thomas Lehner eingedruckt ist. In der Mitte wieder nur die Nummer in rot, welche darauf hinweist aus welcher Parzelle dieser Wein stammt. Bei der Nummer handelt es sich nämlich um die Grundstücksnummer die vor langer Zeit dafür vergeben wurde. Unterhalb nichts als ZWEIGELT drauf und ganz unten noch Burgenland. Mehr gibt es nicht zu sagen auf der Vorderseite des sehr klassisch und traditionell wirkenden Stück Papiers.

Am hinteren Etikett erfährt der Weinfreund auch nicht mehr, weil eben vorne alles draufsteht was man wissen muss. Thomas Lehner lässt lieber den Wein für sich sprechen und deshalb kommt der jetzt einmal für ein eine halbe Stunde in die Karaffe um kurz Luft zu schnappen. Nach 30 Minuten wird er angetrunken.

Im Glas: In klarem rubinrot steht der Zweigelt No.2 im Glas. Dunkel einerseits, aber trotzdem relativ transparent und viel Einblick gewährend. Leichte bläuliche Aufhellung an den Rändern.

2. November 2013 | 0 Kommentare ...alles