Archiv für März, 2013

Riesling ‘Bruck’ 2010

Spannung wie bei Hitchcock.

Kann filigran voluminös sein und kann kristallklar gleichzeitig saftig und rund sein? Ja, es kann! Dieser Wein tritt eindrucksvoll den Beweis an.

Winzer/Weingut: Peter Veyder-Malberg, Spitz/Donau, Wachau, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Glimmerschieferböden der auf ca. 400 Meter Seehöhe liegenden Lage Bruck.

Riesling Bruck Flasche/Etikett: Auf der superschlanken Schlegelflasche klebt eines der schönsten Etiketten die ich persönlich seit längerer Zeit gesehen habe. Auf gedeckt weissem Untergrund präsentiert sich ein in grün gehaltenes, sehr traditionell gestaltetes Motiv wie man es von früheren Etikettendesigns kennt. Es ist aber durch die feine grafische Gestaltung vollständig aufs Wesentliche reduziert und so weit ‘abgespeckt’, dass man durchaus ‘Tradition meets Neuzeit’ sagen kann. In der Mitte was in der Flasche drin ist und Wachau in Grossbuchstaben runden alles stimmig ab.

Am Hals der Flasche verkündet ein eigens aufgebrachter Kleber, dass der Wein ein Produkt echter HANDARBEIT ist. Das steht auch am Rückenetikett ganz oben drauf und ebenso informiert dieses ausführlich über die Philosophie des Weinguts, sowie über die Lage und die mühevolle Bewirtschaftung dieser. Nachdem der Riesling Bruck von seinem Glasverschluss befreit ist, kommt er (extra nachgefragt) für drei Stunden in die Karaffe um dort Luft zu schnappen.

Im Glas: Im Glas steht der Riesling Bruck fast goldgelb mit einem hauchfeinen grünlichen Schimmer. Es sieht satt und konzentriert darin aus und macht Lust darauf die Nase rein zu stecken.

31. März 2013 | 0 Kommentare ...alles

Reiterpfad 2009

Tango auf der Zunge.

Rassig und gesittet bissig punktet der Tropfen mit lebendiger Säure und zeigt sich trotzdem weich und mild im Mund. Riesling vom Feinsten.

Winzer/Weingut: Weingut von Winning, Deidesheim/Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Von wechselnden Bodenverhältnissen der Lage ‘Reiterpfad’ mit überwiegend Gehängeschutt, abgeschwemmtem Sand und Buntsandstein, sowie Kalkmergelzonen und Lößlehmriegel.

Reiterpfad Flasche/Etikett: Auf der dunkelbraunen Schlegelfalsche klebt ein wunderschönes, auf historisch getrimmtes Etikett. Auf weissem Hintergrund, der durch helles grau eingerahmt ist, prangt ein in Kurrentschrift gehaltenes, überdimensionales W, umrankt und ausgefüllt von aufwändig gestalteten Ornamenten. All das in gold, was diesem imposanten Auftritt sogar noch eine edle und elegante Note verleiht. Unten drunter VON WINNING in Kapitalen, oben drüber REITERPFAD, ebenso in Grossbuchstaben. Ein Etikett, das eindrucksvoll und unverwechselbar ist. Das Rückenetikett in hellem grau ist weiss bedruckt und informiert über alles was man sonst noch wissen soll und muss. Da der Ruppertsberger Reiterpfad, so heisst der Wein korrekt, ein Teilsponti ist, darf er für eine Weile in der Karaffe Sauerstoff aufnehmen bevor er dann (bereits sehnsüchtigst erwartet) in die Gläser kommt.

Im Glas: Helles strohgelb strahlt aus dem Glas, zarte grünliche Reflexe blitzen kurz auf und beim Schwenken fällt auf, dass der Wein ganz fein aufperlt.

30. März 2013 | 0 Kommentare ...alles

‘Gimmeldingen’ 2010 Riesling

Nichts für Fruchtikusse.

Kein Riesling für Primärfruchttrinker. Hier gibt anspruchsvolle Mineralität den Ton an und sorgt für ein aufregendes Trinkerlebnis.

Winzer/Weingut: Weingut A. Christmann, Gimmeldingen/Pfalz, Deutschland.

Lage/Herkunft: Stammt von Sand- und Kalksteinlagen aus unterschiedlichen Gimmeldinger Parzellen.

Riesling Gimmeldingen Flasche/Etikett: Abgefüllt in einer braunen Schlegelflasche ziert diese ein schlicht gehaltenes und deshalb umso eleganteres Etikett. In gedecktem weiss zu oberst gross die Initialen AC und darunter A. Christmann in dezent geschwungener Typo. Darunter Jahrgang, Gimmeldingen, Riesling und Pfalz, alles zentriert unterhalb des goldenen Randes der das Etikett ganz oben einfasst. Alles ist konzentriert aufs Wesentliche und auf jegliches Schnickschnack wird verzichtet. Schlichter geht´s nicht mehr und das ist gut so. Auch am Rückenetikett findet der Interessierte nur das Nötigste, was angesichts der gesetzlich vorgeschriebenen Angaben schon genug ist. Da der Gimmeldingen ein Sponti (auf der Wilden Hefe spontanvergoren) ist, darf er für eine Weile in der Karaffe seine Runden drehen und nach einer Stunde kommt er in die Gläser.

Im Glas: Gleich dem Gold des Fort Knox leuchtet es im Glas, es strahlt und funkelt und an der Glaswand läuft ein leichter Film gemächlich wieder ab.

29. März 2013 | 0 Kommentare ...alles

Pó de Poeira Branco 2010

Wein aus dem Staub.

So heisst der Wein, Poeira (Staub), und genauso trocken ist er. Doch wer glaubt, dass das schon alles war, der wird eines Besseren belehrt.

Winzer/Weingut: Jorge Moreira, Poeira, Provesende, Portugal.

Lage/Herkunft: Von puren Schieferböden aus einem der heißesten Weintäler der Welt, dem Dourotal.

po de poeira branco Flasche/Etikett: Auf der braunen Bordeauxflasche klebt ein quadratisches weisses Etikett, über welches sich ein weinrotes Tuch schlängelt. Ganz oben der Jahrgang und der Hinweis ‘Branco’ und unterhalb des Tuches pó de poeira. Das war´s dann schon. Erst am Rückenetikett erfährt man in portugiesisch mehr über den Wein und seine Herkunft. Extra gross hervorgehoben ist der Hinweis mittels speziellem Siegel, dass es sich um einen Vinho Regional Duriense handelt. Da der Wein spontanvergoren ist kommt er für eine halbe Stunde in die Karaffe. Das gibt ihm Zeit sich zu akklimatisieren und uns, um die Frühlingsklamotten auszupacken und uns an den imaginären Strand ans ebenso imaginäre Meer zu begeben.

Im Glas: In kräftigem strohgelb dreht der ‘Staubige’ seine Runden im Glas. Goldene Reflexe blitzen auf und insgesamt sieht es sehr saftig aus.

28. März 2013 | 0 Kommentare ...alles

Ex Vero III 2006

Die wahren Abenteuer… sind nicht nur im Kopf.

Unbeschreiblich und überwältigend ist das, was man mit diesem Wein über zwei Tage erlebt. Ganz grosses Mundkino und einfach unvergesslich.

Winzer/Weingut: Ewald und Brigitte Tscheppe, Werlitschhof, Leutschach/Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von Opok/Kalkmergelböden aus steinigem Untergrund, gemischt mit lehmigeren Oberboden.

ex vero III Flasche/Etikett: Deckungsgleich mit dem Design der EX VERO-Linie klebt auch auf der Flasche des EX VERO III das bereits bekannte Etikett mit dem auf weissem Untergrund in einer Weltkugel verwurzelten Baum. Darunter wie bei den anderen EX VEROs wieder Werlitsch in angestaubter Kurrentschrift und in römischen Zahlen die III. Darunter noch der Jahrgang und fertig ist das einfache, dafür aber umso erdiger wirkende Stück Papier.

Wie schon bei den Etiketten auf den ersten beiden Flaschen wirkt auch dieses erst nach einer Weile richtig auf das Auge des Betrachters. Es strahlt Ruhe, Einfachheit und Erdigkeit aus. Es ist minimalistisch und trotzdem sehr aussagekräftig. Wie gehabt steht auch noch alles was man sonst noch wissen muss in kleiner Schrift ganz unten drauf. In grün wird darauf hingewiesen, dass der Wein aus dem Steirerland in Österreich kommt. In der Früh ist der EX VERO III in die Karaffe gewandert um sich dort auf seine letzte Reise vorzubereiten. Jetzt zu Mittag darf er in den grossen Burgundergläsern zeigen warum die Nummer III in Wirklichkeit die Nummer 1 im Stall ist.

Im Glas: Relativ klar und ziemlich goldgelb steht der EX VERO III im grossen Burgunderkelch und zieht in fetten Schlieren an der Wand hinunter. Schon optisch sieht der Wein recht kraftvoll in seiner Konsistenz aus.

27. März 2013 | 0 Kommentare ...alles

Erde 2010

Zurück zum Anfang.

Dieser Wein lässt einen die weltweit älteste Form der Weinherstellung hautnah erleben und entführt in eine neue, vergessene Geschmackswelt.

Winzer/Weingut: Weingut Maria & Sepp Muster, Leutschach/Steiermark, Österreich.

Lage/Herkunft: Von kargen, steinigen Opokböden aus steilen Weinhängen rund um das Weingut.

erde Flasche/Etikett: Schon das Gebinde das mit der ‘orangen Erde’ gefüllt ist, ist ein Hingucker. Nicht aus Glas ist es, sondern aus schlichtem Ton gebrannt. Authentischer kann man Wein dieser Art nicht ‘verpacken’. Wie alle anderen Etiketten die auf den Flaschen von Maria & Sepp Muster kleben ist auch dieses der Landschaft gewidmet und stilisiert sie wie gehabt in ansprechender Art und Weise. Wie schon im letzten Bericht erwähnt stammt das Design mit dem Namen ‘Horizonte’ vom 2009 verstorbenen Lehrer, Maler und Bildhauer Beppo Pliem. Perfekt an die Farbe des Tongebindes und auch an den Namen dieses Weines angepasst, dominieren die Farben braun und gelb und sorgen für ein wohlig warmes Erscheinungsbild. Unten wieder Muster ‘eingebrannt’ und in üblicher Schreibmaschinenschrift der Name Erde eingetippt. Am Rückenetikett eine Kurzeinführung in die Weinbereitung, die ursprünglich Quevri heisst und heute in der Regel für Orange Wines steht. Dazu ein Hinweis auf die empfohlene Trinktemperatur wie auch darauf, dass der Wein biologisch-dynamischem Anbau entstammt und demeter® zertifiert ist.

Bevor der Wein aber in die grossen, blankpolierten Burgundergläser kommt wird er bereits um 9 Uhr morgens in die grosse Karaffe umgefüllt und darf sich dort bis mittags mit sich selbst beschäftigen.

26. März 2013 | 0 Kommentare ...alles

Zweigelt ‘Schilfwein’ 2011

Blutorangen im Pfeffermantel.

Ein Süsswein der alles andere als einfach süss ist. Da tollen Himbeeren und Blutorangen im Pfeffermantel rum und machen einen richtig ‘scharf’.

Winzer/Weingut: Angerhof Tschida, Illmitz/Burgenland, Österreich.

Lage/Herkunft: Aus den um den Neusiedlersee verteilten Lacken und Salzlacken im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel im Burgenland.

Schilfwein Zweigelt 2011 Flasche/Etikett: Wie schon der Eiswein ‘Gelber Muskateller’ ist auch der Schilfwein in der kleinen 0,375l Flasche abgefüllt. Auch diese ziert ein turmhohes weisses Etikett mit einer feinen Goldumrahmung. Strikt dem Corporate Design folgend in der Mitte wieder das grosse Emblem mit TSCHIDA drin und unterhalb in gold Schilfwein Zweigelt und der Jahrgang. Oben wieder der kleine runde Sticker mit dem Hinweis ‘Sweet Winemaker of the Year’ darauf. Am Rückenetikett der Rest der wissenswert ist.

Im Glas: Entgegen der Vermutung fliesst hier kein dicker, fetter und hoch konzentrierter Wein ins Glas, nein. Es ist konzentrierter, keine Frage, wirkt aber eher wie etwas zu dick geratener Himbeersaft. Und so sieht es auch farblich aus. Dunkelhimbeerrot und durchaus klar in der Erscheinung.

In der Nase: Was im Glas ist duftet einem dann schon aus drei Meter Entfernung entgegen. Intensiver Himbeerduft in Kombination mit dem Saft frischer Blutorangen. Es riecht nicht pappsüss oder klebrig, ganz im Gegenteil. Frisch duftet es in der Nase, spritzig, pikant und auch ein wenig schokoladig. So als hätte man eine Tafel Schokolade durch das Fruchtkompott gezogen. Eindringlich, umwerfend.

22. März 2013 | 0 Kommentare ...alles